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4 Fazit

Zusammengefasst lässt sich belegen, dass:

• die Täter/innen des selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrunds gemeinsam mit wichtigen Szene-Funktionären in der thüringischen, neonazistischen Kameradschaftsszene der 1990er Jahre, im Thüringer Heimatschutz, sozialisiert und radikalisiert worden sind,

• Waffen, Sprengstoffe, Wehrsport, Übergriffe und Mordanschläge fester Bestandteil des extrem rechten Aktionsrepertoires sind,

• extrem rechte Ideologie in ihrer Konsequenz eine militante, terroristische und eliminatorische Komponente aufweist,

• Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt direkte Verbindungen zu Blood & HonourStrukturen hatten,

• in Strategiepapieren bzw. -diskussionen von Blood & Honour die Handlungsweise des NSU als „Führerloser Widerstand“ vorskizziert war.

Das terroristische Vorgehen des NSU kann bei eingehender Betrachtung der thüringischen extrem rechten Szene nicht überraschen. In der Bereitschaft zum brutalem Agieren statt zu Argumentieren liegt der Unterschied zwischen der NSU-Zelle, bestehend aus Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos, und der übrigen neonazistischen Szene. Der Beitrag hat nachgewiesen, dass dafür notwendige inhaltliche und strukturelle Voraussetzungen nicht nur zur Zeit des Untertauchens des Jenaer NSU-Trios vorhanden waren, sondern seither auch unabhängig von Beziehungen zum Nationalsozialistischen Untergrund in Thüringen weiterhin gegeben sind. Es existiert ein mörderisches Potential, bestehend aus der Ablehnung von universeller Menschenwürde und Demokratie, ideologisierten, (potentiellen) Täter/innen, die physische Gewalt ausüben, dem Verschaffen und vorrätig halten von Tatwaffen, einem funktionsfähigen Netzwerk und einer nicht erst seit dem NSU erprobten Strategie.

 
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