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4.2 Untersuchungsvorgehen/Instrumente

Für die Fallanalyse wird ein multi-methodaler Mehrebenen-Ansatz genutzt. Die Ermittlung von Merkmalen finanzmarktorientierter Steuerung entsprechend den in Abschnitt 2 identifizierten Indikatoren erfolgte anhand der Analyse teilstandardisierter Experteninterviews mit Managementvertretern und Betriebsräten der Fallunternehmen.

Zur Erfassung des Ausmaßes psychischer Belastungen, interessierter Selbstgefährdung und Stressreaktionen wurden quantitativ ausgelegte Mitarbeiterbefragungen in den Fallunternehmen vorgenommen.

Die Daten zur Belastungs-/Ressourcensituation wurden mit Hilfe eines für Projektarbeit konzipierten Belastungs- und Ressourcenscreenings gewonnen. Es setzt sich aus Skalen zur Messung von psychischen Belastungen, Ressourcen und Beanspruchungsfolgen (Stress, emotionale Erschöpfung, psychosomatische Beschwerden) und Skalen zur Messung von Bewältigungsverhalten zusammen (Gerlmaier/Latniak, 2011). Zur Messung der Beanspruchungsvariablen wurden die Skala „emotionale Erschöpfung“ des Maslach Burnout Inventory (Maslach et al. 1996) sowie die Irritationsskala (Mohr et al. 2005) eingesetzt. Als Belastungen wurden die Skalen aus Items des TAA-KS von Büssing, Glaser und Höge (2002) und ISTA (Semmer et al. 1999) verwendet. Als Ressourcen wurden die Skalen „Führung“ und „soziale Unterstützung“ aus dem SALSA (Rimann/Udris 1997) verwendet. Skalen zur Messung von Gestaltungsspielraum (Möglichkeit zur Verschiebung von Abgabeterminen, Möglichkeit der Einflussnahme auf Termine und Arbeitsvolumina, Möglichkeit der Delegation) und arbeitsbezogene Erholungsmöglichkeiten (Möglichkeit, regelmäßig kleine Pausen zu machen, Möglichkeit der störungsfreien Erholung am Wochenende, Möglichkeit der Einhaltung von Arbeitszeiten) wurden neu konstruiert. Ebenfalls neu konstruiert wurden Skalen zur Messung interessierter Selbstgefährdung. Mit der Skala soll erfasst werden, ob Befragte in Belastungssituationen dazu neigen, auf Pausen zu verzichten bzw. Freizeittermine einzuschränken.

Zur Ermittlung von Zusammenhängen zwischen Steuerungsmethoden, subjektiv erlebten psychischen Belastungen und Verhaltensweisen interessierter Selbstgefährdung wurden Gruppendiskussionen mit Beschäftigten durchgeführt. Auf Basis der Ergebnisse des Belastungs-Checkups wurden dabei die Belastungskonstellationen im Team und Ursachenzuschreibungen diskutiert; besprochen wurden außerdem mögliche Gestaltungsansätze.

4.3 Untersuchungssample

Die Datenbasis für die Fallbeschreibung A bilden 6 Interviews mit betrieblichen Experten, Daten aus Gruppendiskussionen mit 30 Beschäftigten und Befragungsdaten von 110 Mitarbeitenden. Sie wurden im Rahmen des BMBFgeförderten Projektes DIWA-IT im Jahr 2009 erhoben.

Für das Fallunternehmen B wurden 4 Interviews mit betrieblichen Experten geführt, Daten aus 10 Gruppendiskussionen mit 127 Beschäftigten genutzt sowie Befragungsdaten von 123 Beschäftigten analysiert. Die Daten wurden – nach derselben Methode wie im Unternehmen A – im Jahr 2012 im Rahmen des BMBF-geförderten Vorhabens PINOWA erfasst. Da beide Unternehmen über stabile Kundenbeziehungen verfügen, ist zu erwarten, dass mögliche Effekte durch umweltbezogene Störgrößen (wie etwa die Finanzkrise 2008) keinen bedeutsamen Einfluss auf die Ergebnisse haben dürften. Weder in den Gruppendiskussionen, noch bei den Interviews wurden die Wirtschaftskrise 2008 bzw. andere Konjunktureffekte als Einflussgrößen auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den beiden Fallunternehmen erwähnt.

 
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