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4 Verbreitung und kollektivvertragliche Regulierung der Erfolgsentgelte

4.1 Verbreitung und Verteilung von Erfolgsentgelten

Die Verbreitung der Erfolgsentgelte ist in der letzten Dekade deutlich angestiegen. Nach den Daten des SOEP hat sie sich von 2000 bis 2010 von 8% auf 14% der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft nahezu verdoppelt (Abbildung 1). Im gesamten Zeitraum lag das Niveau der Verbreitung von Erfolgsentgelten in der Metall- und Elektroindustrie deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt und auch über dem des Verarbeitenden Gewerbes. Anders als in der Gesamtwirtschaft zeigt sich zudem im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt – und in der Metall- und Elektroindustrie im Besonderen – ein zyklischer Verlauf. Konjunkturbedingte Gewinneinbrüche schlagen sich offensichtlich umgehend für einen erheblichen Teil der in die Erfolgsentgelte einbezogenen Beschäftigte in ausbleibenden Entgeltzahlungen nieder. Sobald sich die Gewinnlage der Unternehmen wieder bessert, partizipieren die Beschäftigten dann jedoch wieder, und dies mit insgesamt wachsender Verbreitung.

Abbildung 1: Verbreitung von Erfolgsentgelten nach Branchen (in % der Beschäftigten)

Quelle: SOEP, eigene Berechnungen (gewichtete Daten)

Nach den Daten des IAB-Betriebspanels liegt die Verbreitung der Erfolgsentgelte nach Betrieben in der Gesamtwirtschaft bei 10% für das Jahr 2011 (analog auch Bellmann/Möller 2011). Dies bedeutet einen geringen Anstieg von einem Prozentpunkt gegenüber dem Wert von 2001. In der Metall- und Elektroindustrie liegt die Verbreitung zwar fünf Prozentpunkte höher, doch ist hier über die gesamte letzte Dekade betrachtet die Entwicklung der Verbreitung rückläufig. Dieser scheinbare Widerspruch im Vergleich der Betriebsdaten des IAB mit den Beschäftigtendaten des SOEP lässt sich durch Berücksichtigung des Betriebsgrößeneffektes zumindest teilweise auflösen. Je mehr sich Erfolgsentgelte in Großbetrieben als in kleineren Betrieben verbreiten, desto deutlicher ist die Diskrepanz zwischen Betriebs- und Beschäftigtenzahlen: Wenn im Laufe der Zeit Großbetriebe kleinere Betriebe als Zahler von Erfolgsentgelten in der Statistik ersetzen, können wachsende Beschäftigtenzahlen sogar mit sinkenden Betriebszahlen einhergehen.

Diese Deutung deckt sich mit dem Umstand, dass die Verbreitung der Erfolgsentgelte nach Betriebsgröße differiert und dass diese Differenz im Zeitverlauf zunimmt. Erfolgsentgelte werden zumeist von Großbetrieben und weit seltener von Kleinbetrieben bezahlt, wie Abbildung 2 zeigt. In der Metall- und Elektroindustrie zahlt die Hälfte aller Großbetriebe und ein Viertel der mittelgroßen Betriebe Erfolgsentgelte. Während der Anteil der Betriebe in diesen Betriebsgrößenklassen mit Erfolgsentgelten von 2001 bis 2011 zugenommen hat, sank die Zahl der Kleinbetriebe mit weniger als 20 MitarbeiterInnen und einer Erfolgsbeteiligung zunächst und stieg darauf nur langsam wieder an. Ähnlich verteilt ist die Verbreitung von Erfolgsentgelten übrigens zwischen den unterschiedlichen Eigentumsformen; über 60% der Kapitalgesellschaften in der Metallindustrie haben Erfolgsentgelte. An dieser Stelle überlagern sich Betriebsgrößeneffekt und Eigentumseffekt (vgl. Haipeter 2013).

Abbildung 2: Verbreitung von Erfolgsentgelten nach Branche und Betriebsgröße (in % der Betriebe)

Quelle: IAB-Betriebspanel, eigene Berechnungen (gewichtete Daten)

Die Verteilung von Erfolgsentgelten zeigt zudem eine starke Differenzierung nach der beruflichen Stellung. Wenig überraschend ist der hohe Anteil von Leitungs- und Führungskräften mit Erfolgsentgelten. Von 1994 bis 2010 hat sich ihr Anteil mehr als verdoppelt und lag 2010 bei 50%. Angestellte mit qualifizierter Tätigkeit erhalten hingegen zu 18%, gelernte Facharbeiter etc. zu 20% und un- und angelernte Arbeiter nur zu 13% eine Erfolgsbeteiligung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Erfolgsentgelte nach Beschäftigtengruppen (Metall- und Elektroindustrie, in % der jeweiligen Beschäftigtengruppe)

Quelle: SOEP, eigene Berechnungen (gewichtete Daten), *aufgrund geringer Fallzahlen wurden Angestellte mit einfachen Tätigkeiten aus der Abbildung entfernt Leitungs- und Führungskräfte werden nicht nur häufiger am Erfolg beteiligt, sondern erhalten meist auch eine deutlich höhere Erfolgsbeteiligung als die restliche Belegschaft. Leitungs- und Führungskräfte in der Gesamtwirtschaft werden im Durchschnitt mit fast 10.000,€ am Erfolg beteiligt, Angestellte mit qualifizierter Tätigkeit erhalten ein Fünftel dieser Summe. Angestellte mit einfacher Tätigkeit, gelernte Facharbeiter sowie un- und angelernte Arbeiter bekommen im Vergleich zu den Leitungs- und Führungskräften lediglich ein Zehntel. Bei ATBeschäftigten und Führungskräften gelten zumeist gesonderte Regelungen der Erfolgsentgelte; diese bilden eine variable Komponente ihres Monatseinkommens. Tarifbeschäftigte hingegen erhalten entweder einen einheitlichen Betrag, oder die Höhe des Erfolgsentgelts wird nach Einkommensgruppen gestaffelt und als jährlicher Einmalbetrag gezahlt.

Nicht nur die berufliche Stellung, sondern auch die Zugehörigkeit zur Stammoder Randbelegschaft hat einen entscheidenden Einfluss auf die Beteiligung der Beschäftigten am Erfolg. In der Metallindustrie sind Leiharbeitsbeschäftigte die wichtigste Form prekärer Beschäftigungsverhältnisse (Haipeter 2012). Der Anteil an Leiharbeitskräften mit Erfolgsbeteiligung betrug im Jahr 2010 in der Metall- und Elektroindustrie zwei Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe fünf Prozent und in der Gesamtwirtschaft drei Prozent.

Auch das Geschlecht hat einen Einfluss auf die Beteiligung am Erfolg (Abbildung 4). In der Gesamtwirtschaft betrug der Gender Gap bei Erfolgsentgelten im Jahr 2010 sechs Prozentpunkte, im Verarbeitenden Gewerbe fünf Prozentpunkte und in der Metall- und Elektroindustrie drei Prozentpunkte. Immerhin nahm im Verarbeitenden Gewerbe und in der Metall- und Elektroindustrie die Ungleichverteilung im Zeitverlauf ab. In absoluten Beträgen erhielten Männer 2011 im Durchschnitt 5.900,€, Frauen dagegen lediglich 1.600,€ Erfolgsbeteiligung. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede lassen sich dadurch erklären, dass die Höhe der Erfolgsbeteiligung zumeist auch an die Entgelthöhe gekoppelt ist, und Frauen durchschnittlich wegen Teilzeitarbeit und niedrigerer betrieblicher Statuspositionen weniger verdienen als Männer (Ziegler et al. 2010).

Abbildung 4: Erfolgsbeteiligung nach Geschlecht und Branche (in % der jeweiligen Beschäftigtengruppe)

Quelle: SOEP, eigene Berechnungen (gewichtete Daten)

Insgesamt lässt sich festhalten: Die Verbreitung der Erfolgsentgelte nimmt zu. Erfolgsentgelte sind jedoch ungleich verteilt und fördern damit die Fragmentierung der Entgelte. Erfolgsentgelte verursachen die Lohndifferenzierung nicht, sie verstärken aber bestehende Unterschiede der Entgeltniveaus sowohl zwischen verschiedenen Unternehmen als auch zwischen unterschiedlichen Beschäftigtengruppen innerhalb der Unternehmen.

 
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