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2.2 Der Wertpapierprospekt

Auch wenn Fußballanleihen meist nur die unmittelbaren Anhänger des Vereins adressieren, ist der Emittent zur Erstellung und Veröffentlichung eines Wertpapierprospekts verpflichtet. Dieser ist nach dem Wertpapierprospektgesetz (WpPG) immer dann zu veröffentlichen, wenn eine Anleihe öffentlich angeboten werden

Emittent

Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke04 e.V.

Wertpapiergattung

Anleihe

ISIN/WKN Schuldverschreibung

DE000A1ML4T7/A1ML4T

Börsenkürzel

5S04

Rating (Creditreform)

BB

Emissionsvolumen (EUR)

Nominale bis zu 50.000.000

Stückelung (EUR)

Nominale 1.000,00

Dokumentation

Stand alone

Start Privatplatzierung

15. Mai 2012

Ende Privatplatzierung

10. Mai 2013 (vorzeitige Schließung vorbehalten)

Öffentliches Angebot

In Deutschland, Österreich, Luxemburg

Ausgabepreis (%)

100,00

Rückzahlungsbetrag (%)

100,00

Kupon (%)

6,75

Zinszahlung

Jährlich

Erste Zinszahlung

11. Juli 2013

Rückzahlungstag

11. Juli 2019

Notierung

Entry Standard für Anleihen (Frankfurter Wertpapierbörse)

Zahlstelle

Bankhaus Neelmeyer AG

Joint-Lead Manager

equinetBank AG

Gründe für das Angebot

Umfinanzierung von Verbindlichkeiten, u. a. zur Rückführung ausstehender Darlehen und der im Jahr 2003 begebenen Anleihen

Rang, Besicherung

nicht nachrangig, unbesichert

Vorzeitige Kündigung bei einem Kontrollwechsel (Gläubiger)

-

Negativverpflichtung (Emittentin)

Keine Bestellung von Sicherheiten zur Besicherung von Kapitalmarktverbindlichkeiten

Drittverzug (Emittentin)

Bei Nichtzahlung von Kreditaufnahmen

Besteuerung (Emittentin)

Tax gross-up,Kündigungsrecht

Abb. 2.1 Termsheet am Beispiel der FC Schalke 04-Anleihe. (Quelle: Unternehmensangaben, eigene Zusammenstellung)

Soll[1], so wie dies bei Platzierungen über die Börse und/oder an Privatanleger in der Praxis regelmäßig der Fall ist.

Der Wertpapierprospekt ist das zentrale rechtliche Dokument einer Anleiheemission. In diesem sind alle Angaben zum Geschäftsmodell, zum Markt und Wettbewerb, der Anleihe und insbesondere den mit der Anleihe bzw. dem Emittenten verbundenen Risiken aufzuführen. Gerade Erstemittenten – zu denen Fußballunternehmen überwiegend zählen – bietet der Wertpapierprospekt eine gelungene Möglichkeit, Unternehmen und Anleihe dem Kapitalmarkt vorzustellen. Ungeachtet dessen besteht für den Verein das zentrale Motiv für die Erstellung in der zivilrechtlichen Haftungsfreizeichnung. Hat ein Emittent nämlich alle wesentlichen Angaben vollständig und richtig in den Wertpapierprospekt aufgenommen und insbesondere auf sämtliche Risiken ordnungsgemäß und vollständig hingewiesen, laufen etwaige Schadensersatzansprüche von Zeichnern aus der Prospekthaftung ins Leere.

Bei Fananleihen umfasst der Wertpapierprospekt gewöhnlich zwischen 100 und 200 Seiten. Der Inhalt des Wertpapierprospekts ist gesetzlich vorgeschrieben. Von besonderer Bedeutung sind folgende Themenblöcke:

• die Zusammenfassung des Dokumentes auf den ersten Seiten des Prospekts;

• die strukturierte Darstellung des Geschäftsmodells des Emittenten inklusive der strategischen Ausrichtung, den Alleinstellungsmerkmalen und Wettbewerbsstärken;

• die Darstellung der mit dem Anleiheerwerb verbundenen Risiken, bestehend aus den Risiken des Emittenten, des Marktumfelds und spezifischen Risiken aus der Anleihe selbst; insbesondere rechtliche, steuerliche und technische Risiken, aber auch gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen, Patente und Lizenzen, Abhängigkeiten von einzelnen Personen und Unwägbarkeiten aus der Finanzierung des Geschäftsbetriebs;

• Beschreibung der Schuldverschreibung und des Angebots selbst, insbesondere Laufzeit, Verzinsung, Ausgabe- und Rückzahlungsbetrag sowie Währung, aber auch Covenants, Besicherungen und Gründe für die Emission (Mittelverwendung);

• die umfängliche Darstellung der Entwicklung der Finanz-, Vermögens- und Ertragslage, in dem die letzten beiden Konzernjahresabschlüsse in testierter Form aufzunehmen sind, die sogenannten F-Pages, die deswegen so heißen, weil sie meist mit einer eigenständigen Nummerierung (beginnend mit F-1) am Ende des Prospekts abgedruckt werden.

Darüber hinaus enthält der Prospekt die Anleihebedingungen, eine Darstellung des Emittenten (insbesondere seiner Organe, des Organigramms und der Geschäftstätigkeit) sowie bestimmte steuerliche Hinweise.

Der Prospekterstellung voraus geht eine intensive Legal Due Diligence, in der die internen und externen Rechtsverhältnisse des emittierenden Unternehmens – zu denen auch eventuelle Verbindungen zu nahestehenden Personen zählen – überprüft werden. Der Prospekt wird abschließend von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin auf Vollständigkeit, Lesbarkeit und innere Widerspruchsfreiheit geprüft und gebilligt, nicht aber auf dessen inhaltliche Richtigkeit. Nach Billigung und Veröffentlichung des Wertpapierprospekts kann sich für den Emittenten eine Pflicht zur Veröffentlichung eines Nachtrags zum Prospekt entstehen, insbesondere dann, wenn sich ein neuer, wichtiger Umstand oder eine wesentliche Unrichtigkeit in Bezug auf die im Prospekt enthaltenen Angaben ergeben hat. Derartige Aktualisierungen des Wertpapierprospekts sind auf der Homepage durch separate Nachträge zu veröffentlichen.

  • [1] § 3 Abs. 1 WpPG
 
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