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3.1 Verzicht auf Börsennotierung

Soweit Fußballvereine in der Vergangenheit Fananleihen emittiert haben, erfolgte dies meist ohne Börsennotierung. Wenn eine Börsennotierung angestrebt wurde, wurde eine Notierungsaufnahme über den unregulierten Kapitalmarkt angestrebt, den sogenannten Freiverkehr. Dieser ist – anders als der Regulierte Markt – ein privatrechtlich organisierter Markt. Das Börsensegment bietet den Emittenten die Vorteile einer börslichen Notierung, ohne sie gleichzeitig mit den Nachteilen eines regulierten Marktes zu konfrontieren, insbesondere mit der Einhaltung der zum Teil umfangreichen Zugangsvoraussetzungen und Folgepflichten. Obschon der Freiverkehr nur sehr geringe Ansprüche an den Emittenten stellt, wurde bislang nur die Fananleihe von Hertha BSC (2004) in den Börsenhandel aufgenommen. Den Fans aller anderen Fananleihen wurde dagegen ein vollständig illiquides Asset zugemutet, das die Gläubiger während der Laufzeit des Wertpapiers nicht verkaufen können.

3.2 Verzicht auf Rating

Grundsätzlich ist die Verzinsung einer Anleihe von dem mit der Anleihe oder dem Emittenten verbundenen Risiko abhängig: Je höher das mit einem Wertpapier verbundene Risiko, desto höher ist die Verzinsung, die von Investoren gefordert wird, damit sie bereit sind, dieses Wertpapier zu erwerben. Da nur die wenigsten Anleger über das fachliche Know-how verfügen, um anhand des Wertpapierprospekts und der öffentlich verfügbaren Informationen das Risiko eines Wertpapiers einzuschätzen, greifen die meisten Investoren auf die Arbeit von Ratingagenturen zurück.

Im Gegensatz zum Wertpapierprospekt, der bei einem öffentlichen Angebot verpflichtend ist, wurden Fananleihen bislang ausnahmslos ohne die Einschaltung einer Ratingagentur begeben. Damit wird eines der zentralen Elemente einer Kapitalanlage, das Risiko, nicht von einer unabhängigen Instanz bewertet. Stattdessen mussten Investoren selbst eine Einschätzung der Risiken der Fananleihe vornehmen. Eine solche ist in der Praxis dem einzelnen Anleger weder möglich noch zumutbar. Nur die wenigsten private Kleinanleger, oder institutionelle, professionelle Fondsmanager oder Vermögensverwalter verfügen über das fachliche Know-how, um anhand des Wertpapierprospekts und der öffentlich verfügbaren Informationen ein zutreffendes Urteil über die Risikoklassifizierung eines Emittenten und damit die an eine Anleihe anzulegende Effektivverzinsung abzugeben. Der Fan muss also darauf vertrauen, dass die ihm angebotene Verzinsung in Einklang mit dem Zins- und Tilgungsrisiko steht.

 
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