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3.3 Verzicht auf Covenants

Auch Covenants, die in den Bedingungen von High Yield-Anleihen seit jeher akzeptierter Standard sind, sind bislang nicht in die juristische Dokumentation von Fananleihen eingegangen. Dies dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass zum aktuellen Stichtag nur wenige institutionelle Investoren in Fananleihen investiert haben. Diese Verweigerungshaltung der Fußballunternehmen ist umso unverständlicher, als die Aufnahme effektiver Covenants in die Anleihedokumentation für alle Parteien eine Win-Win-Situation darstellt: Covenants stärken das Vertrauen der institutionellen Investoren und reduzieren zugleich den vom Fußballunternehmen geforderten Bonitätsaufschlag. Dieser Zusammenhang konnte durch zahlreiche empirische Untersuchungen gestützt werden, die einen negativen Zusammenhang zwischen dem Umfang an gewährten Covenants und dem Bonitätsaufschlag nachgewiesen haben.

3.4 Die Vermarktung von Fananleihen

Da es sich bei Vereinen nicht um Daueremittenten handelt, kann es problematisch sein, den Emittenten und die Bedingungen der Anleihe einer breiten Öffentlichkeit publik zu machen. Damit es einem Emittenten überhaupt gelingt, genügend interessierte Anleger zu finden, sind ein gewisser Bekanntheitsgrad des Unternehmens (der bei einem Verein zweifelsohne gegeben ist) sowie zahlreiche potenzielle Investorenkontakte gefordert, wie sie etwa über die langjährige Fanarbeit aufgebaut wurden. Dies sind jedoch nur die Hygienefaktoren einer Eigenemission, bei der das Fußballunternehmen neben dem Platzierungsrisiko auch eine Reihe weiterer Aufgaben übernimmt, die mit der Platzierung einer Anleihe verbunden sind. Platzierungsstarke und auf die Begebung von Anleihen spezialisierte Wertpapierhäuser und Banken, die einen direkten Zugang zu qualifizierten Investoren anbieten und im Erfolgsfall eine Vertriebsprovision vereinnahmen, wurden bei Fananleihen bislang ebenso wenig eingeschaltet wie andere Kapitalmarktexperten, die den Vereinen mit ihrem Know-how zur Seite stehen. Fußballvereine verzichten damit auf externe Kompetenzen in Bezug auf die Ausgestaltung der Anleihen, die Erkundung der Absatzchancen und die Gewinnung von Investoren.

Werden Anleihen nicht, wie üblich, mit Unterstützung von Banken als Fremdemission platziert, unterbleibt auch das sogenannte Pre-Sounding. Während dieser etwa zweiwöchigen Phase im Vorfeld einer Emission wird durch die Befragung von Investoren deren Bereitschaft ermittelt, zu welchen Bedingungen sie die Fananleihe zeichnen würden. Durch die Auswertung der Ergebnisse wird ein fairer Ausgleich

Verein

Prospektiertes Volumen

(Mio. EUR)

Gezeichnetes Volume

(Mio. EUR)

n

Platzierungsquote

Hertha BSC Berlin

6,0

4,5

75%

1. FC Köln

5,0

5,0

100%

Arminia Bielefeld

3,0

3,0

100%

Alemannia Aachen

5,0

4,2

84%

1860 München

9,0

0,7

7%

Hertha BSC Berlin

6,0

3,5

58%

Schalke 04

11,0

11,0

100%

1. FC Nürnberg

6,0

6,0

100%

FC St. Pauli

8,0

8,0

100%

Arminia Bielefeld

3,0

2,0

67%

Hansa Rostock

5,0

0,3

6%

Hamburger Sport-Verein

12,5

12,5

100%

1. FC Köln

10,0

10,0

100%

MSV Duisburg

5,0

n/a

n/a

Abb. 3.3 Platzierungsergebnisse von Fananleihen. (Quelle: Angaben der Vereine, eigene Angaben)

der Interessen der Investoren und des Emittenten sichergestellt. Unterbleibt das Pre-Sounding – so wie dies bei einer Eigenemission in Ermangelung von Investorenkontakten regelmäßig der Fall ist – ist der Emittent faktisch auf sich gestellt, Nominalverzinsung, Laufzeit, Covenants oder Besicherungskonzepte festzusetzen. Dass dies den Vereinsverantwortlichen gewissermaßen am „grünen Tisch“ nicht ebenso gut gelingen kann wie einem professionellen Institutional Sales-Team einer gut vernetzten Bank liegt auf der Hand. Dabei kann die nicht marktgerechte Festlegung des Kupon drastische Folgen haben: Wird nämlich der Kupon zu hoch festgelegt, hat dies unnötige Zinsaufwendungen in den Folgejahren zur Folge, ist er zu niedrig wird der Platzierungserfolg der Anleihe gefährdet. Letzteres ist bei FußballAnleihen der Normalfall: Unabhängig von der Ligazugehörigkeit liegen die Kupons zum Teil signifikant unter den für ein Unternehmen dieser Risikokategorie erwarteten Zinssätzen (Abb. 3.3).

Anleihen an den Belangen der Kapitalmarktteilnehmer „vorbeizupreisen“ und diese als spezielle Fanartikel zu positionieren, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Emissionsvolumen nicht vollständig platziert wird. In Einzelfällen kann dies durchaus groteske Ausmaße annehmen: So konnten Hansa Rostock und TSV 1860 München nur geschätzte 6 % bzw. 8 % des prospektierten Emissionsvolumens platzieren. Da in den meisten Fällen eine Fehleranalyse unterbleibt und im Gegenteil sogar der Misserfolg von den Vereinen als „Meilenstein der Vereinsgeschichte“ verbucht wird

[1], bleibt unklar, ob allein die marktfernen Nominalverzinsungen für die schwache Platzierung verantwortlich zu machen sind, oder auch eine unterdurchschnittliche Kapital- und Ertragslage der Vereine zum Zeitpunkt der Emission, ein schwaches sportliches Abschneiden oder auch eine rückläufige Zahl registrierter Mitglieder. Selbst die aktuelle Ligazugehörigkeit könnte für den Platzierungserfolg relevant sein. In jedem Fall hat die unvollständige Platzierung einer Anleihe negative Auswirkungen auf die Reputation des Emittenten, was sich langfristig auch in rückläufigen wirtschaftlichen Ergebnissen niederschlagen kann.

  • [1]

    1 So stellte das Management von Schalke 04, als nach Ablauf der Zeichnungsfrist ihrer Mittelstandsanleihe nur 70 % des avisierten Platzierungsvolumens eingeworben werden konnte, lapidar fest, dass es sich bei ihrer Mittelstandsanleihe immerhin um den höchsten, jemals erzielten Emissionserlös einer Anleihe eines deutschen Fußballclubs handelte

 
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