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3.5 Zeichnung und technische Abwicklung von Fananleihen

Bei Fananleihen ist es üblich, dass diese ausschließlich über öffentliche Medien wie Zeitungen und Fachzeitschriften wie 11 Freunde oder Kicker, über die Homepage des Vereins, Fanshops, die Geschäftsstelle, das (lokale) Fernsehen und gegebenenfalls über Sonderveranstaltungen beworben und vermarktet werden. Eine klassische Finanzkommunikation, etwa über die üblichen Finanzmedien wie Handelsblatt, Börsenzeitung und F.A.Z. oder auch über spezifische Anleiheportale wie anleihen-finder.de, fixed-income.org oder bondguide.de muss aufgrund der mutmaßlich hohen Streuverluste und des fehlenden überregionalen Interesses der Fananleihe unterbleiben.

Die technische Abwicklung der stets spesenfreien Zeichnung der Anleihe erfolgt meist auf zwei Wegen: Zum einen kann der Anleger über das Online-Portal des Vereins die für eine Zeichnung notwendige Dokumentation, im Wesentlichen also Zeichnungsantrag und Zeichnungsschein, Wertpapierprospekt, Geschäftsberichte oder Imagebroschüre herunterladen, ausfüllen und an den Verein oder einen spezialisierten Intermediär faxen. Zum anderen werden häufig lokal ansässige Geschäftsbanken und Sparkassen für die Platzierung der Anleihe mandatiert. Diese übernehmen jedoch meist nur einen passiven Part in der Platzierung, der sich darauf beschränkt, die relevanten Zeichnungsdokumente in den Geschäftsstellen der Kreditinstitute auszulegen.

Sämtliche beim Verein eingehenden Zeichnungsscheine müssen anschließend gesammelt und in einer Art „Orderbuch“ eingestellt werden. Im Fall einer Überzeichnung hat der Verein zu gewährleisten, dass dieses Orderbuch den Anleihebedingungen entsprechend auf die Interessenten zugeteilt wird. Für den Aufbau der technischen Infrastruktur und für die Abwicklung der Zeichnungen wird üblicherweise ein spezialisierter Dienstleister, in der Regel eine Zahl- und Hinterlegungsstelle, engagiert. Diese betreut den Emittenten in allen Fragen der wertpapiertechnischen Abwicklung der Emission einer Anleihe. Hierzu zählen insbesondere die Abwicklung des Zeichnungsprozesses sowie die für die Inhaber der Mittelstandsanleihe gebührenfreie (halb)jährliche Auszahlung der Zinsen (Bruttobetrag abzüglich der Kapitalertragssteuer und des Solidaritätszuschlags auf die Kapitalertragssteuer) gegen Einreichung der aufgerufenen Zinskupons sowie die Rückzahlung der jeweiligen Anleihe bei Fälligkeit (Tilgung).

Der Zeitrahmen, der für die Zeichnung einer Fananleihe veranschlagt werden muss, ist deutlich länger als bei einer klassischen Fremdemission, bei der ein Bankenkonsortium für die Platzierung der Anleihe verantwortlich ist. In der Regel wird die vierzehntägige stückzinsfreie Zeichnungsfrist deutlich überschritten, nicht selten sogar die für ein öffentliches Angebot von Wertpapieren vorgesehene maximale Angebotsfrist von zwölf Monaten ab dem Zeitpunkt der BaFin-Billigung vollständig ausgeschöpft. Und selbst dann ist die Vollplatzierung der Anleihe nicht garantiert.

 
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