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3.6 Mittelverwendung von Fananleihen

Bezogen auf die in den Wertpapierprospekten angegebene Mittelverwendung zeichnet sich ein diversifiziertes Bild. Tendenziell langfristige Investitionsprojekte, beispielsweise in den Stadionumoder -neubau oder ganz allgemein in Immobilien, rangieren unter den in den Wertpapierprospekten angegebenen Verwendungszwecken an erster Stelle. Maßnahmen, die die Restrukturierung der Passivseite vorsehen, werden bevorzugt von finanziell angeschlagenen Fußballvereinen mit schwacher Ertragslage und negativem Eigenkapital angegeben. Die Tatsache, dass unter den Vereinen mit den niedrigsten Platzierungsquoten auch diejenigen zu finden sind, die als Verwendungszweck lediglich pauschal „Allgemeine Liquiditätsbeschaffung“ angegeben haben, sollte Vereine zukünftig von dieser Mittelverwendung absehen lassen, zumal von einem Konsum der vereinnahmten Mittel ohnehin keine konkreten langfristigen Ertragsquellen zu erwarten sind. Dass auch Investitionen in den Spielerkader nicht unbedingt durch hohe Platzierungsquoten belohnt werden, mag überraschen. Eine Erklärung könnte sein, dass Investoren in Fußball-Anleihen, überwiegend also die lebenslang ihrem Verein verhafteten Fans, aufgrund ihres sportlichen Sachverstands von der Erfolgswahrscheinlichkeit einer Spielerverpflichtung ex ante schwieriger zu überzeugen sind als etwa die rein renditeorientierten Zeichner einer Industrieanleihe, aus deren Mitteln beispielsweise Investitionen in eine neue Fabrikhalle finanziert werden sollen.

3.7 Schmuckanleihen

Eine weitere wesentliche Eigenschaft von Fananleihen besteht darin, dass sie mit der Ausgabe effektiver Stücke, sog. Schmuckanleihen kombiniert werden. Anders als der Begriff suggeriert handelt es sich bei Schmuckanleihen nicht um eine Kapitalanlage in Perlen oder Edelsteinen, sondern um ein Wertpapier, das besonders hochwertig gedruckt und aufwendig künstlerisch gestaltet ist. Im angelsächsischen Ausland sind Schmuckanleihen deshalb auch als „Ornamental Loan“ oder „Artwork Bond“ bekannt (Abb. 3.4).

In der Regel weisen Schmuckanleihen niedrige Nominalwerte von 100 bis

1.000 EUR auf; alternativ können sich ihre Nominalwerte an wichtigen Jahreszahlen des Vereins orientieren. Besonders beliebt sind dabei Schmuckanleihen mit einem Nennwert, der dem Gründungsjahr des Vereins oder anderen bedeutenden Jahreszahlen entspricht. Häufig werden von den Vereinen verschiedene Nennwerte mit unterschiedlichen Motiven begeben, was den Fan dazu animieren soll, nicht nur eine Schmuckanleihe zu erwerben, sondern gleich einen kompletten Satz. In jedem Fall spekuliert der Emittent einer Schmuckanleihe darauf, dass diese zum Ende der Laufzeit nicht eingelöst, sondern als Sammlerstücke über den Fälligkeitstag hinaus aufbewahrt wird2. Dies betrifft häufig auch die angehängten Zinsscheine, die „echte Fans“ niemals von ihrer Anleihe abschneiden würden. In diesem Fall erhält der Emittent nicht nur den Emissionserlös quasi geschenkt, sondern muss noch nicht einmal die fälligen Zinsen bezahlen (Abb. 3.5).

3.8 Insolvenzen von Fananleihen

Dass auch Fananleihen „nicht ganz unrisikovoll“3 sein können, mussten spätstens die Anleger der „Tivoli-Anleihe“ von Alemannia Aachen erfahren, als der Verein nach dem Zwangsabstieg in die vierte Liga Insolvenz anmelden musste. Damit ist genau der Fall eingetreten, den Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer zum

Abb. 3.4 Beispiele für Schmuckanleihen. (Quelle: Vereinsangaben)

Verein

Anteil Schmuckanleihen

Nennwert (EUR)

Hertha BSC Berlin

50%

100 bis 1892

1. FC Köln

40%

100

Arminia Bielefeld

33%

100

Alemannia Aachen

28%

100 bis 500

1860 München

33%

150

Hertha BSC Berlin

48%

100 bis 1892

Schalke 04

40%

100 bis 1904

1. FC Nürnberg

38%

100 bis 500

FC St. Pauli

45%

100 bis 1910

Arminia Bielefeld

25%

100

Hansa Rostock

60%

100 bis 1965

Hamburger Sport-Verein e. V.

40%

125 bis 1.887

1. FC Köln

92%

100 bis 1948

MSV Duisburg

34%

111 bis 1902

Abb. 3.5 Schmuckanleihen im Überblick. (Quelle: Angaben der Vereine, eigene Zusammenstellung)

Zeitpunkt der Anleiheemission 2008 aufgrund der „finanziellen Aufstellung der Alemannia“ [1] als unrealistisch eingestuft hatte.

Die Tivoli-Anleihe ist nicht das erste Wertpapier, das nicht zurückbezahlt werden konnte. Bereits 2011 konnte sich Arminia Bielefeld für die Lizenz in der 3. Liga nur qualifizieren, weil Fans die seinerzeit fällige Anleihe entweder in eine neue umtauschten oder gleich ganz auf eine Tilgung verzichteten.

In beiden Fällen konnten die Umsatzeinbußen, die der sportliche Abstieg mit sich bringt, nicht kompensiert werden. In beiden Fällen war der Abstieg in die Drittklassigkeit ursächlich für die Zahlungsunfähigkeit. Kein Wunder, vermeldete beispielsweise Arminia in der 1. Liga (2006) noch Umsätze von etwa 30 Mio. € haben sich diese in der 2. Liga (2010) auf 13 Mio. € mehr als halbiert. In der 3. Liga brachen dann die Werbeerträge um 45 % und die Einnahmen aus Fernsehrechten um 82 % ein.

  • [1] Vgl. Tivoli: Alemannias Fan-Anleihe fließt in die Insolvenzmasse, in: Aachener Zeitung vom 12.06.2013, wo dieser mit einem Satz aus dem Jahr 2008 zitiert wird.
 
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