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2 Von der Pyramide zum Pilz: Die Bevölkerungsentwicklung als soziales Dilemma?

Wie wird Deutschland im Jahr 2035 oder gar im Jahr 2060 aussehen? Wie Abb. 2.1 zeigt, hat sich der Altersaufbau von einer Pyramidenform in eine Pilzform verwandelt. Die Ausbuchtungen zeigen den hohen Anteil der betagten Bevölkerung. Links in Abb. 2.1 sind zwei Ausbuchtungen zu sehen. Die erste Ausbuchtung betrifft die Gruppe der 40bis 50-Jährigen. Deren Anteil war im Jahre 2008 am höchsten. Einen ebenfalls hohen Anteil wies die Gruppe der 70-Jährigen auf. Aufgrund der anhaltend geringen Geburtenzahlen verschiebt sich die Ausbuchtung Stück für Stück nach oben, sodass im Jahr 2060 ein großer Anteil der Bevölkerung über 70 Jahre alt sein wird.

Abbildung 2.2 zeigt die Bevölkerung im Erwerbsalter. Dabei werden die Zeiträume 2008, 2020, 2035, 2050 und 2060 in die Betrachtung einbezogen. Deutlich erkennbar ist, dass der Anteil der 20bis unter 30-Jährigen über die Jahrzehnte verteilt auf konstant niedrigem Niveau bleibt. Er pegelt sich bei etwa 20 % ein. Am größten ist die Gruppe der 30bis unter 50-Jährigen. Zu ihr gehörten im Jahr 2008 49 % der erwerbstätigen Bevölkerung. 45 % sind es im Jahr

Abb. 2.2 Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis unter 65 Jahren. Ab 2009 Ergebnisse der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, Variante: Untergrenze der „mittleren“ Bevölkerung. (Statistisches Bundesamt 2009)

2060. Einen Anstieg verzeichnet nur die Gruppe der 60bis unter 65-Jährigen. Sie steigt gegenüber dem Jahr 2008 von 31 % auf 37 %. Insgesamt schrumpft die Bevölkerung. Die Pilzform der Bevölkerungspyramide wird schlanker.

Im Jahr 2009 gab das Statistische Bundesamt die 12. Bevölkerungsvorausberechnung heraus. Diese reicht bis in das Jahr 2060 und wurde zwischen den Statistischen Ämtern von Bund und Ländern koordiniert (Statistisches Bundesamt 2009, S. 5). Die Berechnung basiert auf Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, der Lebenserwartung und dem Saldo der Zuzüge und Abwanderungen aus Deutschland. Insgesamt haben sich zwölf Varianten ergeben, die das Statistische Bundesamt auf zwei reduziert hat:

Ergebnisse werden hier anhand von zwei Varianten beschrieben, welche die Entwicklung unter der Annahme annähernd konstanter Geburtenhäufigkeit, eines Anstiegs der Lebenserwartung um etwa acht (Männer) beziehungsweise sieben Jahre (Frauen) und eines Wanderungssaldos von 100.000 oder 200.000 Personen im Jahr aufzeigen. (Statistisches Bundesamt 2009, S. 5)

Die Varianten markieren die Grenzen der Entwicklung von Bevölkerungsgröße und Altersaufbau unter Fortsetzung des aktuellen demografischen Trends. Wie in Abb. 2.1 und 2.2 ersichtlich, werden diese als Unter- und Obergrenze der

„mittleren Bevölkerung“ bezeichnet. Die Geburtenzahl geht in Zukunft wahrscheinlich weiter zurück. Somit wird auch die Zahl der potenziellen Mütter immer kleiner (Statistisches Bundesamt 2009, S. 5), was wiederum die Geburten sinken lässt.

Wissenschaftler gehen von einer steigenden Lebenserwartung aus. Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen ewig leben. Und so nimmt die Zahl der Sterbefälle ebenfalls zu, was auf einen hohen Anteil der Babyboom-Generation unter den Hochbetagten zurückzuführen ist. Die Zahl der Gestorbenen übersteigt also die Anzahl der Geburten. Es findet kein Ausgleich statt. Das Geburtendefizit kann nicht durch Nettozuwanderung kompensiert werden. Und so nimmt Deutschlands Bevölkerung weiter ab:

Bei der Fortsetzung der aktuellen demografischen Entwicklung wird die Einwohnerzahl von ca. 82 Mio. am Ende des Jahres 2008 auf etwa 65 (Untergrenze der „mittleren“ Bevölkerung) beziehungsweise 70 Mio. (Obergrenze der

„mittleren“ Bevölkerung) im Jahr 2060 abnehmen. (Statistisches Bundesamt 2009, S. 5)

Die Altersstruktur verschiebt sich, wie der „Pyramidenpilz“ eindeutig zeigt. So wird im Jahr 2060 jeder Dritte über 65 Jahre alt sein. Zudem gibt es doppelt so viele 70-Jährige, wie Kinder geboren werden. Dass das Methusalem-Komplott keine Verschwörungstheorie ist, wird deutlich an der Tatsache, dass in 50 Jahren jeder Siebte 80 Jahre oder älter sein wird (Statisches Bundesamt 2009, S. 5).

Wie Abb. 2.2 zeigt, schrumpft mit der Bevölkerung auch der Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter. Das lässt auf den bereits erwähnten drohenden Fachkräftemangel schließen. Und überhaupt: Wer soll die Rente erwirtschaften, wenn der Anteil der Erwerbstätigen stets zurückgeht? Die hier beschrieben Fakten sind keine Utopie, die noch in weiter Ferne liegt und mit dem Satz „Nach mir die Sintflut“ abgetan werden kann. Bereits in drei (!) Jahren zeigt die Schrumpfung erste Auswirkungen. Immer mehr Seniorinnen und Senioren, die häufig ihr Leben lang gearbeitet haben und nun den Ruhestand genießen möchten, stehen den Erwerbstätigen gegenüber. Der Altersquotient steigt und steigt:

Im Jahr 2060 werden dann je nach Ausmaß der Zuwanderung 63 oder 67 potenziellen Rentenbeziehern 100 Personen im Erwerbsalter gegenüber stehen. Auch bei einer Heraufsetzung des Renteneintrittsalters wird der Altenquotient für 67-Jährige und Ältere 2060 deutlich höher sein, als es heute der Altenquotient für 65-Jährige und Ältere ist. (Statistisches Bundesamt 2009, S. 6)

Die Frage, wer das bezahlen soll, bleibt offen – erst recht in Zeiten, in denen das Geld immer mehr an Wert verliert.

 
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