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3 Wird unser Geld wertlos?

Was passiert mit unserem Geld? Kaum im Portemonnaie angekommen, ist es auch schon wieder weg. Das liegt aber keinesfalls an der Verschwendermentalität des Portemonnaiebesitzers. Dieser hat seinen Lebensstil beibehalten. Werden die Lebensmittel immer teurer? Erhöht sich der Preis für die Dinge des täglichen Bedarfs?

Heinz-Werner Rapp, Vorstand der Feri Finance AG, spricht von einer gefühlten Inflationsrate von 2,9 % (Mertgen und Rose 2013). Am meisten von Teuerungen betroffen sind dabei die Dinge des täglichen Lebens wie Arztrechnungen, Mieten oder der Restaurantbesuch. Wesentlich günstiger geworden sind Fernsehapparate, Handys oder Computer. Doch mal ehrlich: Wer braucht schon jede Woche einen neuen Fernseher?

In den nächsten Jahrzehnten werden die Inflationsraten wieder steigen. Deutschland wird von niedrigen Zinsen stimuliert. Dazu kommen wachsende Löhne (Einführung Mindestlohn) und höhere Lohnstückkosten (Mertgen und Rose 2013). Rapp tippt auf einen Inflationsanstieg von 3 %. Die Inflation ist ein Weg zur Senkung der Staatsschulden. Ein Herauswachsen ist unmöglich (je geringer die Inflation, desto stabiler der Wert des Geldes und desto stärker der Konsum und umgekehrt).

Der aktuelle Trend bedeutet, dass für Zinssparer schlechte Zeiten angebrochen sind. Einst sorgten die Billigprodukte aus China dafür, dass die Preise niedrig blieben. Aber auch in China sind die Löhne gestiegen. Im Grunde haben die Chinesen die weltweite Inflation im Zaum gehalten (Mertgen und Rose 2013). Weil es in der realen Wirtschaft zu wenig Nachfrage gibt, wandert das Geld an Kapitalmärkte, in Aktien, Immobilien und Anleihen. Rapp rät Investoren, sich vor der Inflation zu schützen, indem sie ihr Geld in Sachwerte anlegen, die laufende Erträge bringen (Mertgen und Rose 2013). Gold gehört nicht (mehr) dazu. Zu den Sachwerten gehören auch wirtschaftlich stabile Unternehmen. Hierfür wird in deren Aktien investiert. Welche Unternehmen das im Einzelnen sind, kann man letztlich erst beim Verfolgen der Wirtschaftsnachrichten über einen längeren Zeitraum erkennen. Unvorhersehbarkeiten sind aber auch hier nicht auszuschließen. Letztlich haben auch Finanzexperten den Aufstieg (z. B. Porsche ab den 90er Jahren) und Abstieg (z. B. Lehman Brothers 2008) vieler Unternehmen nicht vorhergesehen. Oder diejenigen, die es wussten, erzählten es niemandem, um selbst ausreichend zu profitieren. Es lohne sich auch, in Aktien der Bundesrepublik zu investieren. Der Experte rät von Unternehmensinvestitionen in Schwellenländern, aber auch Japan und Amerika ab (Mertgen und Rose 2013).

Die klassischste Investition ist aber die Investition in das Eigenheim. Die Zinsen sind niedrig, und die deutsche Wirtschaft bietet ebenfalls eine solide Basis. Manch einer wird jetzt argumentieren: Ein Eigenheim, wie soll ich mir das leisten? Es ist zwar positiv, dass die Regierung endlich die Mindestlöhne eingeführt hat, aber wie soll ich davon noch die Raten für ein Eigenheim begleichen? Und überhaupt: Auch ich mache der deutschen Geburtenrate alle Ehre – naja oder keine Ehre – und habe nur ein Kind. Was ist, wenn mein einziges Kind überhaupt kein Interesse an dem Eigenheim hat? Was, wenn es wie ein Vagabund durch die Welt ziehen will? Was, wenn es die Geburtenrate weiter zum Sinken bringt, indem es ganz auf Kinder verzichtet? Was wird dann aus meinem Eigenheim. Verkaufe ich es dann mit Verlust und bleibe auf einem Haufen Schulden sitzen?

Diese Gedankengänge sind nicht abwegig. Der Besitz eines Eigenheims und die damit verbundene Abzahlung eines Kredits setzen ein regelmäßiges Einkommen voraus. Doch ist die Regelmäßigkeit des Einkommens überhaupt noch sicher in einer Zeit, in der die Biografie zur lebenslangen Baustelle geworden ist? Wer gibt dem Arbeitnehmer in einer globalisierten Arbeitswelt die Sicherheit für seinen Job? Ist der Arbeitgeber nicht selbst den Unsicherheiten der modernen Arbeitswelt ausgesetzt?

Fakt ist: Ein Eigenheim bindet. Es bindet an einen Ort und erfordert ein regelmäßiges, gutes Einkommen, auch im Alter. Und dieses Einkommen im Alter entbehrt jeglicher Sicherheit. Manch einer wird sich fragen, was er im Leben falsch gemacht hat, denn wenn er sich in seiner Stadt oder Gemeinde umschaut, dann gibt es immer noch genügend Menschen, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen. Vielleicht bringt das folgende Kapitel Licht ins Dunkel, das die Durchschnittseinkommen denen der „Reichen“ gegenüberstellt.

 
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