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4 Steigen die Einkommen, steigen die Preise?

Warum müssen die Deutschen ständig jammern? Dafür gibt es doch gar keinen Grund! Die Einkommen sind im Vergleich zu 1990 stetig gestiegen. Selbst den „Armen“ geht es mittlerweile gut. Mediamarkt-Prospekte werden in ihrer Gestaltung vorrangig auf Hartz-IV-Empfänger ausgerichtet, wie auch immer das gehen soll. Durch teils sehr niedrige Lebensmittelpreise in Deutschland – mittlerweile expandieren ALDI und Co. Ins westeuropäische Ausland – muss wirklich niemand mehr Hunger leiden. Und auch Kredite werden, da die Banken ja auch Geschäfte machen wollen, so gerne wie nie vergeben.

Abbildung 4.1 zeigt die Entwicklung der Reallöhne Deutschlands beginnend mit dem Jahr 2003. Angegeben sind dabei die Veränderungen zum Vorjahr in Prozent. Dabei zeigt sich, dass die Einkommenssteigerung aus dem Jahr 2012 ein Jahr später komplett von der Inflation „aufgefressen“ wurde. Während die Löhne 2013 um 1,3 % stiegen, erhöhten sich die Verbraucherpreise um 1,5 %. Die Ursache für den Rückgang der Einkommen sei, laut Statistikern, im Rückgang der Sonderzahlungen zu suchen (Zeit Online 2014).

Abb. 4.1 Entwicklung der Reallöhne in Deutschland von 2003 bis 2013. Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Prozent. (Statistisches Bundesamt 2013; in Zeit Online 2014)

Abbildung 4.2 zeigt die reale und nominale Lohnentwicklung in Deutschland. Dabei werden der Reallohnindex, der Nominallohnindex und der Verbraucherpreisindex betrachtet.

Unter dem Nominallohnindex wird die Veränderung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich zusammengefasst (Bundeszentrale für politische Bildung 2013). Im Mittelpunkt stehen Beschäftige in Voll- und Teilzeit sowie geringfügig Beschäftigte. Im Verbraucherindex spiegelt sich die Entwicklung der Preise wider (Bundeszentrale für politische Bildung 2013). Im Reallohnindex zeigen sich die Entwicklung der Verdienste sowie die Entwicklung der Preise. Verändert sich der Reallohnindex positiv, dann sind die Verdienste mehr gestiegen als die Preise (Bundeszentrale für politische Bildung 2013). Wie Abb. 4.2 zeigt, hat sich der Reallohnindex in

Abb. 4.2 Reale und nominale Lohnentwicklung von 1991 bis 2012 (2010 = 100). (Statistisches Bundesamt 2013; Bundeszentrale für politische Bildung 2013)

den letzten 20 Jahren wenig verändert. Klar ausgedrückt: Die Einkommen sind gleich geblieben. Jegliche Steigerung ist eine Illusion. Hinsichtlich der nominalen Bruttomonatsverdienste bestehen Unterschiede in Bezug auf einzelne Arbeitnehmergruppen und deren Sozialstatus:

Beispielsweise sind die nominalen Bruttomonatsverdienste für Arbeitnehmer in leitender Stellung (plus 15,5 Prozent) und für herausgehobene Fachkräfte (plus 12,8 Prozent) überdurchschnittlich stark gestiegen. Fachkräfte (plus 10,9 Prozent), angelernte Arbeitnehmer (plus 10,0 Prozent) und ungelernte Arbeitnehmer (plus 9,8 Prozent) konnten zwar auch die Steigerung der Verbraucherpreise (plus 8,3 Prozent) kompensieren, die Verdienste nahmen aber trotzdem nur unterdurchschnittlich zu. Entsprechend hat sich der Lohnabstand zwischen den einzelnen Arbeitnehmergruppen von 2007 bis 2012 vergrößert. (Bundeszentrale für politische Bildung 2013)

Unterschiede bestehen zudem zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen Männern und Frauen. Interessant ist der monatliche Bruttomonatsverdienst. Dieser liegt bei Männern bei 3595 €. Frauen verdienen nur 2925 € (Bundeszentrale für politische Bildung 2013). Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. So verdient ein Arbeitnehmer in der Gastronomie wesentlich weniger als ein Unternehmensberater.

Doch wie gestaltet sich dies bei den obersten Zehntausend, bei der Elite? Fülbeck (2014) hat dazu die Zahlen des Instituts für Wirtschaft ausgewertet. Demnach zählt eine Person ab einem Vermögen von 261.000 € zur finanziellen Elite von Deutschland. Der Durchschnitt dieser Gruppe verfügt über ein Vermögen von 639.000 € nach Abzug aller Verbindlichkeiten (Fülbeck 2014). 1 % der Deutschen besitzt 1 Mio. €. Dabei sind vor allem die Rentner reich. So sind drei der vier reichsten Menschen Deutschlands über 50 Jahre alt. Das „reich“ bezieht sich dabei weniger auf Barvermögen als vielmehr auf Sachwerte wie Eigenheime und vermietete Immobilien. Aber ehe der Neid auf die Begüterten hochkocht, sollte bedacht werden, dass die meisten Reichen in Deutschland für ihr Geld geschuftet haben. Nur 16 % der Vermögen gehen auf Erbschaften oder Schenkungen zurück (Fülbeck 2014). Dennoch bleibt die Schere zwischen Arm und Reich weit geöffnet. Deutschland weist dabei die größte Vermögensungleichheit der gesamten Eu-

Vermögen: Ungleichheit Hält sich

Abb. 4.3 Vermögensungleichheit in Deutschland 2002 und 2007.

(Fülbeck 2014)

ropäischen Union auf. Abbildung 4.3 veranschaulicht, dass 20 % der reichsten Deutschen 70 % des Netto-Haushaltsvermögens besitzen. Daran hat sich in den letzten zehn Jahren nichts geändert.

Während der gewöhnliche Arbeitnehmer für seine Altersvorsorge jeden Cent umdrehen muss, ehe er ihn ausgibt, sehen die von Sachwerten gesegneten Reichen einem ebenso gesegneten Ruhestand entgegen. Das folgende Kapitel richtet sich deshalb nicht an die Elite, sondern an diejenigen, die wissen möchten, wie sie auch mit geringem Einkommen die Rente finanzieren können.

 
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