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5.2 Gibt es die Altersvorsorge für den kleinen Geldbeutel?

Mehr denn je entscheidet heute die soziale Herkunft über Arm und Reich. Wer in eine wenig begüterte Familie hineingeboren wird, würde demnach immer arm bleiben – wenn es da nicht das Bildungssystem gäbe. Es waren die Visionen der Blumenkinder, die das erstarrte Bildungssystem des Nachkriegsdeutschlands von Reform zu Reform brachten. „Chancengleichheit für alle“ hieß das große Ziel. Der Traum von der Chancengleichheit ist mittlerweile ausgeträumt, wie verschiedene Studien belegen.

Im Grunde beginnt die Selektion bereits nach der Grundschule. Schon im zarten Alter von zehn Jahren sollten die Eltern (und die Kinder) wissen, ob sie für die höhere Bildung geeignet sind. Beobachtet man Kinder in dem Alter, wird schnell klar, dass sie viel lieber spielen und kreativ die Welt entdecken. Wen interessiert mit zehn Jahren schon das Leistungsstreben der Gesellschaft? Und doch führt kein Weg daran vorbei. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass trotz guter Noten nur 38 % der „Unterschichtkinder“ auf das Gymnasium gehen (Mayer-Kuckuk 2004). Augenscheinlich müssen sie sogar mehr Leistung bringen, damit Lehrer sie für das Gymnasium empfehlen. Von den wenigen „Unterschichtkindern“, die das Abitur machen, gehen längst nicht alle auf die Uni. Einige bevorzugen die klassische Berufsausbildung und verfehlen dadurch mitunter Berufe mit hohem Einkommen und Sozialprestige. Als größeres Problem sollten aber immer noch all jene Jugendlichen gesehen werden, die durch gänzlich fehlende Qualifikation immer in prekären, also unsicheren wirtschaftlichen Umständen verharren werden. In dem Sinne ist der zeitweise immer wieder auftauchende Wunsch der Politik nach einer Akademisierung der Bevölkerung als vermessen anzusehen. Ein oft unterschätzter Faktor ist dabei die Ermutigung von Seiten der Eltern. Bleibt diese aus, entwickeln die Kinder geringeren Ehrgeiz. Angenommen, die Kinder aus der Unterschicht entwickeln den Ehrgeiz trotz aller Widrigkeiten, und erklimmen die Karriereleiter Stufe für Stufe: Abitur, Studium, Promotion … Schließlich klopfen sie an die Tür zur Chefetage. Keiner öffnet. Warum? Ganz einfach: Wer oben ist, hält die Tür zu. Die etablierten Eliten legen den Emporkömmlingen gern Steine in den Weg. Es sieht also ganz danach aus, als ob man zum Manager geboren wird. In Zahlen ausgedrückt haben Leute mit großbürgerlichem Hintergrund fünfmal bessere Chancen auf eine Eliteposition in der Wirtschaft (Mayer-Kuckuk 2004).

Längst ist erwiesen, dass die Öffnung der Universitäten für die Mittelschicht die meisten Vorteile brachte. Ihre Aussicht auf Hochschulbildung stieg seit den Bildungsreformen in den 1960er Jahren um 30 %. Die Chancen der Arbeiterkinder stiegen nur um 4 % (Mayer-Kuckuk 2004). Diese Ausführungen zeigen, dass die Tatsachen eine eigene Sprache sprechen: Geld kommt zu Geld. Einmal reich, immer reich. Was aber, wenn der Weg zur Universität zu steinig war und der Mensch als Hilfsarbeiter sein Dasein fristen muss? Ist das der sichere Weg in die Altersarmut? Oder ist es trotzdem möglich, für das Alter vorzusorgen?

Die erfreuliche Antwort lautet Ja. Dabei ist die Vorsorge abhängig vom monatlichen Einkommen und vor allem davon, wie dauerhaft dieses Einkommen zur Verfügung steht.

Im Zeitalter von Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen ist es keinesfalls sicher, dass jeden Monat die gleiche Summe auf dem Konto eingeht. Fakt ist jedoch, dass das Rentenniveau weiter sinkt. Dazu kommt, dass später ein größerer Teil als heute steuerpflichtig sein wird. Im Grunde sollte jeder so früh wie möglich an die Altersvorsorge denken. Am besten beginnt er damit, wenn er das erste Geld verdient. Doch wichtiger ist es zunächst, Rücklagen für Notsituationen zu bilden, beispielsweise für eine eventuelle Autoreparatur oder die kaputte Waschmaschine. Es bringt also nichts, wenn der normale Konsum auf Pump – und das zu riesigen Zinssätzen – finanziert werden muss. Wichtig ist zudem, Risiken wie Tod oder Berufsunfähigkeit abzusichern.

Erst wenn Schulden getilgt, Risiken abgesichert und Rücklagen gebildet wurden, sollte die Altersvorsorge in Angriff genommen werden. Ideal sind dabei flexible Produkte, die sich an die individuellen Voraussetzungen anpassen. Immer noch gehört die klassische Riester-Rente zu den beliebten Angeboten, da diese auch für „arme“ Menschen geeignet ist. Schon ab einer Einzahlung von 5 € erhält der Vorsorger staatliche Zulagen. Anspruch auf die Förderung haben auch diejenigen, die Arbeitslosengeld I oder II beziehen. Das angesparte Geld wird nicht angerechnet. Bei kompletter Zahlungsunfähigkeit ist es möglich, die Beiträge eine Weile ruhen zu lassen. Das Geld geht nicht verloren. Einige Arbeitgeber bieten das Ansparen vermögenswirksamer Leistungen an. Unter Umständen gibt es sogar noch zusätzliche Förderungen in Form einer Arbeitnehmersparzulage bzw. Wohnungsbauprämie. Sparer mit kleinem Geldbeutel sollten sich also nicht scheuen, staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Eine weitere Möglichkeit der Altersvorsorge für Geringverdiener sind Fondsparpläne. Auch das ist besonders für junge Leute interessant. Es gibt europaweite Aktienfonds, die als sicher gelten. Auch Banksparpläne und Tagesgeldkonten sind in die nähere Betrachtung einzubeziehen. Wem die Auswahl schwerfällt, sollte sich professionell beraten lassen. Da in der Finanzbranche viele schwarze Schafe unterwegs sind, empfiehlt es sich, verschiedene Beratungen zu konsultieren sowie Freunde und Bekannte nach ihrer Altersvorsorge zu befragen.

 
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