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5.3 Comeback des Sparstrumpfes?

Natürlich ist der Begriff der Altersarmut an Geldbeträge gekoppelt. So gilt derjenige, der 742 € oder weniger gesetzliche Rente zugesagt bekommt, als arm (Kunze 2014). Derartigen Bescheiden liegt der Antrag für die Grundsicherung bei. Diese Sozialleistung wurde im Jahr 2003 eingeführt. Sie wird bei Erwerbsminderung oder im Alter gezahlt, wenn die eingezahlten Beiträge nicht zum Leben reichen. Im Unterschied zur Sozialhilfe werden die Angehörigen bis zu einem Jahreseinkommen von 100.000 € nicht zur Zahlung herangezogen. Die Grundsicherung ist eine ergänzende Sozialleistung, die früher von vielen Rentnern nicht beantragt wurde, um ihren Angehörigen nicht zur Last zu fallen. Diese Sorge fällt für viele – angesichts der 100.000-€-Grenze – nun weg. Erben haften auch nicht nachträglich für gezahlte Sozialleistungen (Kunze 2014). Die Leistungen der Grundsicherung entsprechen dem Satz der Sozialhilfe. Derzeit gibt es 364 € für alleinstehende Personen und 656 € für Paare. Dabei werden die Kosten für Unterkunft und Heizung sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung übernommen. Bei bestimmten Behinderungen besteht ein Anspruch auf Zuschlag (Mehrbedarf).

Doch das Wichtigste kommt jetzt: Das gesamte Einkommen und Vermögen wird auf die Grundsicherung angerechnet. Dazu gehören auch private Renten. Verschont bleiben ausschließlich Ersparnisse bis zu 2600 € und die selbstgenutzte Immobilie (Kunze 2014). Gezahlt wird im Übrigen erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung.

Wer also jetzt schon davon ausgehen kann, dass ihm im Alter nicht mehr als die Grundsicherung zusteht, der sollte von aufwendigen Sparmaßnahmen absehen, zumindest was Kapitalanlagen und Versicherungen betrifft. Möglicherweise ist hier der Sparstrumpf der beste Begleiter. Solange dieser nicht bei einem Brand abhandenkommt, ist er eine sichere Anlage, unter Beachtung der jährlichen Inflation.

5.4 Was nützen Immobilien und Aktien?

Ein Teil der Bevölkerung muss also zur Absicherung im Alter das letzte Geld zusammenkratzen – Geld, das nicht in die Ausbildung der Kinder, in Steuern, Reparaturen, Autokäufe oder Versicherungen geflossen ist. Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung leistet sich stattdessen Aktien und Immobilien. Letztere liegen voll im Trend, wie eine aktuelle Studie der Postbank beweist (Postbank-Studie 2014). Dieser Trend lässt sich mit den günstigen Zinsen erklären. Mitunter kann der Kauf einer Eigentumswohnung sinnvoller sein, als Miete zu zahlen. Das gilt auch für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Als Richtwert gelten 40 % des Haushaltsnettoeinkommens. Auch der Traum vom eigenen Haus lässt sich realisieren. Hier wird 1200 € verfügbares Nettohaushaltseinkommen als Richtwert genannt (Postbank-Studie 2014). Besonders im Osten sind Einfamilienhäuser bezahlbar. Dabei muss die Lage beachtet werden. Immobilien steigen im Wert, wenn sie in einer besonders günstigen Wohnlage stehen. Nur so lässt sich die Immobilie irgendwann mit Gewinn verkaufen.

Und wie verhält es sich mit Aktien? Viele mögen bei diesem Thema an das Desaster der Telekom-Aktie denken, die einst Manfred Krug bewarb und als Inbegriff einer Aktie galt, die sich jeder leisten kann – eine Aktie des kleinen Mannes. Nach dem Untergang der Aktie und damit des ganzen Unternehmens hatte gerade dieser kleine Mann das Vertrauen in Aktien verloren. Aktien galten fortan als riskant. Sie waren etwas für Spieler und kalte Zocker, die nicht wussten, wohin mit ihrem vielen Geld. Eigene negative Erfahrungen mit Aktien haben viele Menschen gebrandmarkt. Stattdessen legen sie ihr Geld lieber in Sparanlagen oder Tagesgeldkonten an. Langzeituntersuchungen haben ergeben, dass es sich bei der Aktie um eine sichere Anlage handelt (Seibel 2014). Das Ergebnis basiert auf Untersuchungen des US-Marktes. Für den US-Markt gibt es die längsten Zeitreihen. Auf Sicht von 30 Jahren hat die Aktie nie an Wert eingebüßt. Es heißt:

Jeder, der für seine Altersvorsorge innerhalb der zurückliegenden 213 Jahre in US-Aktien investierte, ganz gleich zu welchem Zeitpunkt, konnte sich mit dem Ersparten nach Ablauf von drei Jahrzehnten mehr leisten als zuvor. (Seibel 2014)

Die durchschnittliche Rendite betrug dabei 2,81 % pro Jahr – nach Abzug der Inflation. Dennoch gab es für Aktien dunkle Tage. Dazu gehörte der Schwarze Montag 1987. Innerhalb einer Stunde brachen die Kurse ein. Und das Kuriose dabei ist: Es gab kein einschneidendes Ereignis, das den Kurseinfall begründet hätte. Anders als am 11. September 2001. Die Terroranschläge in New York führten zum sofortigen Kurseinbruch. Ähnliches galt für die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 (Seibel 2014). Doch tatsächlich handelt es sich bei den Einbrüchen nur um kurzfristige Verluste. So lag der maximale Verlust im US-Aktienmarkt innerhalb eines Jahres bei 38 % nach Abzug der Inflation. Das war im Jahre 1932. Interessant ist:

Je länger der Anlagezeitraum ist, desto weniger entscheidend ist auch bei Aktien der Einstiegszeitpunkt in den Markt. Wer sein Geld fünf Jahre anlegte, machte innerhalb der vergangenen 213 Jahre in 36 Fällen Verlust, bei zehn Jahren war dies 16 Mal der Fall, bei 30 Jahren, wie erwähnt, kein einziges Mal. […] Über die letzten 200 Jahre ist der Breitenwohlstand in den Industriestaaten enorm gewachsen […]. (Seibel 2014).

Das bedeutet also, dass Aktienbesitzer viel Geduld aufbringen müssen. Das Risiko des Verlusts reduziert sich durch eine breite Streuung der Gelder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine todsichere Altersvorsorge nicht gibt. Bei Aktien stellt die wirtschaftliche Situation das Risiko dar, Immobilien können an Wert verlieren, und Tagesgeldkonten unterliegen Schwankungen. Bei Versicherungen besteht die Gefahr, dass die Gesellschaften den größten Nutzen davontragen. Der gute alte Sparstrumpf unterliegt der Inflation. Bei einer selbstgenutzten Immobilie lässt sich nach Abzahlung des Kredits immerhin die Miete einsparen.

Und doch bleibt die eigene Immobilie für viele ein Traum. Einige freuen sich bereits sehr, wenn das Geld gerade noch für die Dreizimmerwohnung reicht.

 
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