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7 Gibt es ein Leben nach der Rente?

Die vergangenen Ausführungen haben gezeigt, dass es für die jetzigen und kommenden Generationen immer schwerer wird, Rentenpunkt für Rentenpunkt zusammenzukratzen. Dazu kommt der Anstieg der Lebensarbeitszeit. Wer weiß schon, ob es ihm überhaupt noch gestattet sein wird, in Rente zu gehen? Arbeiten bis 70 oder 80? Soll diese Vision in Zukunft Wahrheit werden? Und wie soll diese Vision in der Realität aussehen? Greise, die hochbetagt auf Baustellen herumkriechen? Arbeitsunfälle, die rapide ansteigen? Demenzkranke in der Verwaltung? Parkinsonpatienten als Chirurgen? Arbeiten bis zum Umfallen – so lautet die Devise der Zukunft. Das ist praktisch. Die Rente lässt sich dadurch ganz einsparen. Die Bürger werden finanziell und körperlich ausgequetscht wie eine Zitrone. Und wenn sie alt und krank sind, sollten sie möglichst schnell ableben, um niemandem zur Last fallen.

Doch was, wenn jemand vor dem Renteneintritt berufsunfähig wird? Krankheiten wie Multiple Sklerose, Diabetes oder Schlaganfall ändern das Leben von heute auf morgen. Aber auch Rückenprobleme machen immer mehr Menschen zu schaffen.

Abb. 7.1 Ursachen für Berufsunfähigkeit. aus. (Rübartsch und Gesellensetter 2011)

7.1 Berufsunfähigkeit – ein unterschätztes Risiko?

Angesichts der steigenden Arbeitsbelastung in vielen Branchen ist es wichtig, für den Fall der Berufsunfähigkeit Vorsorge zu treffen. Abb. 7.1 zeigt die Ursachen für eine Berufsunfähigkeit, unterteilt nach Altersgruppen.

Über alle Altersgruppen verteilt gehören Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats zu den häufigsten Ursachen von Berufsunfähigkeit. Ab 51 steigt das Risiko für Erkrankungen des Herzens und der Gefäße. Das Unfallrisiko sinkt mit zunehmendem Alter, was auf die steigende Berufserfahrung zurückzuführen ist. Zudem steigt mit dem Alter die Achtsamkeit. Die Gefahr für Nervenkrankheiten ist zwischen 41 und 50 mit dem höchsten Prozentsatz gegeben. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Sonstige Erkrankungen halten sich die Waage. Natürlich gestaltet sich das Krankheitsrisiko von Branche zu Branche unterschiedlich. So ist das Risiko für Skeletterkrankungen im Baubereich, in der Pflege und bei der Gebäudereinigung besonders hoch. Nervenerkrankungen, wie der gefürchtete Burnout, sind im Sozialbereich besonders häufig zu finden. Herz- und Gefäßerkrankungen sind unter anderem abhängig von der Lebensweise und der Ernährung. Manager in leitenden Funktionen haben ein höheres Herzinfarktrisiko als der kleine Angestellte. Stress begünstigt auch Krebserkrankungen, wenngleich die genetische Disposition nicht zu unterschätzen ist.

Plötzliche Berufsunfähigkeit kann zu Armut führen. Dazu kommt, dass der Berufsunfähige seiner Situation hilflos ausgeliefert ist. Wird eine gesunde Person arbeitslos, besteht immer die Möglichkeit einer neuen Anstellung. Berufsunfähige erhalten im Idealfall eine staatlich geförderte Rehabilitation. In diesem Fall zahlt der Rententräger eine Umschulung bzw. Qualifikationsmaßnahme. So können Skelettkranke unter Umständen im Büro einen neuen Wirkungskreis finden, vorausgesetzt es sind ausreichend Arbeitsstellen vorhanden.

Ohne Vermögen oder eine andere Art der Absicherung ist die Berufsunfähigkeit der sichere Schritt in die Armut.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente sieht 750 € als Höchstsatz vor. Deshalb gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt und ist Bestandteil der privaten Vorsorge. Im Falle der Berufsunfähigkeit wird eine monatliche Rente gezahlt, deren Höhe abhängig ist von den Einzahlungen. Allerdings ist es gar nicht so einfach, eine einigermaßen günstige Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden (Rübartsch und Gesellensetter 2011, S. 1). Viele Gesellschaften suchen sich die Kunden sorgfältig aus, denn die zu zahlenden Summen können sehr hoch werden.

Bevor der Kunde einen Vertrag unterschreibt, sollte er die Vertragsklauseln und das Kleingedruckte genau studieren und eventuell untragbare Passagen herausstreichen lassen. Viele Versicherungen zahlen nicht, wenn der Versicherte seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann und stattdessen in dem erlernten Beruf ähnlichen Bereichen arbeitet, beispielsweise eine gelernte Grundschullehrerin, die nicht mehr unterrichtet, sondern im Schulsekretariat arbeitet. Besonders treffend ist folgende Formulierung:

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls voraussichtlich oder tatsächlich für mindestens sechs Monate außerstande ist, seinen Beruf auszuüben. Berufsunfähigkeit liegt nicht vor, wenn der Versicherte eine andere, seiner Ausbildung, Erfahrung und bisherigen Lebensstellung entsprechende berufliche Tätigkeit tatsächlich ausübt. (Rübartsch und Gesellensetter 2011, S. 2)

Auch die Beachtung von Zeitgrenzen ist wichtig. Die meisten Versicherungen beginnen die Rentenzahlung nach sechs Monaten Berufsunfähigkeit. Wenn sich der Beginn der Rentenzahlung aus diversen Gründen verzögert, sollte der Kunde darauf achten, dass die Rente rückwirkend gezahlt wird.

Bei Vertragsabschluss müssen alle Krankheiten angegeben werden, beispielsweise Allergien oder gelegentliche Rückenprobleme, auch wenn dies zu Preisaufschlägen führt. Teilweise werden vorbelastete Kunden auch abgelehnt. Bleiben gesundheitliche Probleme bei Vertragsabschluss unerwähnt, können Versicherungen den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten.

Es ist sinnvoll, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Dynamik beinhaltet. Mit den Beiträgen erhöhen sich die Prämien.

Alles in allem verhindert eine umsichtig abgeschlossene Versicherung Armut im Alter.

 
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