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8 Krankheit im Alter – geplantes Schicksal?

Die größte Angst vor dem Alter ist die Angst vor Krankheiten. Im Grunde liegt es klar auf der Hand: Wenn der Körper abbaut, geht auch die Gesundheit zurück. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens (schwerer) Erkrankungen erhöht sich. Ein Blick in wissenschaftliche Erkenntnisse bringt Erschreckendes zutage: Bereits ab 30 sinkt der Grundumsatz an Energie. Dass die Wissenschaft hier recht hat, lässt sich unschwer an der Körperfülle einiger Menschen erkennen. Dazu kommt, dass die Nervenbahnen die Reize langsamer weiterleiten (Ullmann 2012). Das Gehirngewicht nimmt ab. Mit anderen Worten: Das Gehirn schrumpft! Wer sich schon immer gewundert hat, warum er von Jahr zu Jahr vergesslicher wird, findet nun mit dem schrumpfenden Gehirn die Antwort. Auch die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. So mancher weiß nun, warum er so schlecht zuhören kann, wenn andere etwas erzählen. Möglichweise ist etwas dran an der alten Weisheit, dass der liebe Gott nur für 27 Lebensjahre eine Garantie bereithält. Alles was danach kommt, ist eine gnädige Beigabe. Das waren die negativen Seiten des Alterns. Positiv ist, dass das Altern kein grausiges Schicksal sein muss. Jeder Mensch kann selbst etwas für seine Lebensqualität im Alter tun. Wennschon altern, dann bei guter Gesundheit.

8.1 Welche Krankheiten erwarten uns im Alter?

Auch wenn es zahlreiche Möglichkeiten gibt, das Alter bei guter Gesundheit zu erleben, bleiben bestimmte Krankheiten nicht aus. Es gibt Krankheitsbilder, die im Alter gehäuft auftreten. Doch zunächst sollen die wissenschaftlichen Thesen zur Gesundheit im Alter betrachtet werden.

Eigentlich ist davon auszugehen, dass die gesundheitlichen Risiken mit dem Alter ansteigen. Doch die Wissenschaft bietet dazu gegenläufige Thesen an:

• Die Kompressionsthese besagt, dass Menschen mit höherer Lebenserwartung länger gesund leben und schwere Krankheiten erst kurz vor dem Tod auftreten (Fries 1989). Die Menschen erfreuen sich demzufolge bis ins hohe Alter einer guten Gesundheit.

• Die Expansionsthese hingegen geht davon aus, dass die gesundheitlichen Risiken mit der Lebenserwartung steigen. So leben die Menschen länger, gleichzeitig sind sie aber auch länger krank (Guralnik 1991).

Welche der beiden Thesen tatsächlich zutrifft, konnte statistisch noch nicht belegt werden. Nach Berechnungen auf Basis der Ergebnisse der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, könnte sich die Zahl der Krankenhausbehandlungen bei sinkender Bevölkerung bis zum Jahr 2030 von 17 Mio. auf 19 Mio. Menschen erhöhen, wobei Männer wesentlich häufiger betroffen wären als Frauen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 10). Unterschiede gibt es auch im Hinblick auf die Altersstruktur. Bis zum Jahr 2020 wird jeder fünfte Krankenhausfall von der Altersgruppe der über 80-Jährigen verursacht. Im Jahr 2005 betraf dies nur jeden achten Fall (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 13).

Alle genannten Zahlen beziehen sich auf die These, dass gesundheitliche Risiken mit dem Alter steigen. Träfe die Kompressionsthese zu, dann würden die Behandlungsquoten im Zeitraum von 2020 bis 2030 sinken (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 13). So ist es von der zugrunde liegenden These abhängig, in welchem Ausmaß die Krankenhausbehandlungen sinken oder steigen.

Ähnliches gilt auch für die Pflegebedürftigkeit. Wird der momentane Status quo (nach Geschlecht getrennt und geschichtet nach Fünf-Jahres-Altersgruppen, auf Basis der Jahre 2003 und 2005, Grundlage 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung) auf die veränderte Bevölkerungsstruktur von 2020 bis 2030 übertragen (auf Basis konstanter Pflegequoten), dann ist es wahrscheinlich, dass die Pflegebedürftigkeit (Fälle) ansteigt:

Nach den Ergebnissen dieser Vorausberechnung dürfte die Zahl von 2,13 Mio. Pflegebedürftigen im Jahr 2005 auf 2,40 Mio. im Jahr 2010 steigen. Im Jahr 2020 sind 2,91 Mio. Pflegebedürftige und im Jahr 2030 etwa 3,36 Mio. Pflegebedürftige zu erwarten. (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 24)

Das bedeutet, dass der Anteil der Pflegebedürftigen im Zeitraum zwischen 2005 und 2020 um mehr als ein Drittel ansteigen wird. Bis zum Jahr 2030 ist von einem Anstieg um 74 % auszugehen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 24). Auch hier lassen sich ähnliche Verschiebungen bei den Altersstrukturen nachweisen. So waren 2005 33 % der Pflegebedürftigen 85 Jahre und älter. Diese Zahl wird im Jahre 2020 auf 41 % anschwellen. Im Jahre 2030 sind 48 % der über 85-Jährigen pflegebedürftig. Dafür nimmt der Anteil der Pflegebedürftigen, die jünger sind, als 60 Jahre ab.

Auch hinsichtlich des Anteils der Pflegebedürftigen gibt es ein optimistisches, wissenschaftliches Szenario, das davon ausgeht, dass das Pflegerisiko durch den medizinisch-technischen Fortschritt sinkt. Es verschiebt sich in ein höheres Alter, das der steigenden Lebenserwartung entspricht (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 26). Obwohl das Risiko sinkt, steigt dennoch die Anzahl der Pflegebedürftigen:

Demnach werden für das Jahr 2020 etwa 2,68 Mio. Pflegebedürftige und für 2030 ca. 2,95 Mio. erwartet. Der Anstieg beträgt somit 26 % bis 2020 und 39 % bis 2030. (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008, S. 26)

Somit steigt der Anteil der Pflegebedürftigen in jedem Fall, unabhängig von dem zugrunde gelegten wissenschaftlichen Szenario. Jeder muss also damit rechnen, dass er irgendwann zum Pflegefall wird.

Welche Krankheiten hat er dann besonders zu befürchten? Dieser Frage sind Saß et al. (2009, S. 32) nachgegangen. Die ersten Jahre nach der Rente verbringt der Mensch meist bei recht guter Gesundheit, was sich mit zunehmendem Alter ändert. Damit stimmen die Untersuchungen der Autoren mit den Thesen über die Pflegehäufigkeit im Alter überein.

Ältere Menschen leiden zudem meist an mehreren Erkrankungen gleichzeitig (Multimorbidität). Diese Krankheiten sind häufig chronisch (Saß et al. 2009, S. 32). Die gehäufte Krankheitsneigung älterer Menschen konnte von den Forschern auf Basis des Mikrozensus nachgewiesen werden. Weiter heißt es:

Neben der größeren Häufigkeit von Krankheiten sind die veränderte, oft unspezifische Symptomatik, der längere Krankheitsverlauf und die verzögerte Genesung wichtige Merkmale von Erkrankungen im Alter. […] Auch eine veränderte Reaktion auf Medikamente wird beobachtet. (Saß et al. 2009, S. 32)

Problematisch ist, dass die Krankheiten Hochbetagter nicht nur körperliche Beschwerden hervorrufen, sondern auch funktionelle und soziale Auswirkungen haben. Wichtige Organe arbeiten schlechter. Dazu gehören auch Sinnesorgane wie Ohren oder Augen. Ältere Menschen verlieren häufig ihre Mobilität und laufen damit Gefahr, in soziale Isolation zu geraten. Viele können ab einem bestimmten Alter ihre Lebensführung nicht mehr aufrechterhalten und benötigen Pflege.

Dem Zusammenhang von Gesundheit und Krankheit im Alter werden verschiedene Ursachen zugrunde gelegt. Dazu gehört zunächst die altersbedingte Veränderung von Organen und Organsystemen (Saß et al. 2009, S. 33). Die älteren Menschen sind weniger belastbar und anpassungsfähig. Auch das Immunsystem verschlechtert sich. Der Körper kann Krankheitserreger nur schlecht abwehren. Einige Krankheiten, z. B. Krebs, haben eine lange Latenzzeit und kommen erst im Alter zum Ausbruch. Gesundheitsprobleme wie Knochen-, Muskel,oder Gelenkerkrankungen „altern mit“ und können zu Folgeerkrankungen führen.

Auch Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Gifte und Lärm zeigen ihre Wirkung häufig erst spät. Dennoch vollzieht sich der Prozess des Alterns bei jedem individuell. Er ist abhängig von Geschlecht, Alter, Genen, sozioökonomischen Bedingungen und der Lebensweise. Generell dominieren im Alter Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems sowie Krankheiten des Bewegungsapparats. Beim Bewegungsapparat stehen Bandscheiben-, Knochen- und Rückenleiden im Vordergrund. Die Diagnosen im Alter lauten häufig auf Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung), Varikosis (Krampfadern), Zerebralarteriosklerose (Verkalkung der Gefäße im Gehirn), Herzinsuffizienz (Herzschwäche), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Arthrose (Gelenkverschleiß) und Dorsopathie (Rückenbeschwerden) (Saß et al. 2009, S. 33).

Abbildungen 8.1 und 8.2 zeigen, dass auch bei den Krankenhausbehandlungen Herz- und Kreislauferkrankungen an erster Stelle stehen und Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen. Die Erkrankungen der Männer sind teilweise durch schwerere Krankheitsverläufe gekennzeich-

Abb. 8.1 Häufigste Diagnosen der aus dem Krankenhaus entlassenen vollstationären Patienten im Alter von 65 Jahren und älter (einschließlich Sterbe- und Stundenfälle in 1000, hier weiblich, 2006) (Femur = Oberschenkelknochen). (Saß et al. 2009, S. 34; Statistisches Bundesamt 2006)

net (Lungenkrebs, Herzinfarkt). Doch es ist nicht mehr so, dass der Herzinfarkt eine reine Männerkrankheit ist. Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt durch andere Symptome.

Betrachtet man die Todesursachen, wird deutlich, dass im Jahr 2006 fast jeder fünfte Sterbefall auf ischämische Herzkrankheiten (19 %), darunter Herzinfarkt (8 %), zurückgeführt werden kann (Saß et al. 2009, S. 35).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die häufigsten Krankheiten im Alter den Bewegungsapparat sowie das Herz- und Kreislaufsystem betreffen. Sind diese Krankheiten mit dem Schicksal bzw. den Genen festgelegt, oder gibt es tatsächlich Möglichkeiten zur Prävention? Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit der Prävention.

Abb. 8.2 Häufigste Diagnosen der aus dem Krankenhaus entlassenen vollstationären Patienten im Alter von 65 Jahren und älter (einschließlich Sterbe- und Stundenfälle in 1000, hier männlich, 2006). (Saß et al. 2009, S. 34; Statistisches Bundesamt 2006)

 
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