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8.4 Kann man psychischen Krankheiten im Alter vorbeugen?

Zur psychischen Krankheit „Nr. 1“ im Alter gehört die Demenz. Natürlich basiert diese psychische Krankheit auch auf körperlichem Versagen. Dabei steigt das Risiko einer solchen Erkrankung mit zunehmendem Alter. Im Jahre 2009 waren in Deutschland etwa 1 Mio. Menschen von einer mittelschweren oder schweren Demenz betroffen (Saß et al. 2009, S. 49) und konnten ihr Leben nicht mehr selbstständig führen. Den höchsten Anstieg gibt es bei Frauen zwischen dem 80. und 84. Lebensjahr (Saß et al. 2009, S. 50). Dies liegt daran, dass es weniger hochbetagte Männer gibt.

Es heißt, dass die Möglichkeiten präventiver Maßnahmen in Bezug auf Demenz begrenzt sind. Dennoch gibt es wichtige Erkenntnisse, die besagen, dass der übermäßige Genuss von Weizen und damit dem Inhaltsstoff Gluten die Entstehung von Demenz fördert (Perlmutter und Loberg 2014). Obwohl dies noch nicht wissenschaftlich belegt ist, sollte einer gesunden Ernährung besondere Aufmerksamkeit geschenkt und auf übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsum verzichtet werden. Auch wenn die Therapiemöglichkeiten bei Demenz begrenzt sind, so hat das Wissen über die Krankheit zugenommen. Es gibt eine ganze Reihe von Behandlungsmethoden und Medikamenten, die das Fortschreiten der Demenz verzögern. Dadurch kann die eigenständige Lebensführung der Betroffenen länger aufrechterhalten werden. Der große Durchbruch in Bezug auf die Behandlung von Demenz blieb allerdings bis heute aus.

Ältere Menschen sind oft niedergeschlagen, antriebslos und ohne Energie. Depressionen treten in unterschiedlichen Schweregraden auf. Sie können vorübergehen oder chronisch werden. Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass bei 1–5 % der älteren Menschen eine schwere Depression vorliegt (Saß et al. 2009, S. 51). Das bedeutet, dass die Depressionsneigung im Alter nicht ansteigt. Alle Studien zur Depressionsneigung sind aber mit Einschränkung zu betrachten, weil immer die Besonderheiten der untersuchten Personen im Vordergrund stehen. So würde eine Studie, die ausschließlich Heimbewohner in die Betrachtung einbezieht, zu anderen Ergebnissen kommen. Patienten mit Depressionen haben eine hohe Suizidrate, die bei 500 bis 900 pro 100.000 Personen liegt, und 40–60 % aller Suizide sind auf Depressionen zurückzuführen (Saß et al. 2009, S. 52).

Suizide kommen aber auch ohne vorangegangene Depressionen vor. Die Ursachen können beispielsweise Erkrankungen oder der Verlust nahestehender Personen sein. Bei älteren Menschen ist die Suizidhäufigkeit stärker ausgeprägt als im Mittel aller anderen Altersgruppen. Bei Männern ist ab dem 75. Lebensjahr ein exponentieller Anstieg zu verzeichnen (Saß et al. 2009, S. 52). Die Todesursachenstatistik kann nicht zur Auswertung von Suiziden dienen, da viele Todesfälle nicht als Suizid angegeben sind. So können auch die Verweigerung der Nahrungsaufnahme und der eintretende Tod durch Verdursten ein Suizid sein. Auch Depressionen kann vorgebeugt werden. Hier gilt es, die Ursachen des jeweiligen Patienten zu betrachten. Häufig führen Einsamkeit und soziale Isolation zum Verlust des Lebensmutes. Diese Einsamkeit resultiert nicht selten aus durch Krankheit eingeschränkter Mobilität. Der Verlust des Ehepartners ist bei vielen älteren Menschen der erste Schritt in die Isolation. Wichtig ist, dass sich der Betroffene Hilfe sucht. Zielführend sind auch Freunde oder Angehörige, welche die zunehmende Isolation bemerken und Lösungen anbieten. So kann es unter Umständen besser sein, wenn der depressive Patient in ein Heim bzw. Betreutes Wohnen umzieht, damit er mit anderen in Kontakt kommt. Zahlreiche Freizeitangebote strukturieren den Tag. Aber auch eine medikamentöse Therapie ist in der Lage, dem Patienten den Antrieb zurückzugeben. Mithilfe der Medikamente werden die entsprechenden Botenstoffe im Gehirn stimuliert. Medikamente helfen auch bei krankheitsbedingten Depressionen, beispielsweise ausgelöst durch die im Alter verbreitete Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung), bei der Dopaminbotenstoffe des Gehirns nur noch bedingt vorhanden sind. Mit der entsprechenden Medikation lässt sich die Ausschüttung der Stoffe verbessern. Die Stimmung steigt, und der Patient hat eine bessere Lebensqualität.

Es lohnt sich also in jedem Fall Hilfsangebote zu eruieren und zu nutzen. Neben den lebensverkürzenden Folgen schwerer Krankheiten kosten diese viel Geld.

 
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