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9.2.4 Was kostet das Pflegeheim?

Wenn eine Betreuung zu Hause nicht mehr möglich ist, fallen Kosten für ein Pflegeheim an. Diese können hier nicht verbindlich angegeben werden, weil es unterschiedliche Heime gibt. So können sich besser gestellte Pflegebedürftige einen teuren und komfortableren Heimplatz leisten. Auch für einen Platz im Pflegeheim muss zunächst die Pflegebedürftigkeit durch den Medizinischen Dienst ermittelt werden. Die Pflegeheimkosten richten sich nach dem Pflegeaufwand.

In Tab. 9.4 werden die Zahlungen der Pflegeversicherung den möglichen Pflegeheimkosten gegenübergestellt. Hierbei zeigt sich eine große Differenz zwischen den Zahlungen der Pflegeversicherung und den Kosten für das Pflegeheim. Preise für das Pflegeheim umfassen Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Pflege. Die Preise bewegen sich zwischen 65 und 120 € am Tag (Münchner Verein 2012).

Tab. 9.3 Leistungen der ambulanten Krankenpflege. (Eigene Darstellung nach der-ambulante-pflegedienst.de/preise.html, Zugriff am 13.9.2014)

Tab. 9.4 Gegenüberstellung der monatlichen Kosten für einen Pflegeheimplatz und der Zahlungen der Pflegeversicherung. (Eigene Darstellung nach Münchner Verein 2012

In diesem Zusammenhang ist die Frage interessant, ob Kinder für ihre Eltern aufkommen müssen, wenn diese nicht zahlen können. Dies ist tatsächlich Fall, wenn auch in einem zumutbaren Rahmen (Fehling 2014). Das gilt auch dann, wenn die Eltern den Kontakt zu ihren Kindern abgebrochen haben, sie bis auf den Pflichtteil enterbt und ihre Unterhaltspflicht vernachlässigt haben. Doch in welchem Fall tritt die Zahlungspflicht der Kinder ein? Solange sich die Eltern in ihrer eigenen Wohnung selbst versorgen, müssen die Kinder keinen Cent zahlen. Wenn die Rente nicht reicht, dann besteht die Möglichkeit, Sozialhilfe zu beantragen. Die Kinder werden erst zur Zahlung herangezogen, wenn die Eltern pflegebedürftig werden und in ein Heim müssen. Noch ehe die Kinder zahlen, werden das Einkommen der Eltern und die Zahlungen aus der Pflegeversicherung addiert.

Doch, wie oben erwähnt, reichen die Zahlungen aus der Pflegeversicherung und das Einkommen häufig nur für die Hälfte der anfallenden Kosten. Die andere Hälfte muss aus anderen Quellen kommen (Fehling 2014). Dabei ist auch das Vermögen des Pflegebedürftigen ein wichtiger Faktor.

Dieses muss ebenfalls aufgebraucht sein, ehe die Angehörigen zahlen müssen. Noch vor den Kindern ist der Ehepartner in der Unterhaltspflicht. Dabei kann sich der Ehepartner auf seinen Selbstbehalt berufen, der momentan bei Nichterwerbstätigen 960 € und bei Erwerbstätigen 1050 € beträgt. Die Kinder werden also von den Sozialämtern zur Zahlung aufgefordert, wenn Einkommen, Zahlungen aus der Pflegeversicherung, Vermögen und eventuelle Zahlungen des Ehepartners nicht ausreichend sind (Fehling 2014). Der Selbstbehalt ist dabei vom Einzelfall abhängig. Fakt ist aber, dass nur derjenige zahlen muss, der über ein gutes Einkommen verfügt. Es gibt keine feste Größe. Bei alleinstehenden Personen liegt der Selbstbehalt bei 1600 € im Monat. Ehepaare bekommen 2.880 € als Selbstbehalt zugestanden (Fehling 2014). Dazu wird nochmals die Hälfte des über diesen Wert gehenden Einkommens angerechnet. Unterhaltsverpflichtungen für Kinder und Frauen können ebenfalls abgezogen werden. Dazu kommen Zins- und Tilgungsleistungen für eigene Immobilien. Mieten über 400 € (alleinstehende Personen) bzw. 800 € (Paare) werden zusätzlich von eventuellen Zahlungsforderungen abgezogen. Ähnliches gilt für Kosten für die Besuche der Eltern, Steuern, Fahrtkosten zur Arbeit und Beiträge zur Sozialversicherung. Das Eigenheim muss auch nicht verkauft werden, denn es dient der eigenen Altersvorsorge (Fehling 2014). Wichtig ist zu wissen, dass sich das Sozialamt häufig rückwirkend an die Angehörigen wendet, auch wenn sie mit dem Pflegebedürftigen jahrelang kein Kontakt mehr hatten. Bei mehrjähriger Pflege summieren sich die Kosten leicht zu fünfstelligen Beträgen.

Falls der Pflegebedürftige die Kosten für die ambulante bzw. Heimpflege nicht tragen kann, die Zahlungen aus der Pflegeversicherung nicht reichen, weder die Kinder noch der Ehepartner herangezogen werden können und das Vermögen längst aufgebraucht ist, besteht Anspruch auf Sozialhilfe. Dafür muss ein Antrag beim Sozialamt gestellt werden. Auch bei der Antragstellung ist der soziale Dienst behilflich.

 
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