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10.4 Was sind Wohngemeinschaften für Alte?

Die preiswertere Alternative zur Seniorenresidenz ist die Wohngemeinschaft. Auch wenn diese Wohnform auf den ersten Blick an die gemütliche, chaotische Studentenzeit erinnert, wird es die Wohnform der Zukunft sein. Im Idealfall wohnen ältere und junge Menschen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus. Dabei unterstützen sich die „Wohnparteien“ gegenseitig. Nicht nur die Mietkosten werden geteilt, sondern auch die Hausarbeiten wie Abwaschen, Kehren, Staubwischen oder Staubsaugen. Rüstige Rentner können die Kinder der erwerbstätigen jungen Leute betreuen und beschäftigen. Auch gemeinsames Kochen, Backen, Spielen, Basteln, Singen und Tanzen sollten keine romantische Illusion sein.

Wohngemeinschaften werden häufig in eigener Regie gegründet. Dabei finden sich willkürlich Menschen zusammen, die sich entweder bereits kennen oder über eine Anzeige zueinander finden. Jeder Bewohner hat seinen eigenen Wohnbereich. Dennoch werden Küche bzw. Bad gern gemeinsam genutzt. Bei Bedarf werden die Wohngemeinschaften mit sozialen Diensten bzw. ambulanter Pflege verbunden. Bei der Gründung einer Wohngemeinschaft müssen im Übrigen keine großen Altersunterschiede zwischen den Bewohnern vorliegen. Es ist auch möglich, dass sich gleichaltrige Senioren zu einer Wohngemeinschaft zusammenschließen.

Wohngemeinschaften sind für rüstige Rentner geeignet, die sich gern in ihrem sozialen Umfeld engagieren, die weiterhin am Leben teilhaben wollen, die interessiert und neugierig sind. Mitunter sind starke Nerven gefragt, besonders wenn es sich um Mehrgenerationen-WGs handelt. Angesichtes des demografischen Wandels, drohender Altersarmut, zunehmender Individualität und Kinderlosigkeit ist die Wohngemeinschaft eine zielführende Lösung für das Problem des Wohnens im Alter. Und Wohngemeinschaften haben einen wichtigen Nebeneffekt: Die jungen Menschen profitieren von der Reife, Lebenserfahrung und Weisheit der älteren Menschen. Durch die Betreuung in Institutionen (Kindergarten, Schule, Altenheime) ist der Kontakt zwischen den Generationen schon seit Langem verloren gegangen.

Das integrierte Wohnen ist eine Sonderform der Wohngemeinschaft. Sie wird nicht von den Bewohnern selbst gegründet, sondern von speziellen Trägern (Naegele et al. 2006, S. 13). Auch hier liegt das Ziel in der nachbarschaftlichen Hilfe zwischen den verschiedenen Generationen. Dadurch lassen sich individuelle Bedarfslagen verbessern. Das Zusammenleben wird hier von fachlicher Seite unterstützt und gelenkt. Das hat den Vorteil, dass individuelle Probleme besser berücksichtigt werden.

Eine weitere Form der Wohngemeinschaft im Alter findet sich in der betreuten Wohngemeinschaft (Naegele et al. 2006, S. 13). Häufig handelt es sich dabei um eine kleine Gruppe Pflegebedürftiger, die in einem Haus bzw. einer Wohnung zusammenleben, aber jeweils einen eigenen Wohnbereich besitzen. Der Alltag findet in den Gemeinschaftsräumen statt. Die Betreuung der Senioren wird durch das entsprechende Betreuungspersonal sichergestellt. Die Leistungen werden durch ambulante Pflege ergänzt.

Die betreute Wohngemeinschaft eignet sich für Senioren mit und ohne Pflegebedürftigkeit, die in familiärer Atmosphäre leben möchten. Die eigenständige Lebensführung wird weiter gewährleistet. Somit bietet die betreute Wohngemeinschaft ein hohes Stück Lebensqualität. In vielen Fällen lässt sich das Pflegeheim vermeiden bzw. hinauszögern.

10.5 Pflegeheime – eine Horrorvorstellung?

Senioren sind im Pflegeheim gut aufgehoben, wenn schwerste Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe III) besteht. In diesem Zusammenhang treten häufig multimorbide Krankheiten auf. Auch bei fortgeschrittener Demenz ist das Pflegeheim der sicherste Wohnort. Das Pflegeheim hat den Vorteil, dass eine fachkompetente Betreuung jederzeit vor Ort ist. Bei Notfällen ist der Arzt in wenigen Minuten zur Stelle. Pflegeheime besitzen zudem die nötige Ausstattung zur Behandlung schwerer Krankheiten. Der Gesundheitszustand wird rund um die Uhr überwacht. Und dennoch leben die Menschen dort in sozialer Gemeinschaft. Sie sind weder isoliert noch allein. Die Senioren werden beschäftigt und gefördert. Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen.

Fakt ist, dass in den meisten Pflegeheimen gute Arbeit geleistet wird. Dennoch wird immer wieder kritisiert, dass die Mitarbeiter unter einem hohem Druck stehen, was den Bewohnern zum Nachteil gereicht. Auch wird von Verwahrlosung und Misshandlung der alten, wehrlosen Menschen berichtet. Die positive Nachricht ist, dass es sich um Einzelfälle handelt. Die Regierung hat auf diese Berichte reagiert, indem sie ein neues Pflegegesetz auf den Weg brachte, das ab Januar 2015 in Kraft tritt. Es beinhaltet auch die Erhöhung der Betreuungskräfte in Pflegeheimen.

 
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