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11 Zwischenbilanz: Alter in Armut oder Kreativität leben?

An dieser Stelle soll eine Zwischenbilanz erfolgen, welche die bisher gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst. Die im Prolog aufgeführten unheilvollen Prognosen werden sich zumindest in den nächsten Jahrzehnten nicht verwirklichen. Niemand muss früher sterben, weil er arm ist. Auch wenn Vergleiche pathetisch anmuten: Im Vergleich zum Gesundheitssystem anderer Länder geht es den Deutschen richtig gut. Dank der Pflegeversicherung fließen in begrenztem Umfang finanzielle Mittel für den Fall der Pflegebedürftigkeit. Diese reichen nicht für die Versorgung im Pflegeheim. Doch auch hier hat der Staat Vorsorge getroffen. Wenn weder Kinder noch Ehepartner zahlungsfähig sind, springt das Sozialamt ein. Trotz Abbau des Sozialstaates ist die Solidarität geblieben.

Dass die Regierung der gegenwärtigen Entwicklung nicht tatenlos zusieht, ist auch an der Neuauflage des Pflegegesetzes (Pflegestärkungsgesetz) zu erkennen. Die bisherigen Fehler, Defizite und Schwachstellen der Pflegeversicherung werden somit korrigiert. Auch in Zukunft kann der deutsche Rentner also vom hohen Standard des Gesundheitssystems profitieren. Viele Kliniken sind bestens ausgestattet.

Trotzdem gilt für viele Rentner, dass es nötig sein wird, neue Lösungen zu finden, die aus der Not eine Tugend machen. Dazu gehören beispielsweise die Wohnformen. Es ist erwiesen und absolut verständlich, dass die Rentner so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben möchten. Dies gilt es zu unterstützen mithilfe ambulanter Pflegedienste und sozialer Betreuungen. Gegen Einsamkeit helfen neue Wohnformen. Dazu gehört die Mehrgenerationen-WG.

Fraglich ist, ob so viel Kreativität bei den erwarteten Rentenzahlungen nützt. Dass die Rentenzahlungen für kommende Generationen nicht mehr allzu üppig ausfallen werden, wurde bereits dargelegt. Auch hier ist der demografische Wandel die Ursache. Berufliche Eigenaktivität auch nach der Rente kann zum notwendigen Übel werden. Mittlerweile gibt es viele, die sich, ähnlich wie in Amerika üblich, mit mehreren Jobs über Wasser halten. Wieder andere stocken ihr Einkommen mit Grundsicherung auf, weil der Lohn zu gering ist. Mit der Einführung des Mindestlohnes haben sich die Verhältnisse nur bedingt verbessert. Es ist kein Prophetentum nötig, um zu sagen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Und so ist es wichtig, dass die Arbeitsfähigkeit so lange wie möglich aufrechterhalten wird. Dadurch können Rentner ihre schmalen Bezüge aufbessern.

Und wenn berufliche Aktivität doch nicht mehr möglich ist und Mahnungen ins Haus flattern oder der Pflegeheimplatz zu teuer ist? Dann bekommen bereits in Auflösung begriffene Strukturen eine neue Bedeutung. Dazu gehört die Familie.

 
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