< Zurück   INHALT   Weiter >

12.1.2 Gepflegte Zerrüttung oder eine gute Beziehung?

Kaum zu glauben, aber wahr: Forscher haben herausgefunden, dass sich Unglück und Resignation stabil auf Partnerschaften auswirken (Bartens 2012) – eine erschütternde Nachricht für alle romantischen Idealisten. Häufig haben es sich Eheleute, die mehrere Jahrzehnte miteinander verheiratet sind, in ihrer Zerrüttung eingerichtet. Doch sind diese Paare glücklich? Eher nicht. Häufig steht die Angst vor Veränderung dem Vorwärtskommen bzw. der Trennung im Weg. Interessant ist, dass bei solchen Paaren nicht die gemeinsamen Werte im Vordergrund stehen, sondern die gemeinsamen Projekte. Das kann der Hausbau sein oder die gemeinsame Firma. Finanzielle Verpflichtungen schweißen nämlich eng zusammen. Glücklicherweise fürchten sich die meisten Paare vor der gepflegten Zerrüttung und tun somit alles, um die Verbindung glücklich zu gestalten.

An dieser Stelle sind die Studien des Münchner Instituts für Glückforschung (Hornung 2014) interessant. Forscher haben sich viele Jahre mit den Bedingungen des Glücks auseinandergesetzt. Doch lässt sich Glück einfangen, konstruieren und erschaffen? Oder ist es einfach ein Gefühl? Augenblicke des Glücks sind oft so kurz wie ein Wimpernschlag. Lässt sich solch ein Augenblick konservieren? Oder lässt sich Glück durch Zufriedenheit ersetzen?

Tatsächlich ist das Glück am meisten von der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen abhängig. Im Gegensatz zur gepflegten Zerrüttung (siehe unten) ist es eben nicht das gemeinsame Haus oder die Firma, die verbindet, sondern die Qualität der Beziehung. Dazu gehört das Gefühl, geliebt zu werden. Nicht Ruhm und Reichtum, sondern Liebe und Freundschaft sind der Glücksgarant. Der Kitt für ein glückliches Leben sind die kleinen Freuden des Alltags, die diese Liebe mit sich bringt.

Es ist erwiesen, dass verheiratete Paare ein geringeres gesundheitliches Risiko tragen (Hornung 2014). Kurz: Paare sind gesünder. Oft achtet ein Partner auf die Gesundheit des anderen Partners. So verbietet beispielsweise die Frau dem Mann seine geliebten Zigaretten, und der Mann motiviert seine Frau zum Ausdauersport. Gemeinsame Spaziergänge bessern das Wohlbefinden und stabilisieren die Beziehung zusätzlich. Doch auch ein gemeinsames sportliches Hobby, wie Inlineskaten oder Radfahren, fördert die Gesundheit. Menschen in intimen Partnerschaften sind auch resistenter gegen Unglücksfälle. Sie sind psychisch stärker, weil sie einen lieben Gesprächspartner haben. Das zeigt, wie wichtig soziale Netzwerke im Leben eines Menschen, wobei das Gefühl geliebt zu werden, die beste aller Heilmethoden ist. Hornung (2014) hat aus mehr als 200 internationalen Studien zum Thema „Glück und Partnerschaft“ folgende Quintessenz gezogen: Verheiratete sind glücklicher als Singles, und Singles sind glücklicher als Geschiedene. Für Singles, Geschiedene, Verwitwete und getrennt Lebende ist das Gefühl der Einsamkeit schwer zu ertragen. Dieses wird durch soziale Netzwerke abgemildert. Außerdem sind diejenigen, die ihre „große Liebe“ geheiratet haben, am glücklichsten. Letztlich besagen die Studien, dass Liebesbeziehungen das Beste sind, was einem Menschen im Leben passieren kann. Sie sind die Quelle des Glücks, außerhalb von der inneren Einstellung des Menschen. Sie geben dem Leben einen Wert. Und somit ist erwiesen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einer Partnerschaft und Glück gibt. Das Glück soll möglichst lang andauern.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >