Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Alt – Krank – Blank
< Zurück   INHALT   Weiter >

12.4 Machen Partnerschaft und Familie glücklich?

Ob und wie eine Familie glücklich macht, kann jeder selbst entscheiden, der eine Familie hat. Und eine Familie hat ja jeder, entweder die Herkunftsfamilie oder die selbst gegründete. Dass beide – die Herkunfts- und die eigene Familie – etwas miteinander zu tun haben, ist den meisten nicht bewusst. Doch das gilt insbesondere in Bezug auf den Glücksfaktor. Ich bin so glücklich und beziehungsfähig, wie ich es in meiner Herkunftsfamilie gelernt habe. Man lernt also von seinen Eltern nicht nur, mit Messer und Gabel zu essen, sondern auch eine grundsätzliche emotionale Schwingfähigkeit, wie es der Psychologe nennt. Bis vor einigen Jahren hat sich die Psychologie übrigens mehr damit beschäftigt, wie man durch seine Lebensumstände unglücklich und krank wird, als das Gegenteil zu untersuchen, nämlich wie man glücklich und gesund bleibt. Letzteres findet in der Resilienzforschung seine Würdigung. Resilienz ist dabei die psychische Widerstandskraft eines Menschen, sozusagen sein seelisches Immunsystem. Die Resilienz ist dabei zum einen genetisch bedingt, wobei es drei Gruppen gibt (Wunsch 2013):

• Rund 25 % der Menschen haben ideale Gene und können quasi durch nichts aus der Bahn geworfen werden. Weder Drogen noch familiäre Krisen machen sie krank.

• Weitere 25 % haben schlechte Gene und sind hochgradig stressanfällig und labil. Der Psychologe spricht hier auch von Neurotizismus.

• 50 % sind Mischtypen und könnten ein glückliches Leben führen oder in seelischer Krankheit eingehen.

Und diese 50 % stehen am Anfang ihres Lebens vor der ihnen nicht bewussten Frage, welchen Weg sie einschlagen werden – den Weg in seelische Stabilität oder in Fahrigkeit und Verdruss. Die Frage wird entschieden durch die Bindung. Der Begriff „Bindung“ ist in der Psychologie ungefähr so wichtig wie in der Physik der Begriff „Atom“. Unter einem Atom kann man sich nach einem erfolgreichen Realschulabschluss aber eventuell mehr vorstellen als unter dem Bindungsbegriff. Nun, beide sind nicht sichtbar, aber Bindung ist eine absolut abstrakte Einheit, während Atome physikalisch existieren.

12.4.1 Was ist Bindung?

Bindung ist die Qualität und Intimität einer Beziehung zu einem wichtigen Menschen. Im Idealfall ist dies ein Elternteil, im idealsten Fall ist es die eigene Mutter. Es können natürlich auch Ersatzpersonen sein, die sich ein Kind automatisch sucht, wenn die leiblichen Eltern seine Bedürfnisse nicht erfüllen: Großeltern, Geschwister, Onkel, Tanten oder Heimerzieher.

Die Bindung entsteht durch Vertrauen. Dies beginnt in Form des Urvertrauens bereits im ersten Lebensjahr. Die Verlässlichkeit der Eltern und ihre stetige, gewaltfreie Zuwendung und Bedürfniserfüllung ermöglichen Bindung. Erkennbar ist dies selbst bei Kleinkindern, wenn man sie plötzlich in einem fremden Raum allein lässt. Die Kinder in einer guten, stabilen Bindung fangen nicht gleich an zu schreien, sondern warten – vertrauend darauf, dass die Mutter bald wieder kommt – auf ihre jeweilige Bezugsperson.

Wer denkt, dass man ohne diese Bindung in den ersten Lebensjahren bis ins hohe Alter hinein eine stabile Persönlichkeit haben kann, irrt wahrscheinlich – außer man gehört zu den 25 % genetisch absolut resilienten Menschen. Die anderen 75 % haben ohne feste Bindung ein höheres Risiko für psychische und teils auch körperliche Krankheiten (So ist ein Magengeschwür mehr eine psychische als eine körperliche Erkrankung). Man wird also nicht nur psychisch labiler, sondern tendenziell auch beziehungsunfähiger.

Man geht davon aus, dass spätere Paarbeziehungen eine indirekte Wiederholung der Beziehung zum wichtigsten Elternteil sind. Konflikte und Themen, die mit den Eltern ausgehandelt wurden, werden auch mit dem Ehepartner wieder ausgehandelt, z. B. die Frage der Sauberkeit: Mit zwölf bis 18 Monaten sollte das Kind gelernt haben, auf den Topf zu gehen, statt in die Windel zu machen. Dies führt zu Konflikten mit den Eltern. Später ist es das Aufräumen des Zimmers. Und viel später sind es die herumliegenden Socken und der nicht heruntergeklappte Klodeckel, um mal ganz tief in die Klischeekiste zu greifen. Man kann sich unschwer vorstellen, was es bedeutet, wenn man sich als Kind und Jugendlicher ständig mit den Eltern in den Haaren hatte – mit dem eigenen Partner wird es später dasselbe sein.

Es ist natürlich nicht allein die Schuld der Kinder oder Teenies, wenn es mit den Eltern zum Streit kommt. Die absolut entscheidende Frage ist die der psychischen Gesundheit der eigenen Eltern. Man geht davon aus, dass rund 3 Mio. Kinder in Deutschland mindestens ein psychisch krankes Elternteil haben. Dies ist immer eine zumindest schwierige Entwicklungsprognose. Doch auch das Gegenteil ist suboptimal: sogenannte Helikoptereltern, die dem Kind zu viel Zuwendung und Anerkennung schenken. Schlechte Noten oder nicht erreichte Studienplätze werden dann sofort juristisch angegangen, ohne zu hinterfragen, ob sie gerechtfertigt sind oder nicht. Diese Kinder werden nicht fit genug sein für den Alltag, sie werden mit Frustrationen nicht umgehen können und überhöhte Fürsorglichkeitserwartungen an einen späteren Partner stellen.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften