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12.4.3 Macht Bindung glücklich?

Eine stabile Bindung zum Partner kann tatsächlich das Wohlbefinden steigern. Das große Glück liegt ja für die meisten in der Liebe. Und Liebe ist noch von keiner Wissenschaft vollständig umschrieben worden. Wie wir festgestellt haben, hängt die Fähigkeit, sich binden und lieben zu können, von den frühkindlichen Bindungen ab – und von den Resilienzgenen. Das heißt aber nicht, dass man mit jeder x-beliebigen Person eine tolle Beziehung haben wird. Ein bisschen Gegenseitigkeit sollte schon vorhanden sein. In der oben erwähnten systemischen Therapie spricht man dabei auch vom Beziehungskonto. Dieses funktioniert ohne Geld, dafür aber mit Ein- und Auszahlungen durch zwischenmenschliche Gesten: Dem anderen zuhören, ihn liebkosen, Aufgaben abnehmen, gute Laune haben usw. sind Einzahlungen; Gereiztheit, Ignoranz, Fremdgehen, schlechte Laune usw. sind Auszahlungen. Entscheidend ist die schwarze Null, die auf beiderlei Seiten auf dem Konto verbuchbar sein sollte. Ist einer von beiden immer in den roten Zahlen, was automatisch hieße, dass der andere im Plus ist, droht die Beziehung zu kippen. Man sollte aber nicht denken, das Konto ausgleichen zu können nach dem Motto: Mein Partner hat mich dreimal betrogen, also kann ich es ihm jetzt dreimal gleichtun. Dann sind beide in den roten Zahlen.

12.4.4 Was ist bedingungslose Liebe?

„Nach dem Verliebtsein beginnt die Liebe“, soll Schiller gesagt haben. Abgesehen davon, dass zu Schillers Zeiten Ehebeziehungen festgeschrieben waren wie Psalmen in der Bibel, hat die Aussage weittragende Bedeutung. Wie bereits beschrieben, kann man nicht von einem ewig dauernden, romantischen, emotionalen Idealzustand in einer Partnerschaft ausgehen. Die Probleme kommen von ganz alleine, sowohl die Probleme im Kopf als auch jene echten, sachlichen – man könnte auch sagen physikalischen – Probleme: der nette Brief vom Finanzamt, der defekte PKW, die promiske neue Praktikantin, die schlechten Zeugnisse des einzigen Kindes, die vergrößerte Prostata usw.

In solchen Situationen zeigt sich, was die Beziehung aushält – in guten wie in schlechten Zeiten. Und in ganz schlechten Zeiten? Wenn man nicht 65 Jahre wartet, bis man mit dem Partner zusammenzieht, wird man früher oder später Charakterzüge an ihm feststellen, die man so nicht kannte und auch nie gemocht hätte. Und diese kommen besonders dann zutage, wenn gravierende physikalische Probleme auftreten. Bei der bedingungslosen Liebe liebt man den Partner nicht, weil er so ist, wie man selbst es will, sondern weil er so ist, wie er ist. Ohne Attribut. Ohne Forderungen. Je weniger man erwartet, desto weniger wird man enttäuscht.

Zunächst muss man akzeptieren – all das, was man nicht ändern kann. Um akzeptieren zu können, muss man loslassen – von Erwartungen. Der Prinz wird irgendwann von seinem Ross absteigen, weil er aufs Klo muss, und danach mit seinen Kumpels beim Fußballschauen Bier trinken. Liebesfilme enden meist vorher. Sie zeigen Romeo nicht beim Sportschaugucken mit einem Krombacher in der Hand, während Julia Zwiebeln schneidet. Was nicht heißen soll, dass Shakespeares vorgesehenes Ende für beide besser war.

 
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