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12.6.3 Wie finde ich im Alter einen Partner?

Für Jugenddiskos zu alt, für den Tanztee zu jung – da bleiben nicht viele Möglichkeiten, einen Partner zu finden. Oder doch? Eines sollte sich jeder Partnersuchende vor Augen halten: Ein Partner kommt nicht auf dem goldenen Schimmel angeritten, um den Wartenden zu erlösen bzw. wachzuküssen. Einige werden über dem Warten immer älter, bis sie feststellen, dass ihnen nicht mehr viel Lebenszeit bleibt. Ja, sie warten so lange, bis sie für potenzielle Partner immer unattraktiver werden.

Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass Menschen, die viele Jahre alleine sind, zahlreiche Eigenheiten entwickeln. Je länger die Zeit des Alleinseins dauert, desto schwerer fällt es ihnen, mit einem möglichen Partner Kompromisse einzugehen. Bestimmte, negative Charaktereigenschaften, z. B. Ordnungswahn oder Geiz, haben sich dann verfestigt. Auch werden mit den Jahren die Ansprüche an den Partner immer größer. Viele haben zu dem Zeitpunkt einiges erreicht: Kinder großgezogen, verschiedene Berufe ausgeübt und Krisen durchgestanden. Ähnliche Ansprüche stellen sie an den Partner. Vor Beginn der Partnersuche sollten die Ansprüche also zunächst reduziert werden. Häufig hilft dabei auch eine ehrliche Selbstreflexion mit Fragen wie: Was habe ich selbst zu bieten? Welche Ansprüche kann ich auf dieser Grundlage an einen möglichen Partner stellen?

Das Wichtigste sind aber die Eigeninitiative und der ehrliche Wille zu einer fairen Partnerschaft. Wer nur mal eben seinen Marktwert testen möchte, kommt nicht viel weiter. Gemeinsame Interessen verbinden. Und so sind Hobbys, Gesprächskreise, Sportverein oder Fitnesscenter gute Partnerbörsen. Aber auch gemeinsame Wanderungen oder Reisen laden zum Kennenlernen ein. Es gibt Anbieter, die sind auf Singlereisen spezialisiert. Der Vorteil an dieser Art der Partnersuche ist, dass diese entspannt stattfindet. Im Vordergrund steht nicht die Partnersuche, sondern der gemeinsame Spaß an einem Hobby. So kann man den Partner quasi nebenbei kennenlernen. Erfahrungsgemäß kommt der „richtige“ Partner gerade dann, wenn er am wenigsten erwartet wird. Ältere Menschen, die sich noch fit fühlen, sollten an einem Tanzkurs teilnehmen. Der Tanzpartner findet sich möglicherweise über eine Anzeige. Auch hier steht wieder der Spaß im Vordergrund.

Aber auch der Weg über ehrenamtliches Engagement kann zum passenden Partner führen. Gerade rüstige Rentner haben genügend Zeit für ein solches Engagement. Es gibt zahlreiche Vereine, die dringend fleißige Helfer suchen

– vom Kleingartenverein über den Modellbau bis hin zu den vielen Sportvereinen. Menschen, die sich gern sozial engagieren, finden möglicherweise bei der Seelsorge oder im Pflegeheim einen passenden Platz. Solch eine Tätigkeit verleiht dem Leben einen neuen Sinn. Der Mensch spürt, dass er noch gebraucht wird. Das stärkt das Selbstwertgefühl. Und mit einem positiven Selbstwertgefühl ist es leichter, neue Menschen anzusprechen und die Initiative zu ergreifen. Auf jeden Fall eröffnet jedes soziale Engagement einen neuen Lebensraum. Dadurch erweitert sich der Freundes- und Bekanntenkreis automatisch.

Eine weitere Möglichkeit zum Knüpfen neuer Kontakte ist die Volkshochschule. Hier findet sich für jeden Geschmack der passende Kurs. Auch im Alter lohnt es sich noch, eine neue Sprache zu erlernen. Einige haben nun endlich Zeit, ihrem Hobby, der Malerei, nachzugehen. Aber auch neue kreative Techniken lassen sich in der Volkshochschule erlernen. Wie wäre es mit einem Schreibkurs? Das Angebot ist ausgesprochen vielfältig. Und wenn es in dem einen Kurs nicht mit dem Lebenspartner klappt, dann vielleicht im nächsten Kurs.

Manchmal führen auch verschlungene Wege zum richtigen Partner. Wichtig sind allein der erste Schritt und der feste Wille zum partnerschaftlichen Glück. Es ist durchaus möglich, dass beim Volkshochschulkurs ein alter Bekannter bzw. eine alte Bekannte auftaucht. Frei nach dem Motto: Alte Liebe rostet nicht, können beide nun einen Neustart wagen. Dem Zufall kann auch nachgeholfen werden, indem die letzten Jahrzehnte gedanklich nachvollzogen werden. Sicher gibt es den einen oder anderen interessanten Freund, zu dem seit langer Zeit kein Kontakt mehr besteht. Es ist an der Zeit, alte Beziehungen neu aufzufrischen. Vielleicht ergibt sich daraus eine Partnerschaft.

In der Moderne suchen viele über das Internet nach dem passenden Partner. Diese Möglichkeit erscheint zunächst einfach. Im bequemen Stuhl sitzend, lässt sich der Pool potenzieller Partner schnell durchforsten. Über das Internet lassen sich leicht gemeinsame Interessen, Hobbys und Wertvorstellungen abgleichen. Ein Bild vermittelt den ersten Eindruck vom Gegenüber. Schnell kommt es zum Austausch von Mails. Jeder zeigt sich von seiner besten Seite. Noch schneller folgen die ersten Telefonate, die nicht selten in stundenlange Gespräche münden. Doch das Wichtigste fehlt: das persönliche Treffen. Und gerade das führt häufig zur Ernüchterung. Briefe und Telefonalte vermitteln nur ein oberflächliches Bild vom potenziellen Partner, denn Gestik und Mimik fehlen. Auch ein Bild vermag es nie, den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit abzubilden. Die Realität kann dann sowohl positiv als auch negativ überraschen.

Entscheidend für den weiteren Verlauf der Beziehung ist also immer das persönliche Kennenlernen. Hier entscheidet der erste Eindruck. Ein Bruchteil von Sekunden entscheidet über Sympathie oder Desinteresse. Wenn Letzteres eintritt, sollten die Beteiligten mit offenen Karten spielen und auf weitere Treffen verzichten. Es ist unfair, den anderen im Unklaren zu lassen und sich in der Zwischenzeit nach etwas Besserem umzuschauen.

Grundsätzlich besteht die Chance – auch im Alter –, im Internet den passenden Partner zu finden. Doch die Anonymität des Internets sorgt dafür, dass sich dort viele schwarze Schafe tummeln. Schwarze Schafe sind Partnersuchende, die bereits vergeben (verheiratet oder in einer Beziehung sind). Diese sind häufig auf der Suche nach Abwechslung. Es gibt auch zahlreiche Fake-Profile. Das ist besonders für Männer ein Problem. Schöne Frauen buhlen um die Gunst von Männern. Nicht selten handelt es sich dabei um Angehörige des horizontalen Gewerbes bzw. Verweise auf bezahlungspflichtige Seiten. Das lässt sich vermeiden, indem seriöse Onlineportale (z. B. feierabend.de) aufgesucht werden. Diese sind zwar oft bezahlungspflichtig, beinhalten aber dafür keine Fake-Profile. Wer sich bei einem bezahlungspflichtigen Portal anmeldet, ist tatsächlich ernsthaft auf der Suche. So werden Fehlgriffe bereits im Vorfeld minimiert.

Doch auch der klassische Weg sollte nicht ausgeschlossen werden. Noch immer lernen sich viele Paare über eine Zeitungsannonce kennen. Auch hierbei ist davon auszugehen, dass die Suchenden tatsächlich auf der Suche sind. Gegenüber der E-Mail hat der Partnersuchende den Vorteil, einen echten Brief in den Händen zu halten. Ein Brief sagt mehr über das Gegenüber aus als eine E-Mail. Das beginnt beim Briefpapier und endet bei der Schrift. Es findet außerdem kein endloser E-Mail-Verkehr statt. Ein Treffen wird schnell arrangiert. Es ist davon auszugehen, dass der Zeitungsannoncensucher schneller fündig wird als der Onlinesucher.

Zusammenfassend kann angemerkt werden, dass die verschiedensten Wege zum passenden Partner führen. Entscheidend ist die Initiative. Das bedeutet rauszugehen und neue Lebensräume zu erschließen. Auch endlose Onlinekontakte, die nicht zu realen Treffen führen, sind sinnlos. Die Betroffenen machen sich dabei häufig selbst etwas vor. Doch wie auch bei anderen Dingen im Leben gilt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Wenn es nicht gleich oder überhaupt nicht mit einem Partner klappt, dann führt das leicht zur Krise. Überhaupt ist das Alleinsein ein idealer Nährboden für depressive Verstimmungen. Dazu gehört das Grübeln über die Vergangenheit. Die vergangenen Lebensjahrzehnte werden bewertet. Der Betrachter realisiert, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt für Träume. Die Karriere vom erfolgreichen Pianisten ist ausgeträumt. Auch die Primaballerina ist längst in die Jahre gekommen. Neue, eigene Kinder wird es nicht mehr geben, und aus dem Maschinenbauer wird kein Mediziner mehr. Viele sehen ihre Rettung dann in einem viel jüngeren Partner. Sie stürzen sich mit Anlauf und Kopfsprung in den Verjüngungsbrunnen. Problematisch wird es, wenn sie recht schnell auf Grund stoßen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Hier helfen oftmals nur das Loslassen und die Akzeptanz. Im Vordergrund sollte eher die Dankbarkeit für das gelebte Leben stehen: für glückliche Stunden, ergriffene Chancen sowie gesunde Kinder und Enkelkinder. Doch das sagt sich leicht. Krisen gehören zum Alter wie das Salz in die Suppe. Und: Krisen haben ein hohes Potenzial. Wenn sie als Chance gesehen werden, wächst die innere Reife. Oder wie es Max Frisch einmal formulierte: „Die Krise an sich ist ein positiver Zustand, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

 
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