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12.7.2 Gibt es Wege aus der Midlife-Crisis?

Einige Wege aus den Krisen des Alters wurden bereits beschrieben. Dazu gehören in erster Linie die Akzeptanz und die Annahme des Alterungsprozesses. Von Träumen, die sich nicht mehr verwirklichen lassen, sollte sich der Betroffene lösen. Der Fokus darf nicht auf die negativen Aspekte des Alters gelegt werden. Stattdessen sollte man sich die positiven Dinge, wie Wissen, Erfahrung, Reife und Identität, vor Augen halten. Bestimmte Sehnsüchte lassen sich auch noch spät erfüllen, wenngleich dafür Umwege nötig sind. Mit realistischem Blick sollten die Möglichkeiten und Chancen ausgelotet werden. Das Wichtigste ist das Wissen darüber, dass die Krise völlig normal ist. Jeder muss sich von Zeit zu Zeit die Sinnfrage stellen. Sonst hat er keine Chance auf Reife.

Der Weg aus der Krise kann über folgende Schritte erfolgen (psychotipps.com/midlife-crisis.html, Zugriff am 21.9.2014):

1. Bilanz ziehen: Welche Lebensziele sind vorhanden? Welche wurden erreicht und welche nicht. Was ist mir wirklich wichtig?

2. In sich hinein hören: Was spüre ich im Augenblick? Was fehlt mir?

3. Liste erstellen: Welche Möglichkeiten sind vorhanden, um wieder mehr Zufriedenheit zu erreichen? Welches Potenzial kann ich dafür mobilisieren?

4. Freunden vertrauen: Besteht das Gefühl, sich nur im Kreis zu drehen, dann sollte guten Freunden vertraut werden. Möglichweise sieht ein Außenstehender die Lösung. Auch die Hilfe eines Psychotherapeuten sollte in Erwägung gezogen werden.

5. Aus dem Alltag ausbrechen: Mitunter hilft es tatsächlich, aus der Routine des Alltags auszubrechen. Möglicherweise gibt es am Arbeitsplatz neue Aufgaben der Spezialisierung. Vielleicht gibt es ein neues Hobby, das Kräfte mobilisiert.

6. Krise annehmen: Die Annahme der Krise führt zu einem besseren Leben.

Kurz: Krisen sind riesige Chancen, um aus der Routine auszubrechen.

Doch hält man sich die existenziellen Krisen des Alters vor Augen, dann erscheint die Midlife-Crisis wie ein Spaziergang. Nicht zuletzt wird sie als Konzept gar von vielen Psychologen angezweifelt. So beruht der Begriff auf einer Wortschöpfung eines kanadischen Psychotherapeuten, dessen Patienten ausnahmslos Künstler im Alter von 40 bis 55 Jahren waren. Wissenschaftler würden dies wohl als Auswahlfehler bezeichnen …

12.7.3 Was sind die existenziellen Krisen des Alters?

Während im Alter der Midlife-Crisis noch zahlreiche Möglichkeiten offenstehen, beginnen die wirklichen Einschränkungen später. Sie beginnen dann, wenn die körperlichen und geistigen Fähigkeiten ernsthaft nachlassen, wenn der ältere Mensch immer abhängiger von Verwandten bzw. Institutionen. Die Lebensqualität lässt nach, wenn keine Ausgleichsmöglichkeiten mehr vorhanden sind (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 9). Ältere Menschen sehen, dass mehr und mehr Gleichaltrige sterben. Möglicherweise treten auch in der Partnerschaft Probleme auf. So kann eine schwere Krankheit des Partners die Beziehung sehr belasten. Eine riesige Krise stellt der Tod eines Lebenspartners dar.

Krisen gehen auch mit dem Gefühl einher, nicht mehr gebraucht zu werden. Häufig fehlt für ein Engagement die Kraft:

Es besteht die Sorge, in Zukunft auf die Hilfe der Familie und professioneller Helfer angewiesen zu sein. Ängste, das Gefühl, nicht mehr ernstgenommen zu werden, und Ohnmachtsgefühle können als unerträglich erlebt werden. In der Verzweiflung entsteht dann der Wunsch, eine letzte Entscheidung selbst in die Hand zu nehmen und seinem Leben ein Ende zu setzen. (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 9)

Existenzielle Krisen älterer Menschen können also durchaus zum Suizid führen. Vom Tod verspricht sich der belastete Mensch Frieden und Ruhe. Er erscheint als einziger Ausweg aus der belasteten Situation. Dabei ist nicht die Schwere des Ereignisses entscheidend, sondern der Gedanke, das Ereignis nicht bewältigen zu können. Sicherlich besteht der Wunsch nach Veränderung der Situation. Doch mit dem Wunsch sind meist keine konkreten Vorstellungen verbunden. Deshalb vermittelt der Betroffene Botschaften, die für Außenstehende widersprüchlich sind (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 10). Einerseits möchten sie gern Hilfe, aber auf der anderen Seite bevorzugen sie ihre Ruhe. Ältere Menschen, die in der Krise an Selbstmord denken, befinden sich oft in einer besonderen persönlichen Situation. Häufig ist der Wunsch aus der Vita heraus begründet. Bei aktuellen Krisen gewinnen Verletzungen aus der Vergangenheit wieder an Bedeutung. Dazu gehören Kränkungen, Trennungen, Verluste, Spott, Abwertung und Abhängigkeit. Häufig möchte der Betroffene niemandem zur Last fallen. Der Handlungsspielraum, selbst eine Änderung herbeizuführen, ist eingeengt (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 10).

Ausgangspunkt für existenzielle Krisen sind häufig psychische Erkrankungen. So leider jeder vierte Mensch über 65 an einer psychischen Erkrankung. Dabei handelt es sich am häufigsten um Depressionen (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 11) Eine weitere typische Erkrankung ist die Hirnleistungsstörung, also Demenz. Auch bei Parkinson verändert sich die Übertragung wichtiger Botenstoffe, was den Betroffenen in depressive Verstimmung bringt. Und Angststörungen, Wahnerkrankungen und Süchte gehören ebenfalls zu den typischen psychischen Erkrankungen. Merke:

Alle psychischen Erkrankungen gehen mit erhöhter Suizidgefahr einher. Dies trifft insbesondere auf Depressionen zu. Hierfür verantwortlich scheint zu sein, dass Depressionen typischerweise mit dem Gefühl einhergehen, nichts wert zu sein, nichts Produktives mehr zu schaffen, lebensbedrohlich an einer körperlichen Krankheit zu leiden, sich schuldig gemacht zu haben. (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 11)

Diese Gedanken treiben den Betroffenen in die Enge. Immer fester legt sich die Schlinge selbst produzierter Gedanken um den Hals der Betroffenen. Die Gedanken an Suizid übernehmen die Macht. Auch Demenzkranke im Anfangsstadium sind suizidgefährdet, weil sie an sich Veränderungen beobachten. Sie stehen dem Verlust ihrer Selbstständigkeit ohnmächtig gegenüber. Die Suizidgefahr lässt mit zunehmender Demenz nach, weil sich die Erkrankten ihres Zustands immer weniger bewusst sind (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 11).

Depressionen bei älteren Menschen gehen mit folgenden Anzeichen einer (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 11):

• Gedrückte Stimmung, besonders am Morgen

• Freudlosigkeit

• Gefühllosigkeit

• Verminderung von Antrieb und Interessen (ehemals geliebte Aktivitäten und Interessen werden gleichgültig)

• Rückzug aus sozialen Beziehungen

• Verminderte Konzentrationsfähigkeit

• Ermüdbarkeit und schnelle Erschöpfung

• Vermindertes Selbstwertgefühl, Gefühl der Wertlosigkeit

• Irrationale Schuldgefühle

• Negative Zukunftserwartungen

• Ungewohnte Ängstlichkeit

• Schlafstörungen

• Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Verdauungsstörungen

• Ängstliche Körperwahrnehmung (Hypochonder), Schmerzen ohne organische Ursache

• Suizidgedanken

Wann immer Angehörige oder pflegende Personen diese Anzeichen bei einem älteren Menschen feststellen, sollten sie Hilfe anbieten. Es ist wichtig, dass der Betroffene erkennt, dass es sich um eine Krankheit handelt, die sich durch die entsprechende Therapie verbessert. Hier helfen beispielsweise Gespräche. Aber auch Antidepressiva können große Veränderungen in der Stimmung bewirken. Vorher sollten Kosten und Nutzen der medikamentösen Therapie gegeneinander abgewogen werden.

Das psychische Wohlbefinden ist in hohem Maße von der körperlichen Leistungsfähigkeit abhängig. Das ist eine Tatsache, die den Menschen in jungen Jahren gar nicht bewusst ist. In der Jugend und im mittleren Erwachsenenalter erscheint die körperliche Unversehrtheit als selbstverständlich. Im Alter kann jede Bewegung zur Qual werden. Es gibt zahlreiche alte Menschen, die nicht mehr vor die Tür gehen. Ihnen fehlt die Kraft. Sie sind froh, wenn sie sich in ihrer Wohnung (ihrem Zimmer) einigermaßen frei bewegen können und ihren Alltag geregelt bekommen. Somit werden körperliche und geistige Erkrankungen meist als tiefe Einschnitte erlebt. Erkrankungen beschneiden die Selbstständigkeit und Mobilität der älteren Menschen. Am nachhaltigsten wird das Leben der älteren Menschen durch folgende Beschwerden beeinflusst (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 12):

• Chronischer Schmerz

• Atemnot

• Bewegungseinschränkungen/Lähmungen

• Verlust der Ausscheidungskontrolle (Inkontinenz)

• Minderung oder Verlust der Sehschärfe

• Minderung oder Verlust des Gehörs

• Sturzangst

Sturzangst ist dadurch gekennzeichnet, dass die Angst vor dem Sturz die Sturzgefahr weiter erhöht. Bei Bewegungseinschränkungen verlieren ältere Menschen häufig die Fähigkeit zum An- und Auskleiden sowie zur Körperpflege. Die Hilfe von Fremden bei diesen im Grunde einfachen Verrichtungen kann für sie sehr beschämend sein. Ihre Intimität wird nachhaltig gestört. Das Nachlassen der Sehkraft trennt sie von den (schönen) Dingen. Das Nachlassen des Gehörs trennt sie von den Mitmenschen. Soziale Isolation ist die Folge. Je nach gesundheitlichem Zustand des älteren Menschen sollte versucht werden die Sehkraft bzw. das Gehör wieder zu verbessern. Heute gibt es moderne Medizintechniken, z. B. Lasern, welche die Lebensqualität entscheidend anheben. Die Sehkraft kann fast vollständig zurückerlangt werden. Für ein nachlassendes Gehör gibt es moderne Hörgeräte, die fast unsichtbar sind. Bei Erkrankungen, die sich nicht sonderlich verbessern lassen, ist es wichtig, Akzeptanz zu erlernen. Das hört sich einfach an, ist jedoch sehr schwer. Doch Akzeptanz ist die einzige Alternative, Dinge hinzunehmen, die nicht zu ändern sind.

Der Verlust eines Partners durch Trennung oder Tod ist ebenfalls ein tiefer Einschnitt in das Leben, besonders dann, wenn die Aussicht auf einen Neubeginn durch das fortgeschrittene Alter nicht vorhanden ist (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 13). Als Folge des Partnerverlusts steht oft das Alleinsein bzw. die Einsamkeit. Das Leben muss unter den Bedingungen des fortgeschrittenen Alters neu geordnet werden. Das ist für Männer schwieriger als für Frauen. Häufig war die Frau die einzige emotionale Stütze des Mannes. Deshalb ist es wichtig, soziale Kontakte bis ins hohe Alter zu pflegen.

Suizidwüsche im Alter stehen in Verbindung mit dem Verlust der Selbstständigkeit:

In der Regel ist damit gemeint: Der Verlust der Möglichkeit, den Alltag und menschliche Beziehungen selbstständig zu gestalten. (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 14)

Wichtig in diesem Zusammenhang ist jedoch die Erkenntnis, dass es eine absolute Autonomie niemals gibt. Autonomie und Geborgenheit ergänzen sich gegenseitig. Deshalb müssen diese beiden Pole in jeder Lebensphase neu definiert werden:

Das Bemühen um Ausgeglichenheit und Balance von Autonomie- und Abhängigkeitsbedürfnissen ist hilfreich, um den Anforderungen des Alterns zu begegnen. (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 14)

Am Schluss dieser Ausführungen soll die Frage stehen, ob das Leben im Alter überhaupt noch einen Sinn macht. Auf jeden Fall wird dem alten Menschen mehr und mehr bewusst, dass der Lebenssinn nicht im Erwerb und im Sammeln von Gütern besteht. Niemand kann etwas mitnehmen, wenn er geht. Ein Leben, begründet auf Gütern, kann zur großen Enttäuschung werden. Der Lebenssinn im Alter lässt sich im Nachdenken über das Leben an sich finden. An die eigenen Einschränkungen sollte sich der ältere Mensch anpassen (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 15). Ein Sinn kann zudem nur im Austausch mit der Gemeinschaft generiert werden:

Lebenssinn verliert, wer sich selbst aufgibt, wer nur auf andere wartet, wer im Fühlen und Denken die Gegenwart verlässt. (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 16)

Die Frage nach dem Lebenssinn ist also unabhängig vom Alter. Dennoch kann das Alter dazu beitragen, die trügerischen Lebensziele (materiellen Dinge) aufzugeben. Ältere (und natürlich auch junge Menschen) finden Halt im Glauben. Egal ob sie zu Gott als Vater und Beschützer aufblicken oder den Herrn in allen Dingen sehen – Glaube erweitert den Horizont. Er hilft dabei, die Fesseln der Beschränkung zu sprengen.

 
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