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12.8 Kann man erfolgreich altern?

Angesichts der zahlreichen Krisen, die das Alter bereithält, stellt sich nun der eine oder andere zurecht die Frage, ob es möglich ist erfolgreich zu altern.

Lebenskrisen und insbesondere existenzielle Krisen lassen sich leichter bewältigen, wenn sich der Betroffene darauf vorbereitet. Natürlich ist es schwer, der möglichen Wahrheit ins Auge zu sehen – der Wahrheit, die Immobilität, Verlust der Selbstständigkeit und eventuelle Pflegebedürftigkeit heißt. Diese Eventualitäten sollten vorbereitet werden. Und es hat überhaupt nichts mit negativem Denken zu tun, wenn die möglichen Szenarien durchgespielt werden. Doch auch wenn nicht vom Schlimmsten ausgegangen wird, ist klar, dass sich das Leben mit der Berentung gravierend ändert. Bereits während der Berufstätigkeit sollte daher Vorsorge in Form von Hobbys getroffen werden. Manch einer nutzt die freie Zeit, um endlich seine Biografie zu schreiben. Möglichweise möchte er seinen Kindern etwas Bleibendes hinterlassen. Auch ein Engagement im Verein ist, wie bereits erwähnt, ein guter Weg, mit freier Zeit umzugehen.

Einer Neudefinition bedarf oft auch die Paarbeziehung (Ehe). Dabei fungieren die gemeinsamen Kinder häufig als Bindemittel. Sind diese ausgezogen, fällt diese Verbindung weg. Die Eheleute sind auf sich selbst gestellt. In der späteren Betreuung der Enkelkinder lässt sich oft ein neuer Sinn finden.

Ältere Menschen bleiben gern unter sich, was bedeutet, dass Kontakte überwiegend zu Gleichaltrigen bestehen. Der Kontakt sollte auch mit anderen Altersgruppen gepflegt werden, denn die Erwartungen an Familie und Kinder können leicht in einer Enttäuschung enden. Der Traum von der ewigen Jugend muss irgendwann aufgegeben werden. Pflege, Sport und Training müssen dem jeweiligen Alter angepasst werden. Mittlerweile ist jedes Fitnessstudio auf die ältere Generation eingerichtet.

Die Angst vor dem Alter ist oft mit der Angst vor einem langen Sterbeprozess verbunden:

Damit die Zukunft mit wachsender Einschränkung der körperlichen, geistigen und sozialen Lebensbedingungen den älter werdenden Menschen nicht plötzlich überrumpelt, sind vorbereitende Planungen erforderlich. Dazu gehört die Vorbereitung eines altersgerechten Wohnens unter Berücksichtigung denkbarer Zeiten des Krankseins und der Behinderung. (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 18)

Der mögliche Tod des Partners sollte ebenfalls mit bedacht werden. Bereits vor dem Krankenfall sollte daher eine Patientenverfügung vorliegen. Auch für den eigenen Todesfall muss vorgesorgt werden (Erbschaft, medizinische Verfügung). Angebotene Hilfe im Krankheitsfall sollte unbedingt angenommen werden. Grundsätzlich ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit Medikamenten, Alkohol und anderen Betäubungsmitteln erforderlich.

Der Furcht vor einem langen Sterbeprozess kann entgegengewirkt werden. Dabei gilt die größte Angst den Schmerzen. Doch auch diese lassen sich mit professioneller Hilfe abmildern. In jeder Gemeinde gibt es ein Hospiz, das Hilfe in den letzten Monaten, Wochen und Tagen bietet. Dabei werden auch die psychischen Probleme, die mit dem Sterben verbunden sind, behandelt. Fachlich werden die Bereiche mit Palliativmedizin, Hospizarbeit, Sterbebegleitung und Sterbehilfe bezeichnet.

Vorher sollte mithilfe einer Patientenverfügung der letzte Wille festgelegt werden. Seit dem 1. September 2009 gilt eine Patientenverfügung unabhängig von ihrem Ausstellungsdatum. Dabei kann sich die Vollmacht auf die Wohnsituation, die ärztliche Versorgung und auch Vermögensangelegenheiten beziehen (Arbeitsgruppe alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland 2013, S. 23).

 
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