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13 Wie lässt sich das Alter in das Leben integrieren?

Wie gezeigt wurde, ist das Alter längst nicht so tragisch wie angenommen. Noch immer gibt es ein dichtes sozialstaatliches Netzwerk, das im Alter Vorsorge trägt. Zusätzlich korrigiert das neue Pflegegesetz ab 2015 Defizite im Pflegebereich. Dabei werden die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der pflegebedürftigen Bevölkerung besser berücksichtigt. Auch wenn Vergleiche nicht immer zielführend sind, so kann gesagt werden, dass das medizinische System Deutschlands im Vergleich zu dem anderer europäischer Länder hervorragend ist.

Das Alter ist kein Schicksal, das überraschend über die Menschen hereinbricht. Jeder weiß, dass er irgendwann einmal alt wird. Auch wenn die Jahre in der Kindheit noch dahinschleichen und jedes Jahr einer Ewigkeit gleicht – das Alter kommt mit Riesenschritten. Gut ist es deshalb, wenn man sich bereits in der Jugend auf das Alter vorbereitet. Mit einem vorausschauenden Blick in die Zukunft verliert das Alter seinen Schrecken. Keiner wird, wie in Kap. 1 beschrieben, in einem überfüllten Krankenzimmer, umgeben von asiatischem Pflegepersonal, enden. Auch weniger begüterte Menschen haben genügend Auswahlmöglichkeiten im Hinblick auf die Gestaltung des Lebensabends. Zweifellos ist der demografische Wandel nicht mehr aufzuhalten. Das bedeutet, dass es in den nächsten Jahren zu einer weiteren Verschiebung der Altersstruktur kommt. Die alten und hochbetagten Menschen stellen dann eine Mehrheit in der Bevölkerung, während die Jahrgänge der jüngeren Menschen schmelzen. Das ist auf den Geburtenrückgang zurückzuführen. Doch nach weiteren Jahrzehnten wird sich die Alterspyramide auf niedrigem Niveau stabilisieren. Das bedeutet, dass die Bevölkerung in Deutschland und Europa zurückgeht. Das ändert nichts daran, dass die kommenden Generationen mit weniger Rente rechnen müssen. Es wurden zahlreiche präventive Maßnahmen geschildert, die dabei helfen, das fehlende Einkommen auszugleichen. Dazu gehören sowohl die Privatvorsorge als auch die Nebentätigkeit im Alter. Angst vor Arbeitslosigkeit muss in wenigen Jahren keiner mehr haben, denn der oft erwähnte Fachkräftemangel hat Deutschland bereits erreicht. Und nicht nur Fachkräfte sind gefragt. Wenn die Bevölkerung schmilzt, dann sinkt auch der Anteil der Erwerbstätigen. Einer Tätigkeit im Alter steht für rüstige Rentner nichts im Weg.

Trotz demografischen Wandels und sinkender Renten wird es auch in Zukunft viele ältere Menschen geben, die genug zum Leben haben. Einige erben ein Vermögen von den vorangegangenen Generationen, die in den „fetten Jahren“ gespart haben. Für diese Rentner ist weniger das Geld ein Problem als die viele freie Zeit, besonders wenn die Kinder und Enkelkinder weit weg wohnen. Für Rentner mit viel Zeit ist das Ehrenamt die Lösung. Es gibt zahlreiche gesellschaftliche Bereiche, in denen dringend ehrenamtliche Helfer gesucht werden. Dazu gehört z. B. die Kinderbetreuung. Hier unterstützen ältere Menschen die Eltern bei der Betreuung, indem sie beispielsweise bei den Schulaufgaben helfen oder mit den Kindern spielen und basteln. Ältere alleinstehende Menschen sind als Babysitter so gefragt wie beliebt. Soziale Vereine, Organisationen und Verbände suchen ebenfalls dringend nach Helfern. Möglichweise ist die Gründung, Leitung und Organisation einer Selbsthilfegruppe für einige ältere Menschen eine lohnenswerte Aufgabe. Dabei wird der Wunsch zu helfen mit der Verbesserung der Gesellschaft verbunden. Soziale Kontakte und Freundschaften ergeben sich dabei von ganz allein.

Die Ausführungen haben gezeigt, wie wichtig soziale Netzwerke auch im Alter sind. Nichts ist schlimmer als das Gefühl der Einsamkeit. Mit sinnvoller Betätigung lässt sich das Gefühl vermeiden. Doch noch wichtiger als ehrenamtliches Engagement bzw. der Job im Alter ist eine erfüllende Partnerschaft. Zahlreiche Studien belegen, dass das Wohlbefinden in hohem Maße von der Qualität der Beziehung abhängt. Deshalb ist es wichtig, auch im Alter Beziehungen und Freundschaften zu pflegen. Die Geheimnisse glücklicher Partnerschaften wurden mehrfach erörtert. Am wichtigsten ist dabei der konstruktive Umgang mit Meinungsverschiedenheiten, das Verzeihen, das Loslassen, das Positive in den Vordergrund zu rücken, das Pflegen einer gemeinsamen Kultur und das Schaffen von Ausgleich. Glückliche Paare unterstützen sich gegenseitig. Sie werden mit Krisen, auch finanziellen, leichter fertig. Für Singles ist es auch im Alter noch möglich, einen Partner zu finden. Es wurden zahlreiche Möglichkeiten, von Tanzveranstaltungen bis hin zu Partnerbörsen im Internet, vorgestellt.

Tragisch ist es, wenn der langjährige, möglicherweise pflegebedürftige Ehepartner stirbt. Solche Ereignisse treffen den Menschen besonders im Alter. Hier sollte der verbliebene Partner nicht in Einsamkeit verharren. Kummer und Einsamkeit erhöhen das Risiko für Krankheiten. Für alleinstehende bzw. verwitwete Menschen bietet sich eine der zahlreichen Wohnformen im Alter an. Je nach finanzieller Situation reichen diese vom klassischen Pflegeheim über das betreute Wohnen in Seniorenresidenzen bis hin zur einfachen Wohngemeinschaft. Die Wohngemeinschaft ist ein zukunftsweisender Weg zur generationsübergreifenden Verständigung und Unterstützung. Auch bei Pflegebedürftigkeit ist die Wohngemeinschaft eine ideale Wohnmöglichkeit. Der Pflegebedürftige ist dort nicht allein.

Doch ist die eigene Pflegebedürftigkeit ein zwangsläufiges Schicksal des Alters? Gibt es präventive Maßnahmen, welche die Gesundheit erhalten? Auf diese Fragen werden in diesem Buch zahlreiche Antworten gegeben. Pflegebedürftigkeit ist kein unabwendbares Schicksal des Alters. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, irgendwann zu den Pflegebedürftigen zu gehören. Das ist auf den gestiegenen technischen und medizinischen Fortschritt zurückzuführen, der die Menschen immer älter werden lässt. Mit dem Alter steigt die Anfälligkeit für Krankheiten. Das ist völlig normal. Und doch gibt es Möglichkeiten, das Alter so lange wie möglich bei guter Gesundheit zu verbringen. Dazu gehört eine gesunde Lebensführung: Nichtrauchen, Ernährung und Bewegung. Es ist mittlerweile erwiesen, dass das Rauchen einen negativen Einfluss auf zahlreiche Krankheiten hat. Rauchen im Alter ist noch mehr als in der Jugend pures Gift für den Körper. Die Ernährung sollte zudem gesund und abwechslungsreich sein. Der Fokus ist dabei auf besonders viel Obst und Gemüse zu richten.

„Schwere“, fettige Nahrungsmittel lassen sich vermeiden. Sie belasten den Körper unnötig bei der Verarbeitung und Verdauung. Die Verdauung lässt sich zusätzlich durch Bewegung fördern. Besonders bei der Bewegung an der frischen Luft werden alle Zellen mit Sauerstoff versorgt. Das hält jung. Bereits ein Spaziergang verbessert das Wohlbefinden erheblich. Rentner, die noch rüstig sind, sollten regelmäßig joggen. Das hilft gegen depressive Verstimmungen. Depressive Verstimmungen sind im Alter keine Seltenheit. Eine der bekanntesten ist die sogenannte Midlife-Crisis.

Im Alter sollte daher das Leben regelmäßig reflektiert werden. Zielführende Fragen sind dabei: Was habe ich erreicht? Was will ich noch erreichen? Von welchen Zielen muss ich mich verabschieden? Loslassen ist hier eine wichtige Tugend, aber auch die Akzeptanz von Dingen, die nicht mehr zu ändern sind. Generell stellt die Familie den sichersten Halt dar. Und so sollten die Familienbande bis ins Alter fest verknüpft bleiben. Generationenzusammenhalt kann dann an die Stelle von Altersarmut treten.

Das Zusammenleben der Generationen kann im eigenen Haushalt erfolgen oder haushaltsübergreifend. Das Zusammenleben der Generationen ist äußerst wichtig, denn es schützt nicht nur vor Armut im Alter. Auch Arbeitslosigkeit und Scheidungen werden abgefedert. Wenn Eltern ihre erwachsenen Kinder unterstützen, dann bietet dies den Kindern Sicherheit bei eventueller Arbeitslosigkeit oder Trennungen (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 22). Zudem helfen finanzielle und soziale Zuwendungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Umgekehrt unterstützen die erwachsenen Kinder ihre Eltern z. B. im Haushalt, beim Einkaufen, bei Arztgängen und bei der Pflege. Schon von jeher waren Familien durch das Zusammenleben der Generationen gekennzeichnet. Was sich verändert hat, sind die Bedingungen (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 22). Zu diesen Bedingungen gehört der in diesem Buch vielfach beschriebene demografische Wandel. Entscheidend beeinflusst wurden die Generationenbeziehungen durch die steigende Lebenserwartung:

Eltern und erwachsene Kinder, Großeltern und Enkel, Geschwister in einer Familie können heute damit rechnen, eine längere Periode ihres Lebens miteinander zu verbringen, als dies jemals der Fall war. (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 22)

Die älteren Erwachsenen erleben heute die Geburt ihrer Enkel und Urenkel. Sie haben gute Chancen, ihre Enkel und sogar ihre Urenkel bis ins Erwachsenenalter zu begleiten. Dieser Entwicklung stehen Partner- und Kinderlosigkeit gegenüber (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 22). So nimmt die Zahl der Generationen von Generation zu Generation ab. Somit wird das familiale Netzwerk immer kleiner. Für das Leben im Generationenverbund ist die räumliche Nähe ein entscheidender Faktor. Erwachsene Kinder wohnen daher häufig in der Nähe zu ihren Eltern. So hat die Mehrheit der 40bis 85-Jährigen mindestens ein erwachsenes Kind in der Nähe (Entfernung bis zwei Stunden) wohnen (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 23). Somit funktionieren Austausch und Unterstützung über die Haushaltsgrenzen hinweg. Dennoch nahm der Anteil der nächstwohnenden Kinder in den vergangenen Jahren ab, was bedeutet, dass sich die Entfernung zwischen den Generationen vergrößert hat (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 24). Die Intensität zwischen Eltern und deren erwachsenen Kindern kann mithilfe der Kontakthäufigkeit gemessen werden. Dabei werden Briefe, Besuche und Telefonate erfasst. Die überwiegende Mehrheit (81 %) der im Deutschen Alterssurvey (DEAS) 2008 befragten Personen hat mindestens einmal in der Woche Kontakt zu den erwachsenen Kindern (Nowossadeck und Engstler 2013,

S. 24). Dabei hat sich die Kontakthäufigkeit seit 1996 kaum verändert. Dazu gehören auch die gefühlte Enge und Intensität der Beziehung.

Ein wesentlicher Bestandteil der Generationenbeziehungen ist die Großelternschaft:

Die Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern bietet die Möglichkeit gegenseitiger Unterstützung, der Vermittlung von Erfahrung und Werten zwischen den Generationen und das Erleben von emotionaler Nähe und Zuwendung. (Nowossadeck und Engstler 2013, S. 24)

Mit dem Lebensalter der Befragten steigt die Anzahl der Enkelkinder.

Und so lernen die Enkelkinder von ihren Großeltern, wie sie erfolgreich ihr Leben meistern und auch im Alter noch jung bleiben können. Großeltern mit Vorbildwirkung auf ihre Enkelkinder sind wichtiger als von Medien hochgepushte Pseudostars, Schauspieler oder Politiker. Sie können das Leben ihrer Enkel entscheidend beeinflussen. Diese Verbindung ist der wahre Reichtum, der sich nicht in Geld bemessen lässt. Und so gibt es auch im Alter keine Armut, wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen erfüllend sind.

 
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