Empirische Erhebung – Eine Bestandsaufnahme am Oberrhein

Ziele der Erhebung im Gesamtkontext des Forschungsprojekts Entsprechend des im Dezember 2012 genehmigten Projektantrags und den darauf folgenden Sitzungen mit allen Projektpartnern wurden für die Projektlaufzeit von März 2013 bis Juni 2015 vier Phasen im Bereich des Qualitätsmanagement geplant:

- Projektphase 1: Bestandsaufnahme in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein und Analyse von bereits etablierten Qualitätsmanagementmodellen für Cluster und Netzwerke

- Projektphase 2: Nationale und internationale Workshops unter Beteiligung von Experten und Praktikern zur Diskussion der Ergebnisse und der Bearbeitung von weiterführenden Fragestellungen.

- Projektphase 3: Pilotmaßnahmen mit einzelnen Clustern und Netzwerken aus dem Oberrheingebiet

- Projektphase 4: Dokumentation durch Publikationen und Ausblick auf weitere Bedarfe im Rahmen eines internationalen Symposiums unter Beteiligung aller Projektpartner und weiterer Experten aus den drei Schwerpunkten Qualitätsmanagement, Evaluation und Weiterbildung.

Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Projektphase 1 leisten. Es ging darum, ein möglichst vollständiges Bild der Cluster und Netzwerke am Oberrhein zu zeichnen. Dabei sollte gezielt auf bereits existierende Studien und Publikationen zurückgegriffen werden, um die Frage nach der Existenz von bestehenden Clustern und Netzwerken am Oberrhein beantworten zu können und gleichzeitig Aussagen darüber treffen zu können, inwiefern Qualitätsstandards und –management in die Arbeit der bestehenden Initiativen Einzug gehalten haben.

Darstellung des Untersuchungsgegenstands und Begründung der methodischen Vorgehensweise

Auf Grundlage der ausgewerteten Studien der ADIRA, des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, der IHK Pfalz, des SECO und France Clusters wurde ein Adressverteiler erstellt, der für jede Initiative eine direkte Ansprechperson nannte. Die Summe aller Ansprechpersonen stellte somit die Grundgesamtheit des Untersuchungsgegenstands dar. Bei dem Abgleich der Namen der Ansprechpersonen stellte sich aber heraus, dass einzelne Personen gleichzeitig für mehrere Initiativen zuständig waren. Beispielsweise waren kommunale Wirtschaftsförderer aus den Städten Karlsruhe22 und Freiburg23 für drei oder mehr Initiativen zuständig. Das Gleiche war auch für schweizerische Initiativen festzustellen24. Da es sich bei dem Untersuchungsgegenstand um Personen und nicht um die Initiativen an sich handelte, wurde der Datensatz um diese Doppelungen bereinigt und die reale Anzahl der möglichen Ansprechpersonen ermittelt. Tabelle 6 listet die Anzahl der Initiativen und realen Ansprechpersonen in den einzelnen Ländern auf.

Tabelle 6: Anzahl der Cluster und Netzwerke am Oberrhein sowie bereinigte Grundgesamtheit

Anzahl der Cluster und Netzwerke am Oberrhein

Anzahl der möglichen Ansprechpersonen (Bereinigte Grundgesamtheit)

Deutschland

55

47

Frankreich

13

12

Schweiz

13

11

Grenzüberschreitend

3

3

Gesamt

84

73

Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage der verfügbaren Datensätze (Vgl. Kapitel 2.2)

Beim Vergleich der Anzahl der einzelnen Ansprechpersonen aus den drei Ländern fällt auf, dass fast zwei Drittel aller Ansprechpersonen auf das deutsche Oberrheingebiet entfallen. Diese Erkenntnis wird in Kapitel 3.7 noch genauer betrachtet.

Vor dem Hintergrund dieser Begebenheiten sollen nun die für die Arbeit gewählten Methoden begründet werden. Folgende Fragen waren bei der Methodenwahl ausschlaggebend:

- Wie kann die in der Arbeit gestellte Frage möglichst aussagekräftig beantwortet werden?

- Welche technischen Möglichkeiten stehen zur Verfügung und in welchem zeitlichen Umfang soll die Untersuchung abgeschlossen werden?

- Wie können die Projektpartner in die Erhebung einbezogen werden und welchen Mehrwert hat die gewählte Methodik für den Gesamtverlauf des Forschungsprojekts?

Im Rahmen der Fragestellung der Arbeit „Welche Qualitätsstandards der European Cluster Excellence Initiative sind von den Clustern und regionalen Netzwerken am Oberrhein bereits erfüllt?“ musste angesichts der Vielzahl an Qualitätsindikatoren zwangsläufig eine thematische Eingrenzung vorgenommen werden [1]. Die thematische Einschränkung auf wenige, zentrale Qualitätsindikatoren wurde in Kapitel 2.4 vorgestellt und begründet. Ein Überblick aller Qualitätsindikatoren befindet sich zudem im Anhang.

In Projektphase 1 sollten möglichst alle Ansprechpersonen kontaktiert werden und einzelne Cluster oder Netzwerke nicht von vorneherein ausgeschlossen werden. Da für jeden Ansprechpartner zudem eine E-Mail-Adresse vorlag, lagen die Kontaktaufnahme per E-Mail und die Zusendung eines Fragebogens nahe. Es lassen sich vier Arten der Online-Befragung unterscheiden (Vgl. Kuckartz et al. 2007, 22ff.):

- Der einfache Versand von E-Mails, in denen die Befragten die Antworten im Textfeld selbst formulieren und an den Absender zurückschicken.

- Der einfache Versand von E-Mails mit einem Fragebogen im Anhang, in denen die Befragten den Fragebogen ausfüllen und ihn per Mail, Post oder Fax an den Absender zurückschicken.

- Der Versand von E-Mails, in denen ein Link zum Fragebogen integriert ist und die Befragten über einen Sende-Butten im Browser die Antworten an den Absender zurücksenden.

- Der Versand von E-Mails, in denen ein Link zu einem Online-Fragebogen integriert ist, und die Antworten der Befragten direkt in eine Datenbank gespeichert werden, ohne dass der Befragte die Antworten explizit an den Absender zurück senden muss.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde auf die letzte Variante zurückgegriffen, da sie den geringsten Aufwand für die Befragten darstellte und somit eine höhere Rücklaufquote versprach. Ferner gab es die Möglichkeit mithilfe des Programms Questback, die Logos der beteiligten Partner im Fragebogen zu platzieren. Durch die Aufteilung des Fragebogens in drei verschiedene Frageblöcke konnten zudem alle drei Themenbereiche des Forschungsprojekts (Qualität, Evaluation und Weiterbildung) abgedeckt werden. Im Anschreiben wurde zudem auf die Projektziele und den Internetauftritt verwiesen, so dass der Wiedererkennungswert der beteiligten Partnereinrichtungen und des gemeinsamen Projekts auch für die folgenden Projektphasen in der Zielgruppe gewährleistet ist.

Der größte Einwand gegen eine Online-Befragung ist das Problem der nicht gewährleisteten Repräsentativität (Vgl. Atteslander 2010, 167). Dies ist in dieser Arbeit jedoch nicht problematisch, da alle Befragten über eine E-Mail-Adresse verfügen und somit alle prinzipiell erreichbar sind. Zudem wurden alle mit einem persönlichen Anschreiben kontaktiert. Ob hingegen die Antworten repräsentativ sind, ist eine Frage, die in Kapitel 4 diskutiert wird.

Zu den Vorteilen der Online-Befragung zählen allgemein (Vgl. Atteslander 2010, 166f.):

- Die Befragten können ihre Antworten unmittelbar zurücksenden und die Daten können sowohl zeitnah und bei der Benutzung einer Datenbank kostengünstig ausgewertet werden. Eine aufwendige manuelle Eingabe der Antworten entfällt.

- Bei der Versendung eines Online-Fragebogens entstehen im Gegensatz zum Postversand keine Kosten für Briefmaterial und Porto.

- Durch die Ankündigung der Bearbeitungszeit und die Bereitstellung weiterer Informationen im Anschreiben kann die Reaktivität gesteigert werden.

- Das Antworten am Bildschirm wird im Vergleich zur Papierversion als kürzer wahrgenommen.

  • [1] Auf der Website https://vdivde-it.de/mrIWeb/mrIWeb.dll?I.Project=BW_Label_free (Stand 12. 07. 2013) besteht die Möglichkeit einen Selbsttest für das Qualitätslabel „Clusterexzellenz BadenWürttemberg“ durchzuführen. Die Entwickler kündigen mindestens 1,5 Stunden zur Beantwortung an. Bei 73 Ansprechpersonen würde dies einem Arbeitsaufwand von über 100 Stunden entsprechen. Die Aufbereitung der Daten, sowie An- und Abreise zu den Ansprechpartnern hätte sowohl den finanziellen Rahmen des Projekts, als auch den zeitlichen Rahmen der Masterthesis gesprengt.
 
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