Wandel der Familienstrukturen

Insbesondere seit den 1970er-Jahren gab es in den Haushalts- und Familienstrukturen bedeutende Veranderungen. Noch 1970 waren 81 % der Haushalte Familienhaushalte. 2012 waren es nur noch 66 %. Zwischen 1970 und 2012 sank der Anteil verheirateter Paare mit Kindern unter 18 Jahren von 40,3 % auf 19,6 %. Der Anteil von Ein-Personen-Haushalten nahm zwischen 1970 und 2012 von 17 % auf 27 % zu. Die Zahl der durchschnittlich in einem Haushalt lebenden Personen nahm im gleichen Zeitraum von 3,1 auf 2,6 ab. Von den etwa 115 Mio. Haushalten in 2012 waren 49 % Familien mit verheirateten Eheleuten, 4,6 % mannliche Haushalte ohne anwesende Ehefrau und 12,9 % weibliche Haushalte ohne anwesenden Ehemann. Ein Drittel aller Haushalte (33,5 %) waren Nicht-Familienhaushalte, davon lebten in diesen 27,5 % Personen allein. 9,6 % der Nicht-Familienhaushalte hatten einen Haushaltsvorstand von uber 65 Jahren. Zusammenfassend lasst sich der historische Wandel der Lebensverhaltnisse in Haushalt und Familie dahingehend charakterisieren,

– dass Haushalte und Familien kleiner geworden sind

– dass Haushalte mit verheirateten Paaren tendenziell alter und kleiner geworden sind

– dass eine Zunahme von Ein-Personen-Haushalten zu verzeichnen ist, das alleine leben sich ausgebreitet hat.

(vgl. Tab. 8 und Abb. 11; U.S. Census Bureau 2013a, S. 2–7.)

Einige Aspekte des Familienwandels sind noch besonders hervorzuheben. So leben 28 % der Kinder in den USA in Haushalten mit nur einem Elternteil. Bei schwarzen Kindern betrug der Anteil 55 % in 2012 (vgl. Abb. 12).

Ein großes Problem ist ferner die Anzahl von Kindern von unverheirateten Muttern. Deren Anteil hat seit 1940 durchgangig zugenommen. 35,7 % der Geburten in 2011 fielen auf unverheiratete Mutter, 2005 waren es noch 30,6 % (U.S. Census Bureau 2012a, S.1-2; U.S. Census Bureau 2013b). Von 1960 bis 2008 gab es einen Anstieg von 5 % in 1960 auf 41 % in 2008. Schwarze und Hispanics verzeichneten hierbei den gro¨ßten Zuwachs (Pew Research Center 2010, S. 10). Der Trend, dass bei denjenigen mit geringer Bildung und geringem Einkommen die Wahrscheinlichkeit, uneheliche Kinder zu bekommen am gro¨ßten ist, hat bestandig zugenommen (Sawhill und Venator 2014). Beim internationalen Vergleich der Familienmerkmale fallen die Unterschiede positiv bei den Eheschließungen und negativ bei der Scheidungsrate auf (vgl. Tab. 9).

Mit dem Wandel der Familienstrukturen hat sich auch das Familienbild gewandelt. Obwohl fur 99 % der Amerikaner die traditionelle Familie mit Ehepaar und Kindern als Familie bezeichnet wird, meinen auch 88 %, dass ein kinderloses

Ehepaar ebenso eine Familie darstellt. Das gilt auch fur Alleinerziehende (86 %) und Unverheiratete mit Kindern. Immerhin halten auch 63 % gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kind fur eine Familie (Pew Research Center 2010, S. 40). Das neue Familienbild hat aber der Wertschatzung der Familie keinen Abbruch getan.

Die Institution Ehe und Familie wird weiterhin auch fur die Zukunft von 67 % der Amerikaner als wichtig eingestuft, und sogar 76 % der Erwachsenen sehen die Familie als wichtigstes Element ihres gegenwartigen Lebens, wobei es bei dieser Einschatzung so gut wie keine Unterschiede bei Alter, Altersklassen, ‚Rasse', Ethnie und Ausbildungsniveau gibt (Pew Research Center 2010, S. 5 und 46).

Fazit

Seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts haben sich wichtige Merkmale der US-amerikanischen Sozialstruktur verandert. Hierzu geho¨rt insbesondere die Herausforderung des demografischen Wandels, der sich in der Erwerbs- und Beschaftigungsstruktur bemerkbar macht und etwa gegenuber der alternden Bevo¨lkerung soziale und gesundheitspolitische Maßnahmen verlangt. Die Entwicklung zu einer zunehmenden und sich in den Sozialschichten verfestigenden Einkommens- und Vermo¨ gensungleichheit beruhrt den Kern des US-amerikanischen Selbstverstandnisses von Chancengleichheit und der Mo¨glichkeit vom sozialen Aufstieg. Vielfalt und Unterschiedlichkeit der amerikanischen Gesellschaft in ethnischer, o¨konomischer und geografischer Hinsicht machen sich auch im Wandel der Familienstrukturen bemerkbar, der von einer teilweisen Verstetigung von sozialen Ungleichheiten in Alter, ‚Rasse' und Ethnie gepragt wird und zu einem neuen Familienbild gefuhrt hat. Bislang haben die sozialstrukturellen Entwicklungen nicht den optimistischen Glauben der Amerikaner an einer auf Chancengleichheit beruhenden Selbstverwirklichung gefahrdet. Die Zufriedenheit der Amerikaner mit ihrem Leben bewegt sich 2013 auf ahnlichem Niveau wie 1968 (Gallup 2013). Das betrifft Aspekte wie Lebensstandard, die Wohnsituation, das Familienleben und der U¨ berzeugung, im Leben die Chance auf Erfolg zu haben. Etwas weniger gut werden die eigene Finanzsituation und die Zukunftsaussichten eingeschatzt[1].

  • [1] Fur die redaktionelle Mitarbeit ist Herrn Sebastian Grafe vom Institut fur Politische Wissenschaft Heidelberg zu danken.
 
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