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7 Diskussion & Fazit

Aus Perspektive einer Künstlergruppe können wir an Orten, an denen ein Meinungsvakuum besteht, also Akteure vor Ort ein Thema noch nicht oder kaum aufgegriffen haben, dieses Vakuum mit künstlerischen Mitteln füllen. Dabei ist der Zeitpunkt entscheidend und die Frage muss richtig beantwortet werden, wann und wie die Medien bereit sind, die anderslautende Botschaft zu transportieren. Das Thema sollte kreativ in einer Geschichte verpackt werden, so dass die Botschaftleicht transportiert werden kann und der Empfänger die Neuigkeit zur Situation versteht und sich eine Meinung bilden kann. Dabei hilft es, wenn bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt werden. Die Geschichten und Bilder der Grass Lifter konnten Zuschauer und Zuhörer gewinnen und somit eine Veränderung der Situation herbeiführen. Kunstaktionen in öffentlichen Räumen und Debatten sollen und können eine neue Form darstellen, um gesellschaftliche Prozesse zu beschleunigen und zum Schwingen zu bringen. Aus unserer Erfahrung werden Kunstaktionen von Medien gern aufgenommen, da sie den Konsens über den Dissens eines gesellschaftlichen Themas mit Geschichten und Bildern griffig transportieren können. Kunstaktivismus unterscheidet sich damit kreativ von den ritualisierten Protestformen, wie z. B. Demonstrationen oder Petitionen. Er kann am richtigen Zeitpunkt, Ort und Entscheidungspunkt mit relativ wenigen Mitteln (Sachmittel, Personal) durchgeführt werden. Der Protest gegen Rechts wird oft mit Linksextremismus gleichgesetzt. Der Kunstaktivismus bietet hier zusätzlich die Chance, bestehende Links/Rechts Schemen zu durchbrechen und ein Stück der befreienden Distanz zur unserer sozial konstruierten Realität zu schaffen [1].

  • [1] Für die wertvolle Kritik und Korrekturen die dazu beigetragen haben, dass wir diesen Artikel so fertig stellen konnten, möchten wir Gundula Hoffmann, Nele Marie Wolfram, Claudia Meier und Christian Landrock danken.
 
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