Fragmentierung oder Homogenisierung? Medien- und O¨ ffentlichkeitswandel in den USA

Die Vorstellung der US-amerikanischen Medien als vierte Gewalt ist mit der Annahme verbunden, dass sie die vielfaltigen Interessen und Perspektiven der O¨ ffentlichkeit reflektieren ko¨nnen. Ob und wie dies geschieht, muss unter

Berucksichtigung gesellschaftlicher und technologischer Wandlungsprozesse standig neu ero¨ rtert werden. Im Verlauf der vergangenen drei Jahrzehnte hat sich die Art und Weise, in der Nachrichten vermittelt werden, rasant verandert. Die Digitalisierung von Informationen resultierte in einem geradezu exponentiellen Anwuchs medialer Inhalte, was wiederum einen enormen Zuwachs an Wettbewerb

um die Aufmerksamkeit der Bevo¨lkerung mit sich brachte. Dem U¨ berangebot

konnte weitere Innovation Abhilfe leisten: Gerate wie TiVo erlaubten dem amerikanischen Fernsehpublikum beispielsweise, selbst zu bestimmen, wann und in welcher Zusammensetzung Sendungen konsumiert werden sollen, wahrend im Internet komplexe Suchalgorithmen und personalisierbare Webportale effektiv als Informationsfilter fungieren. Indem sich der Nachrichtenkonsum so zunehmend individualisieren lasst, treten die „Sender“ von Informationen Autoritat an die „Empfanger“ ab. Die Epoche der Digitalisierung und der Verbreitung des Internets wird daher zu Recht als ein „kritischer Wendepunkt“ in der Geschichte der Vereinigten Staaten gesehen (McChesney und Nichols 2011, S. 216). Die gesellschaftspolitischen Fragen, die durch die zunehmende Fragmentierung der Medien aufgeworfen werden, sind teilweise jedoch nicht so neu, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mo¨gen. In der Epoche vor dem Burgerkrieg und der Verbreitung der Telegraphie waren Nachrichtenquellen in der Regel noch an lokale, oft aber auch ethnische Gemeinden gebunden. Dies sorgte insgesamt fur ein enorm vielfaltiges Zeitungsangebot: Als Deutsche beispielsweise noch rund ein Viertel aller Einwanderer in die USA ausmachten, existierte eine florierende deutschsprachige Presselandschaft. Seinen Zenit erreicht der amerikanische Zeitungsmarkt 1910 mit rund 2.600 Tageszeitungen (Schudson und Tifft 2005, S. 22–24). Zudem war das Medienangebot im 19. Jahrhundert durch ein hohes Maß an subjektiver und politisierter Berichterstattung gepragt (Sheppard 2008). Doch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ging diese Art der medialen Stimmenvielfalt zunehmend verloren und wurde durch den Aufstieg der Massenmedien ersetzt. U¨ berregionale Printprodukte, Rundfunk und schließlich auch das Fernsehen, machten es mo¨glich, ein breites Publikum umfangreich mit Informationen zu versorgen. Bereits 1950 besaßen neun von zehn amerikanischen Haushalten ein Fernsehgerat (Williams und Delli Carpini 2011, S. 60). In dieser neuen Medienlandschaft veranderten sich auch die Medieninhalte und vermittelten Perspektiven.

Wenn sich der Fernsehnachrichtensprecher Walter Cronkite in den 1960er Jahren von seinem Publikum verabschiedete, tat er das beispielsweise stets mit der Floskel: „And that's the way it is.“ Diese Autoritat eines Nachrichtensprechers,

welche ihn mit Gewissheit behaupten ließ, „so ist es“, wenn er „der“ O¨ ffentlichkeit

„die“ Nachrichten prasentierte, kann durchaus als Ausdruck des damaligen Einflusses und des Selbstverstandnisses von Rundfunk- und Fernsehanstalten gedeutet werden. In der Phase zwischen den 1920er und 1980er Jahren bildeten drei große Networks ein Oligopol. Man bezeichnet dementsprechend auch die National Broadcasting Company (NBC), das Columbia Broadcasting System (CBS), die American Broadcasting Company (ABC) als die „Big Three“. Es handelt sich dabei um Zusammenschlusse (Netzwerke) lokaler Sender, affiliates genannt, die jeweils von einem gemeinsamen, zentralen Dachverband mit Inhalten

beliefert werden. Den Geltungsanspruch der Big Three konstituierte also vorrangig deren machtige Marktposition. Doch der Geltungsanspruch der durch sie prasentierten Nachrichten ergab sich außerdem aus der weithin verbreiteten Annahme journalistischer Objektivitat. Moderner amerikanischer Journalismus setzt sich dadurch zum Ziel, „nur die Fakten“ zu prasentieren, um ein mo¨glichst akkurates Bild der Realitat zu vermitteln. So sollen Medien als neutraler Vermittler zwischen diversen Perspektiven wirken, wodurch nicht zuletzt dem Prinzip des Pluralismus auch dort gedient werden soll, wo einzelne Stimmen womo¨glich sonst nicht selbst zu Wort kamen. Die Entwicklung dieser „Norm der Objektivitat“ lasst sich maßgeblich anhand dreier Faktoren erklaren:

1. Eine sozio-kulturelle Tradition, die zunachst durch die Bewegungen und Wahrheitsideale des US-amerikanischen Realism, dann durch den Positivismus des Progressivism beeinflusst wurde und journalistische Normen und Rollenbilder des 20. Jahrhunderts entscheidend beeinflusste (Williams und Delli Carpini 2011, S. 38–44).

2. Die zunehmende Zentralisierung von Informationen, die einherging mit dem U¨ bergang vom Mediensystem des 19. Jahrhunderts hin zu einer Medienlandschaft, die im 20. Jahrhundert durch nationale Rundfunkanstalten und uberregionale Tageszeitungen gepragt wurde (Schudson und Tifft 2005, S. 24–27).

3. Die Notwendigkeit einer staatlichen Aufsicht, bedingt durch die begrenzte Anzahl von Sendefrequenzen: Ab 1934 wurde die zeitlich begrenzte Vergabe von Rundfunklizenzen durch die zustandige Beho¨ rde (die Federal Communications Commission – FCC) mit der Forderung verbunden, dem o¨ffentlichen Interesse zu dienen, „Fairness“ walten und diverse Stimmen zu Wort kommen zu lassen (Cook 2005, S. 255).

Der journalistische Anspruch, eine objektive Realitat zu vermitteln, war eng mit der Annahme verbundenen, dass so der Nahrboden fur einen vielfaltigen diskursiven Raum entstand. Dies wurde nicht zuletzt auch durch das politische Klima des Kalten Krieges begunstigt. Da die politischen Eliten der beiden Parteien sich in der Regel nur innerhalb eines relativ engen Spektrums voneinander abzugrenzen suchten, waren o¨ffentlich ausgetragene Konflikte um die grundlegende Deutung von Ereignissen, vor allem was den Rundfunk betraf, eher eine Ausnahme (Hallin 1994, S. 26). Da auch die Anzahl dieser Informationsquellen und Nachrichtenformate begrenzt war, lag die Schlussfolgerung nahe, dass derartige Massenmedien auch ein relativ homogenes Publikum formten: eine mediale O¨ ffentlichkeit, die insgesamt Zugang zu dem gleichen Nachrichtenmaterial hatte (Williams und Delli Carpini 2011, S. 75). So lasst sich ein Zitat des Prasidenten Lyndon B. Johnson erklaren, der 1968 in Bezug auf Berichterstattung uber den unpopularen Krieg in Vietnam behauptet haben soll: „Wenn ich Cronkite verloren habe, habe ich auch die amerikanische Mitte verloren“ (vgl. Crawford 2007, S. 76, U¨ bers. d. Verf.). Dass sowohl die Vorstellung einer homogenen O¨ ffentlichkeit als auch die Idee einer objektiven, wahrheitsvermittelnden Nachrichtenzunft stets mehr Fiktion denn Fakt war, zeichnete sich spatestens in den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen der spaten 1960er Jahre ab; etwa im Kontext der unterschiedlichen Auslegung der Burgerrechte schwarzer und weißer US-Amerikaner, oder durch die von Regierung und Medien verschleierte Eskalation des Vietnamkriegs.

Auch heute bildet das Fernsehen fur US-Amerikaner noch die mit Abstand wichtigste Informationsquelle. In einer nationalen Umfrage von 2013 gaben 55 % der Befragten das Fernsehen, 21 % das Internet und nur 9 % Printmedien als praferiertes Nachrichtenformat an (Saad 2013). Dennoch: die Machtstellung der Big Three (aus denen 1986 und mit der Fox Broadcasting Company bereits die Big Four geworden waren) scheint indes langst gebrochen. Schaltete der durchschnittliche Zuschauer im Jahr 1950 weniger als drei Kanale pro Woche ein, so war im Jahr 2009 die Zahl der eingeschalteten Sender auf mehr als 16 herangewachsen (Williams und Delli Carpini 2011, S. 78). Mit diesem Anstieg der Konkurrenz um Aufmerksamkeit nahm die Autoritat der Nachrichtensprecher ab, die sich im Gegensatz zu Walter Cronkite nicht mehr sicher sein ko¨nnen, dass „ihre“ Fakten diejenigen sind, die einen Großteil des US-amerikanischen Volks erreichen.

Ob die Medien, trotz vielfaltigerer Angebote heute den Idealen des Pluralismus eher gerecht werden, ist allerdings fragwurdig. Beispielsweise finden sich zwar durchaus Medien und auch Massenmedien, die ein explizit afro-amerikanisches Publikum ansprechen, wie etwa traditionsreiche Zeitungen wie The Afro oder der

Kabelfernsehsender Black Entertainment Television (BET). A¨ hnliche Angebote

sind auf ein lateinamerikanisches Publikum ausgelegt, wie die spanisch-sprachigen Fernsehsender Telemundo und Univision. Das andert jedoch nichts daran, dass Minderheiten in fuhrenden Massenmedien chronisch unterreprasentiert sind oder

uberwiegend in stereotypen Rollen auftauchen (Monk-Turner et al. 2010). Derartige Unverhaltnismaßigkeiten finden sich auch in Bezug auf Geschlechterbilder. Eine Analyse nationaler Nachrichtenprogramme und uberregionaler Zeitungen fur den Zeitraum der Prasidentschaftswahlen 2012 ergab, dass im Fernsehen 16 %, in fuhrenden Printmedien sogar nur 13 % der zitierten Meinungen zum Wahlkampf von Frauen stammten (The 4th Estate 2013). Mit solchen Zahlen korrespondieren o¨konomische Faktoren: Wem geho¨ren Medienhauser und Rundfunklizenzen? 2007 wurden in einer Studie 34 % der US-Bevo¨ lkerung als Minderheiten klassifiziert, deren Anteil in der Gruppe von Eigentumern kommerzieller Fernsehsender jedoch nur bei 3,15 % lag. Und auch hier klafft ein gewaltiger Gender Gap. Wahrend Frauen 51 % der Gesamtbevo¨lkerung ausmachen, besitzen sie weniger als 6 % aller kommerziellen Fernsehlizenzen (Turner und Cooper 2007, S. 2). In Anbetracht solch ernuchternder Zahlen ware es vollkommen unberechtigt die Gesamtheit der Medien als einen Spiegel der US-amerikanischen Gesellschaft begreifen zu wollen.

Denn der Umkehrschluss der angefuhrten Statistiken liegt auf der Hand: Der Anteil weißer Manner ist in der US-amerikanischen Medienbranche

uberproportional groß und wird sich, den Trendlinien zufolge, auf absehbare Zeit nicht nur halten, sondern womo¨glich noch vergro¨ßern (Turner et al. 2012, S. 16). Ein Faktor, der hierzu maßgeblich beitragen ko¨nnte, ist das Phanomen der Medienkonsolidierung. Seit den 1980er Jahren wurde die Regulierung des Medienmarkts durch die zustandige Aufsichtsbeho¨rde, die Federal Communications Commission (FCC), zunehmend gelockert. Dies hatte zum einen technische, zum anderen politische Grunde, die maßgeblich in einem neoliberalen Umschwung in Bezug auf die Auslegung der Kompetenzen der Beho¨rde begrundet waren. Im Bruch mit der bis dahin betriebenen Politik definierte 1985 der damalige Chef der Beho¨rde, Mark Fowler, ein Fernsehgerat als einen „Toaster mit Bildern“ und die Interessen der O¨ ffentlichkeit als „das, wofur die O¨ ffentlichkeit sich interessiert“ (Hamilton 2004, S. 1. U¨ bers. d. Verf.). 1987 verabschiedete sich die Beho¨rde von der bis dahin geltenden „Fairness Doktrin“, was den politischen Diskurs tatsachlich o¨ffnete und beispielsweise den Aufstieg des politischen talk radio zur Folge hatte. Radiomoderatoren wie der rechts-konservative Rush Limbaugh nutzten seither erfolgreich die entstandenen Sendemo¨glichkeiten fur ihre politisch gefarbten Kommentierungen tagespolitischer Ereignisse. Statt auf Marktregulierung legte die FCC in den Folgejahren ihren Fokus eher auf die Kontrolle von Medieninhalten, vor allem in Bezug auf als „obszo¨n“ geltende Begriffe und vermeintlich unanstandige Darstellung von Sexualitat.

Durch den neuen Kurs der FCC sowie durch Gesetzesvorlagen im Kongress wurden außerdem die Regeln bezuglich der cross-media ownership gelockert. Ab 1984 wurde eine Vorschrift, die den Besitz von mehr als sieben Fernseh- und Radiosendern untersagte, mehrfach aufgeweicht. Die Zahl der in einer Hand geduldeten Sender wurde zunachst auf zwo¨lf erho¨ht, 1993 dann auf 18, 1994 gar auf 20 (Klinenberg 2007, S. 26–27). Eine weitere Lockerung erfolgte durch den Telecommunications Act aus dem Jahr 1996, der die Trennung zwischen den Telekommunikations- und Rundfunkmarkten aufhob. Dies ermo¨glichte den Zusammenschluss großer Firmen aus den jeweiligen Branchen und fuhrte zu

spektakularen Marktfusionen wie der U¨ bernahme des Medienunternehmens Time

Warner durch den Internetprovider AOL im Jahr 2000. Als weiteres Beispiel sei hier die durch den australischen Medienmogul Rupert Murdoch gegrundete Firma News Corporation genannt, die ab Ende der 1990er Jahre ihren Marktanteil innerhalb der USA maßgeblich ausbauen konnte. 1996 ging etwa ihr Kabelsender The Fox News Channel auf Sendung; 2003 kaufte sie sich in den Satellitenfernsehmarkt ein; 2005 ubernahm sie das soziale Netzwerk Myspace und 2007 das Wall Street Journal, die auflagenstarkste Tageszeitung der USA. Was Konglomerate wie die News Corporation und ihre Konkurrenten Clear Channel, Comcast, die Walt Disney Company oder die CBS Corporation fur die Telekommunikations- und Unterhaltungsindustrie sind, sind Firmen wie Apple, Google und Microsoft mittlerweile fur die Schnittstellen zwischen Hardware und Internet. Auch hier deutet sich langst ein marktubergreifendes Oligopol an (Wu 2010, S. 255–321). Die Annahme, dass eine derartige Konzentration der Reichhaltigkeit der Medienlandschaft und der Nachrichtenvielfalt abtraglich sein ko¨ nnte, liegt vor allem dort nahe, wo sich die Interessen der großen Firmen uberschneiden. Dies zeigte sich bereits in der Berichterstattung zum Telecommunications Act selbst, dem beispielsweise in den Nachrichtenformaten von ABC, NBC und CBS, deren Besitzer ein direktes Interesse an den neuen Regularien haben mussten, insgesamt nur 19 Minuten Sendezeit gewidmet wurden (Schudson und Tifft, S. 38). Trotz eines scheinbar zunehmend vielfaltigen Medienangebots ist daher die Sorge berechtigt, dass letztendlich die Interessen ein paar weniger Firmenkonglomerate die Rahmenbedingungen und potentiell sogar die dargestellten Inhalte des gesellschaftlichen und politischen Diskurses mitbestimmen ko¨nnten.

Es lasst sich allerdings feststellen, dass homogene Medieninhalte auch dort entstehen, wo keine gemeinsamen Besitzer oder Partikularinteressen klar identifizierbar sind. Dies hangt zum einen mit den Quellen der Nachrichten zusammen, welche oftmals die O¨ ffentlichkeitsburos politischer Institutionen oder Akteure sind. Zum anderen ist die Bedeutung von nationalen Nachrichteragenturen wie der Associated Press (AP) nicht zu unterschatzen, die diversen Redaktionen den Zugriff auf einen zentralen, gemeinsamen Datensatz von Informationen ermo¨ glicht. Einen ahnlichen Effekt hat das Geschaftsmodell der content syndication, durch welches lokale Redaktionen und Rundfunksender zentral produzierte Kommentare oder Sendungen gunstig kaufen und vero¨ffentlichen ko¨ nnen. Ein weiterer Grund fur die Homogenitat der Medieninhalte innerhalb eines diversen Mediensystems mag zudem erneut im handwerklichen Aspekt der journalistischen Objektivitatsnorm liegen: Diese kann dazu fuhren, dass Nachrichtenredaktionen „unkonventionelle“ Berichterstattung, gerade in Bezug auf politisierte oder kontroverse Themen, zu vermeiden suchen und sich dabei anhand der Berichterstattung ihrer Kolleginnen und Kollegen orientieren. Und auch im ursprunglich als basisdemokratisch gelobten Internet (Barlow 1996) zeichnet sich mittlerweile ab, dass Nachrichten sich nicht so pluralistisch verbreiten, wie ursprunglich erhofft. Die Webportale großer Medienunternehmen ziehen einen Großteil aller Verlinkungen und Klickzahlen an sich. Dies fuhrte zu der Erkenntnis, dass auch im Internet die Freiheit zu sprechen nicht gleichzusetzen ist mit der Wahrscheinlichkeit, tatsachlich auch geho¨rt zu werden (Hindman 2008, S. 16).

Gleichzeitig zeichnet sich derzeit in den USA insgesamt eine Ruckkehr subjektiverer politischer Berichterstattung ab, die an die Ideologien politischer Lager gekoppelt ist. Haufig werden in diesem Zusammenhang die Kabelfernsehsender Fox News oder MSNBC angefuhrt, die sich in ihrer Berichterstattung jeweils anhand der Parteilinien von Republikanern und Demokraten orientieren. Durch das Phanomen der selective exposure, so eine damit verbundene Gefahr, ko¨nnten Teile der ¨ ffentlichkeit nun ausschließlich mit Meinungen in Kontakt kommen, die sie ohnehin schon teilen (Mancini 2013, S. 47). Durch soziale Netzwerke begunstigt sind ahnliche Entwicklungen langst auch im Internet zu beobachten. Derartige Polarisierungstendenzen lassen sich als Autonomieverlust der Medien deuten, da diese sich enger an bestehende politische Institutionen und Parteien binden. Andererseits ließe sich dieser Prozess und die damit einhergehende Auflo¨sung einer politischen Mitte ebenso als eine Erweiterung des diskursiven Spektrums verstehen.

Trotz der eingangs angefuhrten Fragmentierungstendenzen und der Vervielflatigung von Informationsquellen, die maßgeblich durch die Digitalisierung von Informationen und die Verbreitung das Internets vorangetrieben wurden, lassen sich also, je nach eingenommener Perspektive, auch starke Homogenisierungstendenzen innerhalb des US-amerikanischen Mediensystems feststellen. Ob durch die gegenwartige Fragmentierung des Mediensystems dem Prinzip des Pluralismus besser Rechnung getragen wird als in der A¨ ra des Rundfunks bleibt daher fragwurdig. Einerseits ko¨nnte gerade mit den neuen Medien die Hoffnung verbunden werden, dass diese die Vielfalt der Gesellschaft besser widerspiegeln; andererseits geht gleichzeitig die Funktion einer breit geteilten Kommunikationsflache abhanden, durch welche gesamtgesellschaftliche Wahrheitsfindung stattfinden und politischer Konsens erreicht werden ko¨nnte. Anhand dieses komplizierten Wechselspiels zeigt sich also, inwiefern gesellschaftlicher und technologischer Wandel die Rahmenbedingungen des mediatisierten politischen Diskurses pragen ko¨nnen. Wie hier bereits angedeutet wurde, uben zudem vorrangig marktwirtschaftliche und politische Faktoren einen enormen Einfluss auf die Inhalte und Formen der Medien aus. Im nun folgenden Unterpunkt soll daher anhand einschlagiger Beispiele zunachst das ebenfalls ambivalente Verhaltnis zwischen Medien und Markt genauer erlautert werden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >