Fazit

Die Situation des fruhen 21. Jahrhunderts ahnelt der des fruhen 20. Jahrhunderts. Auch heute hat ein marktorientiertes Wachstumsregime in den USA zur explosionsartigen Ausweitung urbaner Agglomerationen gefuhrt, auch heute mit ahnlich negativen Konsequenzen fur Gesellschaft und Umwelt. Existierende politische Institutionen stoßen erneut an ihre Grenzen und zivilgesellschaftliche Gruppierungen formieren sich, die in ihrem Eigeninteresse stadtregionale Institutionen fordern. Angesichts dieses unaufgelo¨sten Spannungsverhaltnisses ahneln auch Forderungen nach asthetischen und technologischen Lo¨sungen zur Behebung der gro¨ßten o¨kologischen und sozialen Folgekosten den Forderungen des city-beautiful und des city-efficient movements. Doch reicht das zivilgesellschaftliche Engagement aus, um o¨kologischen und sozialen Problemen adaquat zu begegnen? Kann die Profitorientierung des privaten Sektors die Bereitstellung o¨ffentlicher Guter wie den Zugang zu Infrastruktur und o¨ ffentlichem Raum gewahrleisten?

In den 1930er Jahren bot sich in Reaktion zur Weltwirtschaftskrise die Mo¨glichkeit, unter der Administration Franklin D. Roosevelts gewisse stadtregionale Visionen der metropolitanists und regionalists umzusetzen. Jedoch blieb es bei zaghaften und sporadischen Versuchen – ein integrierter Entwicklungsansatz auf stadtregionaler Ebene wurde historisch einzigartig nur mit der Tennessee Valley Authority, und auch da nur in Teilen, umgesetzt. Insbesondere seit den 1970er Jahren hat die Ruckkehr zum Markt als primares gesellschaftliches Allokationsinstrument die stadtregionalen Reformversuche der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts zunachst in Vergessenheit gebracht. Erst die sozialen und o¨kologischen Konsequenzen der Deregulierungen und Privatisierungen des Folgejahrzehnts haben kritische Stimmen wieder erstarken lassen.

Ko¨nnte es mit der Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre zu einer Wiederbelebung dieser zivilgesellschaftlichen Diskurse und damit vielleicht zu einer neuartigen Institutionalisierung stadtregionaler Politik kommen? Wenn Barack Obama mit seinem Amtsantritt 2008 auch eine neue Stadtpolitik ankundigte, die stadtregionale Problematiken mit einschloss, sind diese Ambitionen – auch wegen der Krise – ohne nennenswerte Erfolge verklungen. Im Gegenteil: gespart wurde im Zuge des Krisenmanagements vor allem an Geldern fur die Kommunalpolitik und o¨ffentliche Einrichtungen auf substaatlicher Ebene. Was jedoch noch schwerer wiegt, ist, dass sich dominante Diskurse unter Architekten, Stadtplanern und Stadtforschern – den heutigen Visionaren der stadtregionalen Entwicklung – auf die Umgestaltung o¨ffentlicher Raume und die Effizienz urbaner Menschen- und Guterstro¨me konzentrieren. Eine stadtregionale Politik, die sich nicht nur

asthetischer und technologischer, sondern auch sozialer Probleme annimmt, scheint in dem weiterhin alternativlos erscheinenden Paradigma des freien Marktes daher in weite Ferne geruckt zu sein.

 
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