Fazit

Wie in den anderen OECD-Staaten hat auch in den USA im Zuge des zunehmenden Strukturwandels der 1980er Jahre eine Aufwertung der aktiven Arbeitsmarktpolitik stattgefunden. Diese aktiven Maßnahmen sollen zur Feinsteuerung auf dem Arbeitsmarkt beitragen, indem das Zusammenspiel zwischen Arbeitsnachfrage und -angebot verbessert wird. Eine besondere Rolle kommt dabei den Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zu, welche das Arbeitskrafteangebot langfristig an die veranderte Nachfragestruktur anpassen sollen. In den Worten von Barack Obama soll die „Zukunft gewonnen“ (win the future) werden, indem verstarkt in Ausbildung und Training investiert wird, um neben einer Verbesserung der individuellen Arbeitsmarktchancen auch die strukturelle Beschaftigungsentwicklung positiv zu beeinflussen (Schmitt 2011). Dieser starke Fokus auf berufliche Umschulung wurde auch mit dem American Recovery and Reinvestment Act im Jahr 2009 deutlich, welcher das bundesweite Budget fur berufliche Qualifi ngsmaßnahmen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelte (O'Leary und Eberts 2009).

Allerdings existieren kaum gesicherte Kenntnisse daruber, welche Tatigkeiten zukunftig verstarkt nachgefragt werden. Eindeutig scheint, dass Beschaftigungen in der produzierenden Industrie als klassische Saule der US-amerikanischen Mittelklasse der Vergangenheit angeho¨ ren. Allerdings zeigt die zunehmende Automatisierung und internationale Verlagerung bestimmter Dienstleistungstatigkeiten, dass das Wissen uber die genauen Profile zukunftig verstarkt nachgefragter Tatigkeiten immer noch vergleichsweise gering ist. Wahrend in den 1980er Jahren eine generelle Tendenz zu einer erho¨hten Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitern verzeichnet wurde, so ist seit Mitte der 1990er Jahre mit dem Aufkommen der Arbeitsmarktpolarisierung keine derartig eindeutige Tendenz mehr erkennbar. Neben einer gestiegenen Nachfrage nach ho¨heren Qualifikationen steigt der Beschaftigungsanteil von Tatigkeiten, die ein relativ geringes formales Bildungsniveau erfordern.

Der seit dem Job Training and Partnership Act (1982) verstarkte Fokus auf nachfrageorientierte Weiter- und Umschulungsmaßnahmen ko¨nnte als eine Mo¨glichkeit angesehen werden, dieser Herausforderung durch eine starkere Dezentralisierung und Einbindung lokaler Arbeitgeber zu begegnen. Allerdings ist die langfristige Wirksamkeit dieser „Kunden“-orientierten Maßnahmen aufgrund des meist sehr kurzen Untersuchungszeitraums und der fehlenden Kontrollgruppe existierender Studien fraglich. Zudem scheint die starke Orientierung darauf auch auf institutionelle Evaluationsmechanismen zuruckzufuhren zu sein, welche Maßnahmen mit kurz bis mittelfristigen Ergebnissen bevorzugen. Da die TAA, welche speziell zum Abfedern negativer Globalisierungskonsequenzen ins Leben gerufen wurde, uber keine eigenen Maßnahmen verfugt und damit auf keiner gesonderten arbeitsmarktpolitischen Strategie basiert, leidet unter den selben Schwachen wie die US-amerikanische Arbeitsmarktpolitik im Allgemeinen.

Die Wirksamkeit arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen wird insbesondere davon abhangen, ob und inwiefern es gelingt, verschiedene Maßnahmen zukunftig mittels geeigneter Daten und Studien zu evaluieren. Eine engere Verzahnung von Wissenschaft und Politik ware dafur unabdingbar. Zudem musste ein schnellerer und umfassenderer Wissensaustausch zwischen beiden Bereichen entsprechende Anpassungsmechanismen mit sich bringen. Da diese Voraussetzungen in naher Zukunft eher unwahrscheinlich sind, sollten sich arbeitsmarktpolitische Strategien in den USA weniger stark an kurzfristigen Marktbedurfnissen orientieren, sondern eher auf langerfristig erfolgreiche Maßnahmen, wie die Vermittlung von generellen Zusatzqualifikationen, zuruckgreifen.

 
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