Fazit

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird die weltpolitische Fuhrungsrolle Amerikas vielerorts zunehmend infrage gestellt. Grund hierfur ist nicht nur der Aufstieg Chinas und anderer Schwellenlander, sondern auch die spurbar geringere Neigung Washingtons unter der Obama-Administration, globale Verantwortung auch im Alleingang zu ubernehmen – ein Ergebnis der amerikanischen Erkenntnis, dass die militarische Suprematie des Landes sich nicht automatisch und in jedem Fall in politische Erfolge ubersetzen lasst. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise nahrt zudem die These von der mangelnden Nachhaltigkeit des amerikanischen Modells. Die neuen Machtverhaltnisse und die Zwange der globalen Vernetzung bedeuten sicherlich nicht die Gefahr eines starkeren amerikanischen Isolationismus – jener bis in das 19. Jahrhundert hinein zuruckreichenden Traditionslinie, wohl aber eines gro¨ßeren Selektivismus. In jedem Fall erfordern sie von Amerika gro¨ßere Anpassungsfahigkeit und eine Ruckkehr zum Programm des „liberalen Internationalismus“ – jener traditionellen Verbindung von Diplomatie und militarischer Starke, wie sie kennzeichnend war fur die Außenpolitik uber die gesamte Phase des Kalten Krieges und vor allem in der Clinton-A¨ ra.

Die veranderten Rahmenbedingungen andern allerdings nichts an den Grundparametern und U¨ berzeugungen in der amerikanischen Außenpolitik. Die Mehrheit des Landes wie der politischen Eliten glaubt an die U¨ berlegenheit des amerikanischen Systems und Linksliberale wie Liberal-Konservative sind sich einig in der Forderung, dass die Außenpolitik des Landes letztlich weiterhin auf der Annahme basieren muss, dass eben nur der Liberalismus den Weg in die Moderne weist und dass das aktive Eintreten fur dessen Grundwerte und Prinzipien Voraussetzung ist fur eine erfolgreiche Außenpolitik und stabile Weltordnung. Ausgehend von diesem Selbstverstandnis sind es zwei Dinge, die die USA wohl auch in Zukunft ihre Fuhrungsrolle in einer sicherlich multipolarer werdenden Welt werden ausuben lassen: Amerikas eben aus diesem Grundverstandnis erwachsender Fuhrungs- und Gestaltungswille, gepaart mit dem unerschutterlichen Glauben an die Selbstheilungskrafte des Landes, und sein uberragendes Machtpotenzial. Da dieser Gestaltungswille wesentlich von den religio¨sen Fundamenten und Werten (Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Toleranz, Respekt, Solidaritat, Ziel- und Ergebnisorientiertheit) seiner Gesellschaft mitgetragen wird und weil diese Werte wiederum als quasi naturlicher Wunsch aller Zivilgesellschaften vorausgesetzt werden, werden die USA sich auch kunftig mit Nachdruck fur deren Bewahrung und Strahlkraft einsetzen.

 
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