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Demokratieferne Rebellionen

Pegida und die Renaissance völkischer Verschwörungsphantasien

Samuel Salzborn

Es bedarf schon eines guten Gedächtnisses, um sich die Abkürzungen und Slogans, unter denen das rassistische und verschwörungsphantastische Milieu in den letzten Monaten auf die Straße gegangen ist, alle zu merken: Neben den HoGeSa („Hooligans gegen Salafisten“) und der Pegida („Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes“) bildeten sich lokale Ableger, die unter Abkürzungen wie Ogida, Rogida, Kagida, Saargida, Dügida, Kögida oder Bogida operierten. Schon vor der ersten HoGeSa-Demonstration in Köln hatten sich in separaten Mahnwachen prorussische und antiamerikanische Friedensbewegte regelmäßig zu „Montagsdemonstrationen“, später dann für einen „Friedenswinter“ versammelt.

Überraschend an diesen Demonstrationen war weniger ihr fortwährender Etikettenwechsel, sondern die scheinbar unvorhersehbare Menge an Menschen, die an den Demonstrationen teilgenommen hat und deren Zahl regelmäßig in die Tausende ging. Um die Dynamik der Ereignisse einordnen zu können, sollte man aber nicht vorschnell der Marketingstrategie der Organisatoren folgen, nach der sich „ganz normale Bürger“ versammelt hätten – denn es handelte sich vielmehr um ein sehr spezifisches Spektrum von Personen, das deshalb lange Zeit politisch nicht mobilisierbar war, weil gerade sein Egoismus und sein demokratiefernes Weltbild es daran gehindert hat, öffentlich in Erscheinung zu treten. Das politische Klima und damit der Kontext, in dem sich diese Demonstrationen abspielen, hat sich aber geändert, mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist eine Partei – zumindest vorübergehend (Kurth & Salzborn, 2014) – bei Wahlen erfolgreich, die genau dasselbe Klientel anspricht und insofern dazu motiviert, von ihren Stammtischen aufzustehen und die Online-Kommentarspalten zu verlassen und sich in die tatsächliche Wirklichkeit zu wagen (Salzborn, 2012, S. 114-117).

 
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