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3 Beitrag systemtheoretischer Konzepte im Wandel

In diesem Kapitel wird gezeigt, wie systemisches Denken die Führungsarbeit erweitern und das Führen in Changeprozessen unterstützen kann. Es werden Aspekte systemischen Denkens aufgezeigt, die das Verständnis von Prozessen und Dynamiken in Organisationen fördern und so die Optimierung der Führungsarbeit ermöglichen. Es wird auch ersichtlich, welche Vorgehensweisen in Systemen der Systemtheorie nach nicht wirkungsvoll sein werden.

3.1 Systemisches Denken als Säule des Leadership

Zur Erklärung systemischen Denkens als Teil der Führungsarbeit soll zunächst definiert werden, was unter einem System im Rahmen der Systemtheorie verstanden werden kann. Verstanden werden kann deshalb, weil nach dem systemischen Denken keine objektiven Definitionen kausaler Zusammenhänge hergestellt werden können.

Decart beschreibt zweiwertige objektive Logik und hat damit das westliche Denken geprägt. Etwas wird als objektiv beschreibbar, von den einzelnen handelnden Personen unabhängig erkennbar, gesehen, und als wahr oder falsch eingeordnet. Das systemische Denken im Gegensatz dazu vermittelt ein anders Weltbild, wobei Systemtheorie und Konstruktivismus die Basis dafür liefern. Der Konstruktivismus besagt, dass jedes Individuum aufgrund seiner Wahrnehmung basierend auf seiner Erfahrung und Sozialisation seine Wirklichkeit konstruiert. Eine objektive messbare für alle Menschen, d.h. wahrnehmenden konstruierenden Systeme, uniforme Wahrheit gibt es demnach nicht. Ein System ist nicht etwas, das sich dem/der BeobachterIn zeigt, sondern etwas das von ihm/ihr erkannt wird.

Im Rahmen der Systemtheorie kann ein System als zusammengesetzte Einheiten beschrieben werden, was einer wörtlichen Übersetzung aus dem griechischen entspricht; syn = zusammen und histanai = stellen, setzen, legen. Zwischen den Objekten besteht ein Zusammenhang und sie haben eine Beziehung zueinander. Ein System kann auch als ein Satz von Elementen oder Objekten definiert werden, die miteinander in Beziehung stehen und bestimmte Merkmale ausgebildet haben. Die Beziehungen verbinden die Elemente und machen das System erst funktional.

Systemisches Denken hat nach dem zweiten Weltkrieg als neues Paradigma in sämtlichen Wissenschaftsbereichen als Kybernetik, Systemtheorie, Chaostheorie oder Kommunikationstheorie Einzug gehalten. Zuvor wurde von linearer Kausalität ausgegangen. Diese besagt, dass A zu B, B zu C und C zu D führt. Diese Sichtweise ist auch beschreibbar als Kybernetik 1. Ordnung oder Steuerlehre, wobei durch Regelsysteme spezifische Eingaben gemacht werden, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen.

Darstellung 1: Lineare Kausalität47

Systemisches Denken nimmt einen Wechsel der Perspektive ein. Das Konzept der Zirkularität besagt, dass alle Elemente nicht nur linear-kausal verbunden sind, sondern einander zirkulär anstoßen und aufeinander einwirken.

Darstellung 2: Zirkuläre Kausalität48

Es kommt zu zirkulären Organisationsformen und zirkulärer Kausalität, wobei nicht nur A zu B und B zu C führt, sondern in rekursiven Schleifen, auch C auf A einwirkt. Die nachgelagerten Elemente stoßen ebenso die vorausgegangen an und beeinflussen diese, was von neuem auf die nachgelagerten Elemente wirkt.

Von Förster beschreibt Zirkularität so, dass B auf A wirkt, und dass A aufgrund der Autoreferenz auch sich selbst – also A – beeinflusst.

Im systemischen Denken ist der Blick daher nicht auf Objekte und deren Eigenschaften eingeschränkt, sondern auf deren Mustern und funktionelle Kopplungen gerichtet. Die Eigenschaften und Verhaltungsweisen, die in einem Kontext unter den Elementen entstehen sind somit nicht auf die einzelnen Elemente zurückzuführen, sondern auf deren Zusammenwirken. Das Ganze erweist sich somit als qualitativ anders und mehr als die Summe der einzelnen Elemente und Teile. Innerhalb der Systemgrenze hängen Elemente mit anderen zusammen und wirken auf andere ein, wodurch gegenseitige Impulse und wiederum neue Koppelungen und Ergebnisse entstehen, die einander wiederum beeinflussen. Die Unterschiedlichkeit der Elemente und Beziehungen bestimmt das System und definieret eine Systemgrenze, sodass sich das Innen klar vom Außen unterscheidet.

Das heißt auch, dass nicht ein Element für sich alleine verstanden werden kann, da der Kontext und die anderen Elemente einwirken. Die Wirkungsweisen sind von außen nicht zu erkennen, da die Wechselwirkungen hochkomplex sind.

Das Beobachten wird dabei als Teil des Kontextes und der Zusammenhänge von Elementen in einem System verstanden. Der/die BeobachterIn kann dabei nicht vom Beobachteten losgelöst werden, da diese/r das Beobachtete ebenfalls beeinflussen.

Es ist nicht feststellbar, ob das, was eine Person aus ihrer Wahrnehmung konstruiert, tatsächlich wahr ist, da kein objektives Bild der Welt zum Vergleich zur Verfügung steht. Es kann nur etwas über die Welt herausgefunden werden, indem sie erlebt wird. Beobachten und Beschreiben von Ereignissen durch eine/n BeobachterIn ist ebenso wenig möglich, da diese/r einerseits das beobachtete Geschehen selbst beeinflusst und andererseits bei diesem selbst Wirklichkeitskonstruktionen und kognitive Prozesse ablaufen. Des Weiteren sieht der/die BeobachterIn nicht, was er/sie nicht sieht, wodurch eine allumfassende Beschreibung nicht gegeben ist.

Über die Wirklichkeit ist im besten Fall nur zu wissen, wie sie nicht ist, nämlich dann, wenn augenscheinlich wird, dass eine Konstruktion nicht passend ist. Dies kann Angst, Verzweiflung und die Bewertung der Sinnlosigkeit auslösen, aber den Weg frei machen, neue Perspektiven zu eröffnen und Konstruktionen zu finden, die passender für eine neue Situation sind.

Systeme unterliegen einer Eigendynamik und führen Prozesse zur Selbstorganisation aus. Die Prozesse innerhalb dieser Systeme sind von außen nicht durchschaubar und nicht objektiv analysierbar. In Systemen z.B.. Unternehmen wird Energie aufgewendet, damit die gegebenen Strukturen und Abläufe so bleiben wie sie sind, d.h. aktiv aufrechterhalten werden können. Dies bleibt bestehen, bis sich im Rahmen eines Veränderungsprozesses oder einer Intervention Änderungen im System ergeben. Aufgrund von kleinen Impulsen kann es zu radikalen Veränderungen im System kommen.

Systeme werden auch als autopoietisch beschrieben, d.h. sie bilden selbst Grenzen aus und bringen Elemente und Subsysteme hervor.

Hochkomplexe Systeme sind auch ohne Steuerung von außen einer ständigen Dynamik, Strömung und Veränderung ausgesetzt. Diese werden vom belgischen Physiker Prigogine auch als dissipative Strukturen bezeichnet. Diese sind Strukturen in Systemen, die ihre Stabilität und Identität nur dadurch erhalten, dass sie ständig für neue Strömungen ihrer Umgebung offen sind und sich dabei ständig im Wandel befinden. Aus stabilen Strukturen werden dabei unter Energieverbrauch neue Strukturen gebildet. Aufgrund der Offenheit für Impulse von außen kann unter Verwendung von Energie eine neue Ordnung hergestellt werden, wobei unklar ist, welche Ordnung das sein wird, und ob sich das System in die eine oder andere Richtung ausrichten wird. Dieser Punkt wird Bifurkationspunkt genannt. Auf Veränderungsprozesse umgelegt bedeutet dies, dass es nicht genau absehbar, planbar oder spezifisch strukturiert steuerbar ist, welche Auswirkung oder welches Ergebnis eine Intervention in ein soziales System, wie eine Abteilung oder ein Team, haben wird.

 
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