Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Change Leadership
< Zurück   INHALT   Weiter >

4.3.2 Reaktion

In Alltagssituationen durchleben Menschen Emotionen ohne sie bewusst wahrzunehmen oder zu erkennen, und sie gehen direkt zum Urteilen und Handeln über. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Emotionen zwar vorhanden sind, aber nicht reflektiert werden. Im Arbeitskontext und der Sozialisation wird das Augenmerk darauf gelegt, Emotionen zu kontrollieren, zu unterdrücken oder durch andere „sozial akzeptierte“ Emotionen zu ersetzen. Als Prinzip im Unternehmens- und Arbeitskontext gilt, objektiv zu bleiben und nicht emotional zu handeln. Dies ist aber unumgänglich und das Verhalten und Handeln, wird umso mehr von Emotionen beeinflusst, je weniger diese reflektiert und bewusst gemacht werden. Auch die Beeinflussung der eigenen Handlungen liegt so außerhalb der Wahrnehmung und Reflexion. Was sich dem Bewusstsein entzieht, entzieht sich auch der bewussten Steuerung. Durch das bewusste Erkennen von Emotionen und dem Umgang mit diesen werden neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Handlungen können impulsiv gesteuert werden, oder aber es können auf Basis kognitiver Prozesse andere Handlungsvarianten herangezogen werden. Für BeraterInnen ist das Erkennen und Reflektieren von Gefühlen erforderlicher Bestandteil in Veränderungsprozessen, um emotionale automatisierte aus dem Erfahrungsgedächtnis stammende, nicht zum Kundensystem passende, Reaktionen zu vermeiden, sondern anschlussfähige Interventionen anbieten zu können.

Diese Phase im Modell ist vergleichbar mit dem Fühlen als dritter Empfangsvorgang nach Schulz von Thun. Es wird dabei auf das Wahrgenommene mit einer zugeordneten Bedeutung und dann mit einem Gefühl reagiert. Dieses ist individuell und kann weder als wahr noch als falsch beurteilt werden.

4.3.3 Urteil

Da das Urteil auf gesammelten Daten und Interpretationen beruht, ist es wichtig zu erkennen, welchen Einfluss Emotionen auf die Wahrnehmung, die gesammelten Daten und schließlich auf das Urteil haben können. Es ist hilfreich und notwendig, die begrenzte Rationalität und Verzerrung beim Aufnehmen von Daten zu berücksichtigen. Das logische Denken, auf dem das Urteil aufbaut, ist begrenzt. Das Urteil stützt sich auf die aufgenommenen Daten und richtet sich nach deren Qualität.

Der zweite Empfangsvorgang nach dem Ablauf von Schulz von Thun ist das Interpretieren und dem Urteil im BRUI-Modell ähnlich. Dabei wird dem Wahrgenommen eine Bedeutung beigemessen, wobei Interpretationen wahr oder falsch sein können. Für die Kommunikation bedeutet dies, dass oftmals nur aufgrund der eigenen Bewertung gehandelt wird. Es entstehen Emotionen, die zu reflektieren sind, da oftmals in der Interaktion durch Wahrnehmungsfilter Wahrnehmungen und Bewertungen im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung bestätigt jedoch nie hinterfragt oder aufgeklärt werden.

Wie Elger beschreibt, arbeiten Emotion und Kognition separat, sind jedoch miteinander in Verbindung und kreieren Wechselwirkungen. Die Bewertung kann allerdings bereits beginnen, bevor die Wahrnehmung einer Situation überhaupt abgeschlossen ist. Eine Bewertung der Situation kann dann bereits positiv oder negativ ausfallen, bevor klar ist, worum es inhaltlich geht.

Aus den Umgebungsimpulsen werden jene ausgewählt, die der derzeitigen Stimmung entsprechen und zu den bisherigen Erfahrungen passen. Eine Situation wird den vorhandenen Interpretationen und Mustern entsprechend bestätigt, was effektiver und schneller wirkt, als sie zu reflektieren und neu einzuordnen. Auch im Arbeitskontext greifen daher MitarbeiterInnen auf vorhandene Bewertungsschemata zurück, die der Stimmungslage entsprechend ausgewählt werden. Bei schlechter Stimmung und beispielsweise Angst oder Wut werden nur Erinnerungen aufgerufen, die zu dieser Stimmung passen. Je präsenter ein bestimmtes Gefühl oder eine Stimmung ist, desto weniger lassen sich konträre Urteile in einem bestimmten Zusammenhang einbringen.

Die Bewertung besteht laut Roth aus dem gefühlsbetonten effizienten Aufnehmen einiger Eindrücke einer Situation und dem Vergleich mit dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis. Rationale Erwägungen werden hinzugezogen und es kommt zu einer Schlussfolgerung oder Auswirkung. Im Prozess des Entscheidens ist es unklar, ob die emotionale Einschätzung oder die rationale Reflexion ausschlagge-

bend ist. Je wichtiger ein Problem oder die Folgen daraus eingeordnet werden, desto eher wird dem emotionalen System der Vorzug gegeben.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften