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5 Entscheidungsfunktion und Entscheidungswert

Der Entscheidungswert stellt die Grenze der Konzessionsbereitschaft einer Partei in einer ganz speziellen Konfliktsituation dar. Zudem bildet er die Grundlage der Herleitung von Arbitrium- und Argumentationswerten, den Werten der weiteren Hauptfunktionen. Deshalb gilt die Entscheidungsfunktion auch als Basisfunktion der funktionalen Unternehmensbewertung.

5.1 Merkmale des Entscheidungswerts

Der Entscheidungswert des Unternehmens ist das Ergebnis einer Unternehmensbewertung im Rahmen der Entscheidungsfunktion (umfassend Matschke und Brösel 2013, S. 131–476; Hering 2014). Der Begriff stellt nicht auf das Bewertungsverfahren, sondern auf den Zweck des Unternehmensbewertungskalküls ab. Allgemein zeigt ein Entscheidungswert einem Bewertungssubjekt bei gegebenem Zielsystem und Entscheidungsfeld an, unter welchen Bedingungen oder unter welchem Komplex von Bedingungen die Durchführung einer bestimmten Handlung das ohne diese Handlung erreichbare Niveau der Zielerfüllung (Nutzwert, Erfolg) gerade noch nicht mindert, so daß Entscheidungswert und Nutzwert eng miteinander verknüpft sind.

Entscheidungswerte können für zwei Arten von Handlungen bestimmt werden:

1. für Handlungen, deren Realisation ausschließlich vom Willen des Bewertungssubjekts selbst abhängt. Es geht dann um die optimale Ressourcenallokation. Entscheidungswerte für diesen Zweck sind z. B. Schmalenbachs „optimale Geltungszahl“ zur Bewertung relativ knapper Produktionsfaktoren (Schmalenbach 1948).

2. für Handlungen, die nur realisiert werden können, wenn sich das Entscheidungssubjekt zuvor mit einem anderen über die Bedingungen verständigt hat, unter denen die Realisation der Handlung möglich ist, d. h. für Handlungen, deren Durchführung die Lösung eines interpersonalen Konflikts voraussetzt (Matschke 1972; Matschke 1975).

In der Literatur wird der Begriff „Entscheidungswert“ zumeist im Zusammenhang mit interpersonalen Konflikten gebraucht. Durch eine Einigung erwartet jedes der beteiligten Entscheidungssubjekte einen höheren Grad an Zielerfüllung (Nutzwert) als ohne Einigung. Dies ist das Handlungsmotiv, eine Einigung anzustreben.

Gegenstand der Verhandlung zwischen den Parteien können nicht die Nutzwerte selber sein, sondern nur die konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte, die bei Einigung über ihre bewirkte Änderung des Entscheidungsfeldes auch die erreichbaren Nutzwerte der Parteien verändern. Bei rationaler Handlungsweise wird das Entscheidungssubjekt in einer nicht dominierten Konfliktsituation nur dann einer Einigung zustimmen, wenn der Grad der Zielerfüllung (Nutzwert) nach einer Einigung nicht geringer als ohne Einigung ist. Um zwischen verschiedenen Konfliktlösungen abzuwägen, muß das Entscheidungssubjekt Vorstellungen davon entwickeln, wie verschiedene Ausprägungen der konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte nach einer Einigung den Nutzwert verändern. Insbesondere sollte sich jeder Verhandlungspartner über diejenigen Ausprägungen der konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte im Klaren sein, die bei einer Einigung darauf gerade noch zu demjenigen Grad an Zielerfüllung führen, den er bei Nicht-Einigung erreichen kann.

Der Entscheidungswert gibt die gerade noch akzeptablen Ausprägungen der konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte an. Es kann viele Kombinationen der konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte geben, für die dies gilt. In diesem Fall würde die Menge aller kritischen Kombinationen den Entscheidungswert bilden. Der Entscheidungswert nennt die Grenzeinigungsbedingungen aus Sicht des Bewertungssubjekts und stellt dessen äußerste Grenze der Konzessionsbereitschaft dar. Als solche ist der Entscheidungswert eine hochsensible Information, die der anderen Seite nicht bekannt werden sollte.

Den Entscheidungswert charakterisieren folgende Merkmale (Matschke 1972, S. 147):

1. Er ist eine kritische Größe: Merkmal des Grenzwertes.

2. Er wird im Hinblick auf eine bestimmte vorgesehene Handlung ermittelt: Merkmal der Handlungsbezogenheit.

3. Er ist auf ein bestimmtes Entscheidungssubjekt und dessen Zielsystem bezogen: Merkmal der Subjekt- und Zielsystembezogenheit.

4. Er gilt nur für das konkrete, zum Entscheidungszeitpunkt bestehende Entscheidungsfeld des Entscheidungssubjekts und für die daraus ableitbaren Alternativen: Merkmal der Entscheidungsfeldbezogenheit.

Weil sich das Bewertungssubjekt bei einer Einigung zu seinem Entscheidungswert nicht verbessern kann, wird es eine derartige Konfliktlösung nicht anstreben.

In Konfliktsituationen des Kaufs/Verkaufs eines Unternehmens spielt die Höhe des möglichen Preises eines Unternehmens eine besondere und oft auch dominierende Rolle, so daß zumeist auf die Bestimmung einer mit rationalem Handeln vereinbaren Preisgrenze abgestellt wird, so als ob Entscheidungsprobleme stets auf monetäre Aspekte reduzierbar seien. Aufgrund dieser extremen Vereinfachung der tatsächlichen Konfliktsituation wird der Entscheidungswert zu einem kritischen Preis der jeweiligen Verhandlungspartei: zur Preisobergrenze aus Käufersicht und zur Preisuntergrenze aus Verkäufersicht.

 
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