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6 Vermittlungsfunktion und Arbitriumwert

Während es in der Entscheidungsfunktion um die Grenze der Konzessionsbereitschaft einer Partei in einer ganz speziellen Konfliktsituation geht, steht in der Vermittlungsfunktion eine Wertgröße im Vordergrund, die von einem Vermittler als Kompromiß den Konfliktparteien vorgeschlagen wird (vgl. Matschke 1969).

6.1 Arbitriumwert als Kompromißvorschlag eines Vermittlers

Der Arbitriumoder Vermittlungswert ist ein Einigungsvorschlag eines Unparteiischen. Dieser soll zwischen Parteien vermitteln, deren Interessen in Bezug auf das zu bewertende Unternehmen divergieren. Ein Interessenausgleich zwischen den Konfliktparteien soll erleichtert oder verbindlich herbeigeführt werden.

In einer nichtdominierten Konfliktsituation, in der eine Eigentumsänderung die Zustimmung aller Konfliktparteien erfordert, kann der Arbitriumwert in unterschiedlicher Weise für die Bewältigung des Konflikts zwischen den Parteien relevant sein:

1. Er kann ein Ausgangspunkt für weitere freie Verhandlungen der Parteien sein.

2. Er kann eine unverbindliche Empfehlung des unparteiischen Dritten für eine Konfliktlösung zwischen den Parteien sein.

3. Die Parteien können sich ihm in einer potentiellen Einigungssituation aufgrund vorheriger Festlegung als verbindliche Konfliktlösung zwischen ihnen unterwerfen, so daß der Arbitriumwert zu einem vom Unparteiischen festgelegten Tauschwert wird.

Voraussetzung dafür, daß der Arbitriumwert von den Parteien akzeptiert wird, also auf seiner Basis ein Interessenausgleich möglich wird, ist nicht, daß der unparteiische Gutachter die „exakten“ Entscheidungswerte der Parteien oder deren Angemessenheitsvorstellungen im einzelnen kennt. Vielmehr muß der Unparteiische die Parteien davon überzeugen, daß der vorgeschlagene Arbitriumwert eine Einigungslösung darstellt, die für die Parteien interessewahrend ist sowie einen

„fairen“ Charakter hat.

Je gebundener die Parteien an den Vermittlungsvorschlag des Unparteiischen sind, desto strenger sind die Anforderungen, die an den Arbitriumwert zu stellen sind. Mit Blick auf die erste Aufgabenstellung wird es genügen, wenn der Vermittler einen Bereich von – aus seiner Sicht – zulässigen Konfliktlösungen angibt. Dazu gehört auch der Vorschlag zum Abbruch der Verhandlungen. Bei der zweiten Aufgabenstellung wird er den Bereich potentieller Einigungslösungen durch allgemein gehaltene Angemessenheitsüberlegungen einzuschränken haben, so daß die Parteien darauf aufbauend weiter verhandeln können. Da in einer nichtdominierten Konfliktsituation die Parteien jederzeit in der Lage sind, aufgrund eigener Entscheidung und Kenntnis ihres Entscheidungswertes die Verhandlungen abzubrechen, dürfte mit Blick auf die erste und zweite Aufgabenstellung eine grobe Abschätzung der Entscheidungswerte der beteiligten Parteien durch den Unparteiischen genügen. Dies ist anders bei der dritten Aufgabenstellung. Bei ihr hat der Unparteiische im Falle einer Einigungssituation den Parteien eine einzige Konfliktlösung zu präsentieren. Sie muß eindeutig sein, weil sein Vorschlag zum für die Parteien verbindlichen Tauschwert wird. Die Findung eines Arbitriumwertes als verbindlichen Kompromißvorschlag muß daher strengeren Anforderungen als bei den beiden anderen Aufgabenstellungen genügen. Stets ist der Arbitriumwert als Kompromißvorschlag aber eine subjektive Wertgröße – mit Blick auf den Vorschlagenden sowie mit Blick auf die Adressaten des Vorschlags.

 
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