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8 Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung

Wegen der Komplexität der Materie und der Vermögensgefahren erscheint es im Hinblick auf eine Qualitätssicherung der Unternehmensbewertung erforderlich, daß Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung zur Verfügung stehen, die theoriebasiert den Bewertungsprozeß strukturieren (vgl. umfassend Matschke und Brösel 2013, S. 759–811, mit weiteren Literaturhinweisen sowie einer eingehenden Analyse des IDW Standard S1).

8.1 Begriff der Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung

Im Fokus der Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung muß der Bewertungszweck stehen. Aus ihm ist ein widerspruchsfreies Normensystem zur Steuerung des Prozesses der Unternehmensbewertung herzuleiten.

Solche Grundsätze sollten nicht mit Konventionen eines Berufsstandes gleichgesetzt werden. Denn über Konventionen entscheiden Mehrheiten, nicht Wahrheiten. Unverkennbar gibt es jedoch seit langem einen Trend zu Konventionen professioneller Bewerter, um möglichst übereinstimmend vorzugehen und zu möglichst wenig divergierenden Ergebnissen zu gelangen. Solche Konventionalisierungen des Bewertungsprozesses sind Strategien zur Immunisierung gegen mögliche Kritik. Sie nützen den Bewertern, nicht den Bewertungsadressaten.

8.2 Zwecke der Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung

Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung dienen der Qualitätssicherung durch Steuerung des Verhaltens der Bewerter. Die daraus resultierenden Zwecke lassen sich in den Komplexitätsreduktionszweck, den ternären Schutzzweck, den Informationszweck und den Kommunikationsunterstützungszweck unterteilen. Diese Zwecke müssen auf die jeweilige Funktion der Unternehmensbewertung ausgerichtet sein (vgl. hierzu Matschke und Brösel 2013, S. 766–770).

8.3 Funktionale Unternehmensbewertung als Basis theoriegestützter Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung

Oberster Grundsatz ist der Grundsatz der Beachtung der jeweiligen Funktion der Unternehmensbewertung. Moxter nennt ihn das Zweckadäquanzprinzip (vgl. Moxter 1983, S. 5–8). Aus ihm folgt, daß die weiteren Prinzipien je nach Funktion zu formulieren sind. Nachfolgend wird nur auf Grundsätze in der Entscheidungsfunktion eingegangen (vgl. umfassend Matschke und Brösel 2013, S. 795–809).

Die Grundsätze funktionsgemäßer Unternehmensbewertung in der Entscheidungsfunktion unterteilen sich in generelle Prinzipien und in spezielle Prinzipien. Letztere sind auf das Zukunftserfolgswertverfahren bezogen.

Gemäß den generellen Prinzipien ist es für die Entscheidungswertermittlung erforderlich, die reale Konfliktsituation als Ausgangspunkt zu wählen (Grundsatz der Beachtung der realen Konfliktsituation). Zudem ist die reale Ausgangssituation, in welcher sich das Bewertungssubjekt tatsächlich befindet, zu identifizieren (Grundsatz der Beachtung der realen Ausgangssituation). Gemäß diesem Grundsatz ist auf die wirklichen Ziele (Grundsatz der Beachtung der Ziele des Bewertungssubjekts) und auf die tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten und -beschränkungen der Konfliktpartei (Grundsatz der Beachtung des Entscheidungsfeldes des Bewertungssubjekts) abzustellen. Darüber hinaus sind bei der Entscheidungswertermittlung der Grundsatz der Subjektivität (Subjektbezogenheit) und der Grundsatz der Zukunftsbezogenheit generell zu beachtende Prinzipien.

Die speziellen Grundsätze beziehen sich auf die Ermittlung eines Grenzpreises mit Hilfe des Zukunftserfolgswertverfahrens. Es kann diesbezüglich zwischen den Prinzipien der Erfolgsabgrenzung, der Kapitalisierung und der Risikooffenlegung unterschieden werden. Sie stehen in enger Beziehung zu den generellen Prinzipien. Die Prinzipien der Erfolgsabgrenzung beziehen sich auf die Zukunftserfolge.

Das wichtigste Prinzip ist dabei das Gesamtbewertungsprinzip. Das Unternehmen ist als Ganzes zu bewerten, so daß als Zukunftserfolg der Zahlungsstrom des ganzen in Rede stehenden Bewertungsobjekts zu berücksichtigen ist. Das Gesamtbewertungsprinzip und die generellen Prinzipien der Subjektivität und der Zukunftsbezogenheit bilden eine „Dreieinigkeit“ in der funktionalen Unternehmensbewertung.

Nicht im Widerspruch zum Gesamtbewertungsprinzip steht, zwischen betriebsnotwendigem und nichtbetriebsnotwendigem Vermögen zu unterscheiden. Dem betriebsnotwendigen Vermögen wird ein dauerhafter Zahlungsstrom gemäß den subjektiven Fortführungsplanungen zugeordnet und dem nichtbetriebsnotwendigem Vermögen – soweit zu übernehmen – ein zeitweiliger Zahlungsstrom unter Berücksichtigung von geplanter Zerschlagungsart, -dauer und -intensität. Auch die Übung, zwischen zeitlichen Phasen unterschiedlicher Detailliertheit der Prognose (sog. Phasenmethode) zu trennen, steht im Einklang mit dem Gesamtbewertungsprinzip. Die nähere Zukunft kann fundierter und differenzierter geschätzt werden, bei der weiteren Zukunft muß auf gröbere Verfahren und Annahmen zurückgegriffen werden.

Das Zukunftserfolgswertverfahren ist ein Partialmodell. Ergeben sich in einem Konzern Erfolgswirkungen außerhalb des Bewertungsobjekts, so schlagen sich diese nicht in dessen Zahlungsstrom nieder. In einem Totalmodell hingegen würden solche Erfolgsabhängigkeiten unmittelbar die Größe des Entscheidungswertes als Grenzpreis beeinflussen. Daher ist es bei Verwendung eines Partialmodells erforderlich, falls solche objektübergreifenden Effekte zu erwarten sind, den Zahlungsstrom des Bewertungsobjekts um solche positiven oder negativen Synergien zu erweitern. Dies ist der Inhalt des Synergieberücksichtigungsprinzips.

Die Entscheidungswertermittlung fußt auf der subjektiven Werttheorie. Wertbestimmend ist danach das, was zur Bedürfnisbefriedigung beiträgt. Hierunter fällt die „Summe aller Vorteile, die dem Unternehmenseigner infolge der Verfügung über das Unternehmen zufließen. Diese Vorteile können im Einzelfall sehr heterogener Natur sein“ (Moxter 1983, S. 75). Bei Anwendung des Zukunftserfolgswertverfahrens findet eine Verengung auf finanzielle Vorteile statt, denn Geld ist das allgemeinste Mittel, um Bedürfnisse zu befriedigen. Zur Bedürfnisbefriedigung ihrer Eigner trägt ein Unternehmen bei, wenn es zu finanziellen Zuflüssen (einschließlich Auszahlungsersparnissen) bei den Eignern als Bewertungssubjekt kommt. Dies ist mit dem Zuflußoder Ausschüttungsprinzip gemeint.

Nach dem Zukunftserfolgswertverfahren wird der Grenzpreis durch Diskontierung der Zukunftserfolge auf den Bewertungsstichtag abgeschätzt. Deshalb sind auch die Prinzipien der Kapitalisierung zu beachten. Die Bewertung beruht auf den Verhältnissen und Zukunftsaussichten dieses Stichtages (Stichtagsprinzip). Die Diskontierungszinsfüße sind bei methodisch vorsichtiger Bewertung als Grenzzinsfüße des Bewertungsprogramms zu schätzen (Prinzip der Grenzzinsfüße).

Die letzte Gruppe der speziellen Grundsätze betrifft die Prinzipien der Risikooffenlegung. Darunter sind zwei Prinzipien gefaßt: das Prinzip der Eingrenzung des Entscheidungswertes und das Prinzip der Risikoprofilbildung. Das Prinzip der Eingrenzung des Entscheidungswertes bezieht sich auf die aus der Methode herrührende Unschärfe, denn bei nicht übereinstimmenden Grenzzinsfüßen in Basis- und Bewertungsprogramm kann mit dem Zukunftserfolgswertverfahren nur eine untere und obere Schranke für den Entscheidungswert bestimmt werden, so daß es eine methodisch bedingte Unschärfe gibt. Das Prinzip der Risikoprofilbildung soll das prognosebedingte Risiko aufdecken, weil die Daten jeder Unternehmensbewertung mit Risiko und Ungewißheit verbunden sind. Es wird hier dezidiert gegen eine Verdichtung in Form von Risikoabschlägen vom Zukunftserfolg oder von Risikozuschlägen zum Kapitalisierungszinsfuß plädiert. Beides läßt sich nicht aus der allgemeinen Theorie des Entscheidungswertes ableiten. Beide Prinzipien zusammen bedeuten den Abschied von der Vorstellung, der Entscheidungswert sei eine Punktgröße. Es lassen sich realistischerweise nur Bereiche angeben, in denen der Entscheidungswert voraussichtlich liegen wird – methodenbedingt wie prognosebedingt. Auch deshalb gibt es „den“ Unternehmenswert einer Unternehmung nicht.

 
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