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2.3 Usability der Benutzeroberfläche

Was nützt die bekannteste Webseite, wenn sie langsam, unverständlich und unbenutzbar ist? Benutzerfreundlichkeit ist hier nicht nur ein Gebot der Freundlichkeit gegenüber dem gelegentlichen Besucher einer Webseite, sondern im Konkurrenzumfeld ein wesentlicher Überlebensfaktor. Usability – auch Gebrauchstauglichkeit genannt – beschreibt hierbei eine ansprechend gestaltete Bedienung, die ohne große Hindernisse Webinhalte leicht zugänglich macht. Dabei werden weder tiefere EDVnoch sonstige Kenntnisse vorausgesetzt.

Der Schwerpunkt für den Entwurf von Benutzeroberflächen liegt neben der notwendigen Programmierung in der visuellen Gestaltung. Die Durchschaubarkeit der Funktionen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die tatsächliche Benutzung eines Produktes. Die Benutzeroberfläche soll durch ihren ästhetischen Reiz- und Spielwert zum Anwenden animieren, wobei sie möglichst selbsterklärend und daher schnell erlernbar zu sein hat.

Zu Usability bestehen verschiedene Zugänge. Umschreibungen erklären sie als einen Teilbereich der praktischen Akzeptanz eines Systems, der dafür verantwortlich ist, wie gut Benutzer seine Funktionalität einsetzen können. Jakob Nielsen definiert sie über die Eigenschaften der schnellen Erlernbarkeit, der Effizient, der Merkbarkeit, einer niedrigen Fehlerrate und vor allem einer subjektiven Anwenderzufriedenheit mit der Systembenutzung.

Durch Unterstützung multipler Interaktionsstile kann ein User Interface gleichzeitig Benutzer mit unterschiedlichen Lernkurven ansprechen. Dabei hilft das Bereitstellen von „Accelerators“. Sie sind Programmzeitverkürzer, die es erfahrenen Benutzern erlauben, häufig durchgeführte Tätigkeiten zu beschleunigen. Ein Beispiel findet sich auf E-Commerce-Seiten in Quick Order Forms, also Schirmen, die den Bestellprozess dadurch verkürzen, dass sie die Kenntnis der Artikelnummer voraussetzen. Daneben bleibt die langsamere Bestellmöglichkeit mittels Produktauswahl im Online-Produktkatalog bestehen, derer sich weniger erfahrene oder weniger entschlossene Benutzer bedienen werden.

Eine vorrangige Regel zum Design des User Interfaces besteht darin, dem Benutzer zu jeder Zeit „Visibility“ des System-Status zu gewähren. Bei einem Workflow hat jederzeit ersichtlich zu sein, an welchem Punkt man sich befindet. Optische Rückmeldungen über den aktuellen Standort erleichtern das Zurechtfinden auf einer Webseite. Das kann durch entsprechende Kennzeichnung einer Rubrik mittels Überschrift, Farbe oder einem Icon erreicht werden. Der Benutzer soll in jeder Situation Herr der Lage sein. Im Falle der ungewollten Anwahl einer Systemfunktion ist ein Notausgang vorzusehen.

„Findability“ stellt einen kritischen Erfolgsfaktor für die gesamte Usability einer Webseite dar. Wenn Besucher nicht finden, wonach sie auf einer Seite suchen, dann fällt der Webauftritt bei ihnen durch. Die Informationsarchitektur muss daher die Ziele der Organisation hinter dem Webauftritt mit den Interessen der Besucher der Seite ausbalancieren.

Andererseits kann die Vernachlässigung von Benutzerfreundlichkeit etwa im E-Commerce-Bereich drastische Folgen haben. Produktkäufe brechen auch dann ein, wenn Kunden das gewünschte Produkt einfach nicht finden und damit nicht bestellen können. Usability-Probleme können verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören das Fehlen eines erklärten Zieles und einer dezidierten Zielgruppen-Ausrichtung ebenso wie Informations-Überlastung, Visueller Overload und Mängel in der Navigationsstruktur.

Entsprechendes Design ist ein erster Schritt zur Fehlervermeidung. Das Anfordern einer Bestätigung vor dem Ausführen von fehleranfälligen Optionen ist ein weiterer Schritt zur Reduktion von Ausnahmesituationen. Kommt es dennoch zu Fehlern, sind dem Benutzer sprechende, präzise Fehlermeldungen anzuzeigen. Zusätzlich sollen etwa bei Online-Formularen die fehlerhaft ausgefüllten Felder farblich gekennzeichnet werden. Ganzseitige Fehlermeldungen sind unter allen Umständen zu vermeiden, da sie Benutzer abschrecken. Weiterführende Hilfe und Dokumentation soll auf der Webseite leicht auffindbar sein.

Das Rückgrat jedes Online-Auftritts bildet die eingesetzte Technologie. Mit ihr funktioniert, steht und fällt eine Webseite.

 
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