< Zurück   INHALT   Weiter >

6 Herausforderung an das Design globaler Webseiten

Interkulturelle Kommunikation hat auf lokale Unterschiede in Bezug auf die Bedeutung von Inhalten Rücksicht zu nehmen. Das gilt auch für den Aufbau einer globalen Webpräsenz, wo Missverständnisse aufgrund von sprachlicher Ausdrucksweise aber auch grafischer Gestaltung und Abbildungen vorweg reduziert werden können, wenn Grundzüge der lokalen Kommunikations-Etikette bekannt sind und tiefgreifendes Verständnis für derartige Unterschiede vorhanden ist. Interkulturelle Kompetenz beschreibt dabei die Fähigkeit, effektiv und adäquat mit Vertretern anderer Kulturkreise zu kommunizieren. Sie beinhaltet den erfolgreichen Einsatz von Kommunikationskompetenzen im Zusammenhang mit Motivation, Wissen, Fertigkeit, Feinfühligkeit und Charakter. Denn nur allzu leicht kann aus Unwissenheit eine ablehnende emotionale Reaktion hervorgerufen werden, die aus Gefühlen der Verlegenheit und Beklemmung entsteht.

Interkulturelles Design berücksichtigt eine nutzer- und kulturorientierte Gestaltung von interaktiven Systemen und Produkten. Ein internationales Designprodukt berücksichtigt die verschiedenen kulturellen Nutzerbedürfnisse in Form eines internationalen Designansatzes mit Freiräumen für Lokalisierung.

6.1 Inhaltliches Design im internationalen Umfeld

Internationalisierung beschreibt den Prozess einer Generalisierung eines Produktes, sodass es mehrere Sprachen und kulturelle Konventionen bewältigen kann, ohne dass ein Re-Design erforderlich ist. Internationalisierung ist eine Grundvoraussetzung für das Erstellen globaler Webseiten, denn sie beschreibt vorbereitende Maßnahmen, um die Lokalisierung eines Web-Auftrittes zu erleichtern, zu beschleunigen, qualitativ zu steigern und kostenmäßig zu begünstigen. Sie berücksichtigt zusätzlichen Platz für die Übersetzung von Inhalten in Sprachen, die in längeren Texten resultieren. Sie schließt das Erstellen von Illustrationen ein, in welchen Texte leicht ausgetauscht werden können. Sie trennt Content von Aufmachung und sie identifiziert vor allem kulturspezifische Elemente.

„Contexting“ beschreibt die Fähigkeit, fehlende Information aus dem Zusammenhang eines größeren Ganzen zu ergänzen. High-Context-Kommunikation ist ökonomisch, schnell und effizient. Sie kann sich auf ein Mindestmaß beschränken, weil sie auf vorprogrammierte Inhalte zurückgreift, die sich aus dem Zusammenhang ergeben. Wesentliche kulturelle Unterschiede bestehen in der Kommunikation sogenannter High-Context- und Low-Context-Kulturen. In High-ContextKulturen breitet sich Information frei und schnell aus. Beispiele dafür finden sich in Ländern des mediterranen, asiatischen und arabischen Raumes. Ihre Bewohner können typischerweise auf ein umfangreiches Netzwerk an Familien-, Freundes-, Kollegen- und Kundenbeziehungen zurückgreifen. Aufgrund ihrer persönlichen Nähe benötigen ihre alltäglichen Erledigungen wenig Hintergrundinformation. Denn in High-Context Ländern wie Frankreich oder Japan fließt Information recht frei von allen Seiten. Im Gegensatz dazu fließt in Low-Context-Ländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland, der Schweiz, Skandinavien und anderen nordeuropäischen Staaten Information sehr gezielt und kontrolliert. Was Low-ContextVölker wie Anglo-Amerikaner und Deutsche gemeinsam haben, ist, dass sie sich mehr gegenüber ihren Mitmenschen verschließen. Konsequenterweise benötigt ihre Kommunikation, wenn sie passiert, mehr Informationsgehalt.

Die unterschiedlichen Kommunikationsstile bereiten globalen Webseiten Herausforderungen, da im Zuge einer Lokalisierung eine Änderung des Stils von einer Low-Contextauf eine High-Context-Kultur oder umgekehrt erwartet wird. Personen aus High-Context-Kulturen erwarten von einem Gesprächspartner, zu erkennen, was sie meinen, ohne dass sie spezifisch werden müssen. Sie geben gerne indirekte Hinweise, da ein direktes Ansprechen einem Affront gegenüber dem Gesprächspartner gleichkommen könnte. In einer High-Context-Kultur wird ein hohes Maß an Verständnis ungeschriebener Regeln vorausgesetzt. Viele Botschaften sind nur angedeutet und haben eine stillschweigend akzeptierte kulturelle Bedeutung, die sich aus dem bestehenden Deutungszusammenhang ergibt. Für Fremde ist daher das Tappen in kulturelle Fettnäpfchen vorprogrammiert. High-ContextMenschen werden dann ungeduldig und sind irritiert, wenn Low-Context-Personen ihnen Information mitteilen, die sie nicht benötigen. Umgekehrt fühlen sich Low-Context-Personen dann verloren, wenn ihnen High-Context-Gesprächspartner nicht genug Information zur Verfügung stellen.

Webseiten in High-Context-Kulturen beinhalten tendenziell auffälligere, animierte Effekte. Andererseits sind Webseiten in Low-Context-Kulturen eher statisch mit nur subtilen Effekten. Dabei lässt sich eine Analogie herstellen zu einer Neigung zu nonverbaler Ausdrucksweise in High-Context-Kulturen, wobei die Bildschirmanimation eine alternative Kommunikationsform zu rein textlichen Inhalten darstellt. Die Lebhaftigkeit einer Webseite in einer High-Kontext Kultur wird oft von Hintergrundmusik oder Sound Effekten und durch die Verwendung von Pop-Up-Fenstern komplettiert.

Interessant sein kann man vor allem durch das Bereitstellen von für eine Zielgruppe relevanten und interessanten Inhalten. Unter den dafür nötigen Content fallen etwa die Homepage, eine Servicepage und ein Blog. Dazu gehören wertvolle Informationen zur „Lead Generation“ bzw. Interessenten-Beschaffung wie White Papers, Webinars oder kostenlos bereitgestellte eBooks. Schließlich fällt auch der Off-Site-Content darunter, also ergänzende Inhalte, die außerhalb der eigenen Webseite zur Verfügung gestellt werden, wie Statusänderungen auf Facebook und Kurznachrichten auf Twitter. Embedded Links verweisen zusätzlich auf korrespondierende multimediale Inhalte, etwa auf ein Video auf YouTube, eine Slideshow auf Flickr oder eine Präsentation auf SlideShare.

Neben dem inhaltlichen hat auch das gestalterische Design von Weboberflächen ihren internationalen Ansprüchen gerecht zu werden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >