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6.3 Sprachgestaltung und sprachliche Lokalisierung

Um einen international erfolgreichen Webauftritt zu schaffen, reicht es nicht, sich auf einen „one size fits all“-Zugang zu beschränken. Um vermehrt Kunden anzuziehen und beizubehalten, ist eine zusätzliche Lokalisierung der Webseite unabdingbar. Dabei geht es nicht alleine um die Übersetzung in eine bestimmte Sprache sondern auch um das Berücksichtigen lokaler Konventionen. Augenscheinliche Unterschiede beginnen mit unterschiedlichen Maßeinheiten, Keyboard-Konfigurationen, Standard-Papierformaten, Zeichensätzen und Schreibweisen von Datums-, Zeit-, Adress-, Zahlen- und Währungsangaben. Scherze, Symbole, Icons, Grafiken und sogar Farben können in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen und auch negativen Reaktionen führen. Dasselbe gilt für den Ton der sprachlichen Formulierung, weshalb Texte besser neu geschrieben anstatt rein übersetzt werden sollen.

Die „Localization Industry Standards Association“ definiert Lokalisierung als die linguistische und kulturelle Anpassung eines Produkts entsprechend der Zielumgebung, wo es verwendet und verkauft wird. Globale Unterschiede in der Weltsicht spiegeln wider, dass sich Kulturen nicht nur in ihren Gebräuchen und Vorstellungen unterscheiden, sondern auch in ihren Moralvorstellungen. Vorsicht ist besonders in der Anwendung von Humor geboten, der beispielsweise in den USA als cleverer Einstieg zu einem Thema verstanden wird. Denn Humor reist nicht gut durch verschiedene Kulturen. In anderen Regionen gilt das Teilen von Humor oder von persönlicher Information wiederum als unprofessionell oder aufgrund des eigenen Status in der Organisationshierarchie als unpassend.

Bei Lokalisierung wird der Einfluss der fünf Kulturdimensionen nach Geert Hofstede augenscheinlich. Sie beschreiben Faktoren wie Machtdistanz, Individualismus, Vorstellung von Maskulinität und Femininität, Verhalten zur Vermeidung von Unsicherheit und Langzeit-Orientierung, einschließlich Auswirkungen der konfuzianischen Wiedergeburtslehre. Diese Faktoren stellen Rahmenbedingungen dar, welche bei lokaler Kommunikation unbedingt zu beachten sind.

Bei einer Webseite ist grundsätzlich zwischen lokalen und lokalisierten Inhalten zu unterschieden. Lokaler Content wird spezifisch für einen bestimmten Markt entwickelt. Lokalisierter Content wird zentral erstellt und danach für den entsprechenden Markt übersetzt und angepasst. Icons in Form von Flaggen werden gerne zur Sprachauswahl in Ländern mit mehr als einer offiziellen Sprache verwendet. Übersetzer haben zumeist mit Platzeinschränkungen zu kämpfen. Übersetzungen in andere europäischen Sprachen sind bis zu 30 % länger als englische Texte. Daher müssen Dialogboxen erweiterbar sein, um übersetzte Begriffe vollständig anzeigen zu können. Oft werden verkürzte Übersetzungen und Abkürzungen zu Hilfe genommen. Bei der Entscheidung, in welchen Sprachen eine globale Webseite angeboten wird, richtet sich der Blick zuallererst auf die im Internet am meisten verbreiteten Sprachen.

Die zehn führenden Sprachen unter den Internet-Benutzer waren im Juni 2010 Englisch, Chinesisch (Mandarin), Spanisch, Japanisch, Portugiesisch, Deutsch, Arabisch, Französisch, Russisch und Koreanisch. Im Jahr 2012 konnten 72 % der Internet-Benutzer mit den zehn meistverbreiteten Sprachen erreicht werden. Mit zunehmender Anzahl der Internet-Benutzer sinkt dieser Prozentsatz jedes Jahr. Von führenden globalen Webseiten werden mittlerweile im Schnitt 32 verschiedene Sprachen angeboten. Durch Übersetzung in die am meisten verbreiteten Sprachen wird eine Nutzenmaximierung angestrebt, indem Sprachbarrieren zu einem möglichst großen Zielpublikum abgebaut werden. Die Sprache der Webseite beeinflusst gleichermaßen deren Verlinkung. Links werden vorrangig zu in derselben Sprache abgefassten Webseiten gesetzt.

Die Sprachwahl einer globalen Webseite soll jedoch ebenso berücksichtigen, dass viele ihrer Besucher auch eine andere Sprache als Muttersprache haben können. Die Textierung soll daher weniger in grammatischen Feinheiten brillieren als versuchen, Inhalte einfach und abwechslungsreich zu vermitteln, durch gezielte Wortwahl unter Zuhilfenahme von wiederkehrenden Schlüsselbegriffen und die Vermischung mit multimedialen Elementen aus der Web 2.0-Welt.

Neben inhaltlichen, gestalterischen und linguistischen Design-Aspekten gibt es eine weitere interkulturelle Variable, welche die Einsatzfähigkeit einer Webseite ausmacht. Es handelt sich um unterschiedliche technische Herausforderungen.

 
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