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Kapitel 5 Prävention und Intervention

„Ich trete nicht als Opfer auf, ich verlange nichts, stelle keine Ansprüche als Opfer, werbe allerdings um ein besonderes Verständnis ... Ich erwarte allerdings, dass die Täterseite – und ich meine damit nicht jeden Nichtjuden – weiß, was im Namen Deutschlands geschehen ist, und das nicht vergisst. Dann fällt es den Opfern und deren Nachkommen leichter, selbst zu vergessen“

(Ignatz Bubis, „Ich bin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, 1993, S. 113).

Rechtsextremismus und pauschalisierende Ablehnungen

Grundlagen und Möglichkeiten der Prävention

Kurt Möller

Wie die oben stehenden Beiträge deutlich machen, ist das RechtsextremismusProblem in Deutschland von einer Hartnäckigkeit und zugleich Wandlungsfähigkeit, die seine dauerhafte und stets neu zu überdenkende Bearbeitung erforderlich machen. Denken wir an die großen Bundesprogramme wie aktuell „Demokratie leben!“ oder auch seine Vorläufer bis hin zum ersten dieser Programme, dem von der damaligen Jugendministerin Angela Merkel verantworteten „Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt“ (AgAG; 1992-1996), berücksichtigen wir ferner die Existenz einer Reihe von entsprechenden Programmen in den Bundesländern und stellen wir zudem auch einzelne Initiativen in den Kommunen u. a.m. in Rechnung, so kann nicht behauptet werden, dass „gegen Rechts“ nichts getan würde. Ähnliches gilt bereits seit einigen Jahren für die Beschäftigung mit Phänomenen von Pauschalablehnungen wie sie populär im Begriff der ‚Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit' zusammengefasst werden. Gleichwohl stellt sich die Frage: Warum gelingen Problemlösungen so unzureichend? Sind vorhandene Ansätze womöglich falsch ausgerichtet und müssten deshalb umgesteuert werden? Der nachfolgende Beitrag fahndet nach Antworten, indem er eine dritte Frage stellt und zu beantworten sucht: Basieren die gängigen Bearbeitungsweisen eigentlich genügend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen – und dabei speziell auf solchen, die über Gründe und Verläufe der Hinwendung von Individuen und Gruppen zu rechtsextremen Haltungen aufklären? Dazu zeichnet er zunächst Grundzüge des biografischen Aufbaus rechtsextremer Haltungen und pauschalisierender Ablehnungen nach, bevor er knapp Schlussfolgerungen für grundlegende Orientierungen skizziert, die für nachhaltig wirksame Bearbeitungen aussichtsreich erscheinen.

 
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