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5.5.6 Komparative Analyse

Die komparative Analyse ist ein konstitutives Merkmal der dokumentarischen Methode (vgl. Bohnsack 2003: 563f ; Vogd 2004: 29; Nohl 2007: 256; Liebold 2009: 41). Sie geht davon aus, dass Themen von Befragten stets auf eine bestimmte Weise gerahmt werden. Unter Rückgriff auf atheoretisches Wissen kommt „immer wieder derselbe Orientierungsgehalt zum Ausdruck“ (Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010: 292). Die Rekonstruktion der Regelhaftigkeit, die diese Äußerungen anleitet, gibt Aufschluss über Orientierungs- und Deutungsmuster, auf die Befragte zur Plausibilisierung von Erzählungen, Begründungen und Stellungnahmen zurückgreifen. Diese Muster werden hier in einer vergleichenden Analyse rekonstruiert. Dabei werden die Sequenzen zunächst innerhalb des Einzelinterviews und dann darüber hinaus im Fallvergleich in Bezug auf zwei Perspektiven in den Blick genommen (vgl. Nohl 2009: 55-58):

1. Themensetzungen und Vergleichshorizonte

In der ersten Perspektive wird ein Fallvergleich auf der Grundlage der formulierenden und reflektierenden Interpretation durchgeführt. Orientiert an den Forschungsfragen werden dazu die Themen, die von den Befragten angesprochen werden, in einer fallvergleichenden Themensetzungsanalyse zusammengestellt. Gemeinsame Themen werden fallübergreifend identifiziert und in ihrem immanenten Sinngehalt dargestellt (im Sinne der formulierenden Interpretation). Bestandteil der Beschreibung ist auch die Darstellung der Vergleichshorizonte, in denen diese Themen von den Befragten verortet wurden (im Sinne der reflektierenden Interpretation). Dabei interessieren sowohl Ähnlichkeiten (homologe Äußerungen) wie auch Unterschiede (heterologe Äußerungen) im Vergleich (vgl. Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010: 285). Das Ergebnis dieses Interpretationsschrittes ist die Übersicht über die Verteilung von Themen im Material.

2. Deutungs- und Orientierungsmuster

Die zweite Perspektive fokussiert Muster, die hinter der Struktur homologer und heterologer Äußerungen erscheinen und sich als abstrahierter Rahmen zeigen. Die Erörterung der Ergebnisse orientiert sich am Vorgehen der dokumentarischen Methode und arbeitet zunächst das Thema heraus, in dem Zitate unter Bezugnahme auf die Kontextualisierung des immanenten Sinns benannt werden (Identifizierung). Danach werden weitere Textstellen im Interview quellenbezogen erörtert, die im Sinne der Methode als Fortsetzung und schließlich Ratifizierung des Themas erkannt wurden.

Durch diese Analyseschritte werden Muster zunächst fallimmanent identifiziert und in der fallvergleichenden Perspektive im Gesamtmaterial auf typische Ähnlichkeiten und Unterschiede hin befragt. Eine mindestens dreimalige Wiederholung ähnlicher Themenrahmung, die mit unterschiedlichen Textsorten dargestellt wird (Elaborationen, Differenzierungen, Begründungen und Stellungnahmen) ist ein Hinweis auf den dokumentarischen Sinn (vgl. Nohl 2009: 50ff; und Przyborski und WohlrabSahr 2010: 282-285) [1].

„Man ist dem Dokumentensinn auf der Spur, wenn er sich in strukturidentischer,

d.h. homologer Weise, in unterschiedlichen Sequenzen bzw. auf unterschiedlichen Ebenen der Gestaltung wiederholt“ (Przyborski und Wohlrab-Sahr 2010: 285)

Mit der Beschreibung der komparativen Analyse ist die methodologisch begründete Forschungspraxis der vorliegenden Arbeit abgeschlossen. Der folgende Abschnitt reflektiert abschließend die Frage der Generalisierung der Ergebnisse der vorliegenden Studie.

5.5.7 Generalisierung

Die Frage, inwieweit auf der Grundlage von Ergebnissen qualitativer Studien generalisierbare Aussagen möglich sind bezeichnet Bohnsack als offen und ungelöst (vgl. Bohnsack 2003: 567). Mithilfe der dokumentarischen Methode werden Orientierungs- und Deutungsmuster sowie Handlungsorientierungen rekonstruiert, die für einen bestimmten Handlungskontext typisch sind. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind in diesem Sinne typische Orientierungen in dem soziohistorischen Umfeld, das im qualitativen Sampling der Studie vorgestellt wurde: Unternehmen, die eine Affinität zu einer werteorientierten Compliance aufweisen und Ressourcen zu ihrer Umsetzung zur Verfügung stellen. Diese Ergebnisse sind nicht im repräsentativen Sinne auf andere Unternehmen übertragbar. Durch die Analyse von Deutungsmustern und Handlungsorientierungen werden jedoch Erkenntnisse über universelle Sinnstrukturen und Ordnungsprinzipien in den untersuchten Unternehmen gewonnen. Diese Prinzipien sind auch auf andere Kontexte übertragbar und können damit einen Beitrag zu den eingangs formulierten Forschungsdesideraten leisten.

Zum Abschluss der Begründung und Darstellung des methodischen Vorgehens wird nun folgend eine Reflexion zu Gütekriterien empirisch-qualitativer Forschung vorgenommen, die die vorliegende Analyse angeleitet haben.

  • [1] Forschungspraktisch wird die erste Äußerung im Interview als Identifikation des Themas aufgefasst, die zweite Nennung als Fortsetzung und die dritte als Ratifizierung des Rahmens.
 
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