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2.2 Kontaktherstellung mit Klient/innen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie Sozialarbeiter/innen mit ihren Klient/innen in Kontakt treten. Die häufigste Art der Kontaktaufnahme geschieht aufgrund von Gefährdungsmeldung durch andere Personen. Diese Meldungen können durch Privatpersonen offiziell als auch anonym erfolgen. Es besteht jedoch eine gesetzliche verankerte „Mitteilungspflicht“ für bestimmte Berufsgruppen und Personen. Diese gilt zum Beispiel für Mitarbeiter/innen von Schulen, Kindergärten, Horten und sonstigen Einrichtungen welche Minderjährige beaufsichtigen, betreuen oder unterrichten. Aber auch mit der öffentlichen Aufsicht betraute Personen oder Behörden sind verpflichtet eine Meldung bei der Jugendwohlfahrt zu machen, wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind in seinem Wohle gefährdet ist. Ebenso Ärzte/innen oder andere im medizinischem Bereich tätige Menschen, sind zur Erstattung einer Meldung verpflichtet und somit von ihrer beruflichen Schweigepflicht befreit, wenn der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung besteht und diese dadurch künftig verhindert werden kann. 31

Kommt es zu einer Meldung über den Verdacht einer Kindeswohlgefährdung, ist diese in jedem Fall durch Sozialarbeiter/innen der Jugendwohlfahrt zu überprüfen.32 Es muss dabei abgewogen werden wie dringend eine Überprüfung notwendig scheint. Somit entsteht ein Erstkontakt mit einer Familie. In weiterer Folge wird entschieden ob und welche Handlungsschritte geplant und durchgeführt werden müssen.

Es werden auch alle polizeilichen Anzeigen sowie Wegweisungen oder Streitschlichtungen durch die Polizei an die Jugendwohlfahrt weitergeleitet, wenn davon auch Minderjährige unmittelbar betroffen sind. Diese gelten ebenfalls als Gefährdungsmeldungen wodurch eine Abklärung der Situation notwendig wird.

In seltenen Fällen wenden sich Familien oder einzelne Personen, mit unter auch Jugendliche, selbständig an die Jugendwohlfahrt und erbitten Hilfe.

2.3 Situationserhebung und weitere Vorgehensweise

Unter der Situationserhebung versteht man das Einschätzen der Situation durch die Sozialarbeiter/innen der Jugendwohlfahrt. Dafür wird im Vorfeld versucht, von Melder/innen wichtige Informationen zu erhalten. Zum Beispiel wie oft ein kindeswohlgefährdender Zustand beobachtet werden konnte, was genau passiert ist, ob diese Aussagen auf eigene Beobachtungen beruhen und so weiter. Diese Punkte sind auch auf der formalen Vorlage einer Gefährdungsmeldung festgehalten.

Meist erfolgt eine Gefährdungsabklärung in Form eines Hausbesuches, je nach Inhalt der Meldung unangekündigt oder nach Terminvereinbarung. Manchmal reicht es auch aus, die betroffenen Personen zu einem Gespräch in die Verwaltungsbehörde zu bitten. Die Betroffenen werden über die Meldung informiert und dazu befragt. Erfolgte diese anonym, werden keine Namen oder Daten über den/die Melder/in genannt. Es werden Eindrücke gesammelt und Informationen eingeholt (mitunter auch von Schule / Kindergarten / andere Betreuungsbzw. Bezugspersonen), auf deren Grundlage eine Einschätzung getroffen werden muss, in wie weit eine Kindeswohlgefährdung vorliegt.

Aufgrund dieser Einschätzung muss dann in weiterer Folge entschieden werden, ob und wie der Familie geholfen werden kann beziehungsweise muss. Erweist sich eine Meldung als falsch oder kann zumindest keine Gefährdung festgestellt werden, wird der Familie dennoch angeboten sich bei Bedarf zu melden. Erkennen die Sozialarbeiter/innen jedoch einen Handlungsbedarf, wird überlegt, welche Maßnahme der Familie und der zugrunde liegenden Sachlage entspricht, am gelindesten ist und einer Verbesserung der Situation dient. Dazu bedarf es häufig mehrerer Kontakte um die Familie besser kennen zu lernen. Bei „Gefahr in Verzug“ kann es zu einem Kriseneinsatz mit sofortigem Handlungsbedarf kommen. Dieser Begriff stellt einen wesentlichen Aspekt im Rahmen der vollen Erziehung dar und wird daher in Punkt 3 genauer erläutert.

Im Folgenden wird näher auf den Begriff der Kindeswohlgefährdung eingegangen, um ein Verständnis dafür zu bekommen, nach welchen Aspekten Jugendwohlfahrtssozialarbeiter/innen ihre Vorgehensweise und Methoden wählen.

 
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