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2.3.2 Möglichkeiten der Jugendwohlfahrt

Wird im Rahmen der Gefährdungsabklärung ein weiterer Handlungsbedarf für die Jugendwohlfahrt erkannt, muss erörtert werden, welche Hilfemaßnahme im individuellen Fall eingesetzt werden soll. Dabei kann die Jugendwohlfahrt auf mehrere Möglichkeiten zurückgreifen. Zum Einen können Angebote sozialer Dienste in Anspruch genommen werden, ohne diesen einen Auftrag zu erteilen. Dies stellt die überhaupt gelindeste Maßnahme dar. Betroffene Personen werden hierbei an verschiedene Beratungsstellen weitervermittelt, mit der Absicht, dass ihnen dort zum Beispiel bei Erziehungsfragen, Meinungsverschiedenheiten zwischen Minderjährigen und Eltern, Familienproblemen und anderen Schwierigkeiten, geholfen wird. Das Aufsuchen dieser Beratungsstellen ist dabei eine freiwillige Angelegenheit und wird nur selten auferlegt, was jedoch auch möglich wäre.

Die sozialen Dienste in Tirol sind im 2. Abschnitt des Tiroler Jugendwohlfahrtsgesetzes unter den Paragraphen neun, zehn und elf gesetzlich verankert und geregelt. Sie sollen Bedürfnisse von werdenden Eltern, Minderjährigen und deren Erziehungsberechtigten decken und die Entwicklung von Minderjährigen fördern. Soziale Dienste sollen für alle zugänglich und erreichbar und in jedem politischen Bezirk nach Bedarf vorhanden sein. Diese Art der Unterstützung von Familien ist grundsätzlich kostenlos, sind jedoch Kosten zu verrichten – Richtlinien dafür sind von der Landesregierung zu bestimmen sind die individuellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Betroffenen zu berücksichtigen.37

Reicht diese Art der Hilfe nicht aus um die Situation in der Familie zu verbessern, kommen die vorher beschriebenen Hilfen zur Erziehung zum Tragen. Dabei wird als erster Schritt versucht durch Unterstützung der Erziehung eine positive Veränderung der Familiensituation zu bewirken. Dies kann dadurch geschehen, dass betroffene Personen dazu angehalten werden, soziale Dienste in Anspruch zu nehmen, diese aufzusuchen und eventuell auch Bestätigungen darüber bei der Jugendwohlfahrt abzugeben. So kann beispielsweise ein gewaltbereiter, impulsiver Kindesvater die Auflage bekommen, regelmäßig mit einer Männerberatungsstelle Kontakt aufzunehmen und Gesprächstermine wahrzunehmen. Als Beleg dafür bringt er der Jugendwohlfahrt Bestätigungen über die Termine und zeigt somit seine Kooperation das Kindeswohl zu gewährleisten und eine positive Entwicklung der Situation zu erreichen.

Als nächsten Schritt gibt es die Möglichkeit, soziale Dienste oder andere dafür konzipierte Vereine und Einrichtungen ambulant einzusetzen. Die zuständigen Mitarbeiter/innen dieser Institutionen werden durch die Jugendwohlfahrt mit der Familiengeschichte betraut, erhalten einen Auftrag mit klaren Zielsetzungen und arbeiten aktiv mit den Familienmitgliedern bei diesen zuhause zusammen. Dabei vereinbart der/die zuständige Sozialarbeiter/in mit den Kindeseltern wie viele Stunden sich der/die Betreuer/in in der Familie aufhält, welche Ziele zu erreichen sind und auf welchem Weg. Außerdem muss im Vorfeld abgewogen werden, welcher Verein passend für die jeweilige Familie und Situation scheint, da diese meist unterschiedliche Schwerpunkte und Betreuungsinhalte haben.

So gibt es Einrichtungen welche sich die Förderung der Kinder zur Hauptaufgabe gemacht haben, andere werden eingesetzt wenn die Alltagsstruktur rund um Organisation von Haushalt und Versorgung der Kinder nicht funktioniert. Es gibt auch die Möglichkeit Einzelbetreuer/innen zu engagieren. Dies sind Personen mit spezieller Ausbildung/Erfahrung, welche sich meist eigens mit den Minderjährigen treffen um aktuelle Probleme zu besprechen, den Minderjährigen alternative Handlungsmöglichkeiten bei Schwierigkeiten im Verhalten oder im Umgang mit anderen Menschen aufzeigen und diese ein Stück weit in ihrer Entwicklung begleiten und fördern, wenn Erziehungsberechtigte alleine dazu nicht (mehr) in der Lage sind.38

Führen all diese Möglichkeiten nicht zu einer Verbesserung der Situation, bleibt meist nur noch der Schritt zur vollen Erziehung. Diese wird ausführlich in Punkt drei dieser Masterarbeit erörtert.

2.3.3 Entscheidung für Interventionen

Aufgrund der Komplexität der Situationen, ist eine Problemursache selten klar definierbar. Daher bedarf es ein mehrfaches Durch- und Überdenken der Sachlage, Gespräche mit Kolleg/innen und/oder Vorgesetzten, Vernetzung mit den entsprechenden Einrichtungen und vor allem ständige Rücksprache mit der Familie, um zu erörtern welcher soziale Dienst, welche Einrichtung, welcher Verein oder auch welche Person zur Einzelbetreuung optimal ist. Nachdem eine Entscheidung getroffen und ein Auftrag erteilt wurde, kann es in manchen Fällen dazu kommen, dass die Maßnahme nach einiger Zeit neu konzipiert oder auch intensiviert werden muss, wenn angestrebte Ziele nicht erreicht werden können. Auch kann es in Absprache mit den Beteiligten zu einer Neuformulierung der Ziele kommen.39

 
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