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5.2.1 Qualitatives Verfahren

Flick beschreibt zwei verschiedene Vorgehensweisen in der qualitativen Forschung. Er

unterscheidet das „lineare“ vom „zirkulären Modell“.153

Das lineare Modell ist gekennzeichnet durch eine klare Aufeinanderfolge von Forschungsschritten, wobei eine explizite Auseinandersetzung mit grundlegender Theorie den Anfang bildet. Darauf aufbauend werden Hypothesen gebildet, welche durch die empirische Studie überprüft werden sollen.

Die Entscheidung für eine qualitative oder eine quantitative Forschung fällt im nächsten Schritt, welchen Flick „Operationalisierung“ nennt. Bei der „Stichprobenziehung“ wird definiert wer oder was Gegenstand der Forschung ist (Interviewpartner/innen, Proband/innen, Dokumente, etc.). Es folgt die „Datenerhebung“ mittels ausgewählter Technik und schließlich die „Datenanalyse“ mit abschließender „Überprüfung“ der vorher bestimmten Hypothesen.154

Beim zirkulären Modell hingegen ist im Vorfeld zwar ebenso die Befassung mit der Theorie notwendig, jedoch werden daraus gewonnene Annahmen bei der Forschung eher in den Hintergrund gestellt, da der Schwerpunkt auf neuen Einsichten und Informationen liegt. Diese bisher unbekannten Aspekte werden ebenfalls aufbauend auf den Schritten Operationalisierung, Stichprobenziehung, Datenerhebung und –analyse erörtert. Anschließend kommt es im Rahmen der Forschung zu einem Vergleich dieser eingeholten empirischen Daten, wodurch die Bildung sowie die Reformulierung und Änderung vorheriger Theorien und Annahmen möglich wird.155

Ziel dieser Masterarbeit ist es, bisher unbekannte Erfahrungswerte von ehemals fremd untergebrachten Personen zu erörtern und somit zu neuen Erkenntnissen bezüglich der Maßnahme einer Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt zu gelangen. Dabei werden keine vorher definierten Hypothesen überprüft, sondern auf Basis der eingeholten Informationen weitere Theorien und Annahmen gebildet. Somit richtet sich das qualitative Verfahren dieser Masterarbeit nach dem zirkulären Modell.

5.2.2 Forschungsaufbau

Anschließend an die Formulierung der Forschungsfrage, die „genaue Eingrenzung der Problemstellung“ und die theoretische Auseinandersetzung, folgen erste Ideen hinsichtlich der zu verwendenden Methode um die empirische Untersuchung durchzuführen.156

Bereits bei der Konkretisierung der Vorstellung für diese Masterarbeit, kam es zur Überlegung, den Forschungsteil mittels Interviews von ehemals fremd untergebrachten Kindern durchzuführen.

Für die konkrete Auswahl der Interviewform findet man in Helfferichs Ausführungen eine umfassende Liste verschiedener „Interviewvarianten“, wobei sie selbst betont, dass diese in der Literatur oft nicht einheitlich bezeichnet oder beschrieben werden.157

Für diese Masterarbeit fiel die Entscheidung auf Leitfadeninterviews, welche laut Helfferich „maximale Offenheit“ sicherstellen, um „Formen des Alltagswissen zu rekonstruieren“ und gleichzeitig dem/der Interviewführenden ermöglichen, das Interview in eine bestimmte Richtung zu lenken und so den „offenen Erzählraum“ hinsichtlich des vorliegenden Forschungsinteresses zu strukturieren. Besonders hilfreich ist der Leitfaden demnach, wenn zum Beispiel „bestimmte private Aspekte der Biografie“ erfragt werden, der/die Interviewpartner/in aber ohne Hinweise nicht ausschließlich oder ausreichend diese Aspekte in seiner Erzählung behandelt. 158

Demzufolge soll durch das Leitfadeninterview den Interviewpartner/innen gestattet werden, Teile ihrer Geschichte offen zu erzählen und trotzdem erhält das Interview durch den Leitfaden die nötige Struktur, um Antworten auf die vorliegende Forschungsfrage sowie auf die Unterfragen zu erhalten. Aufgrund des emotionalen Bezugs der Interviewten zum Thema, erschien es wichtig, dass die Interviewpartner/innen die Möglichkeit bekommen ihre persönliche Ansicht über die durchgeführte Jugendwohlfahrtsmaßnahme darzulegen. Gleichzeitig sollte mit Hilfe des Leitfadens einem Stagnieren bei einem bestimmten Gesichtspunkt entgegengewirkt werden.

Beabsichtigt man eine genauere Definition der verwendeten Interviewform, lässt sie sich anhand der Beschreibungen Helfferichs als „problemzentriertes Interview“ bezeichnen.159

Dieses hat einen gesprächsführenden Charakter und richtet sich nach dem „Problem“, indem Fragen eines Leitfadens, dem Vorwissen entsprechend, zum jeweiligen Thema formuliert wurden. Es soll ein Dialog zwischen Interviewführenden/r und Interviewten/r entstehen, welcher sich am Leitfaden orientiert.160

Auch Mayring befasst sich in seinen Ausführungen mit dem problemzentrierten Interview. Er betont dabei ebenfalls den Gesprächscharakter dieser Interviewform, wodurch Interviewte in einer „offenen, halbstrukturierten Befragung“ die Möglichkeit erhalten, frei zu reden, wobei der Schwerpunkt jedoch eben auf einer „bestimmten Problemstellung“ liegt.161

Das problemzentrierte Interview kann laut Mayring für jene Forschungen angewendet werden, bei welchen eine theoretische Vertiefung des Themas im Vorfeld stattgefunden hat und daher keine „rein explorative“ Untersuchung geplant ist. Der Leitfaden führt außerdem zu einer „teilweisen Standardisierung“, wodurch ein Vergleich der Interviewergebnisse möglich wird.162

Da Mayer der Ansicht ist, dass auch betroffene Personen als Expert/innen charakterisiert werden müssen163, kann man die Interviews noch genauer als problemzentrierte Leitfadeninterviews mit Expert/innen oder auch Expert/innenleitfadeninterviews bezeichnen.

 
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