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6.2.3 Interview 3

Mit etwa neun Jahren kam der Betroffene von Interview 3 im Rahmen einer Fremdunterbringung in eine sozialpädagogische Einrichtung. Nachdem die Kindesmutter verstarb und die Großeltern aufgrund eigener Berufstätigkeit nicht in der Lage waren den Jungen bei sich zu behalten, wurde er durch die Jugendwohlfahrt Tirol fremd untergebracht. Nach einigen Einrichtungswechseln lebt er heute in einer Mietwohnung. Auch er hat bereits Sorgepflichten für ein vierjähriges Kind, welches er gemeinsam mit dem anderen Elternteil großzieht.

Der heute 21-Jährige kann auf Nachfragen wenig Positives über die Fremdunterbringung berichten, in seinen Erzählungen erwähnt er jedoch immer wieder Aspekte, welche er als „schön“ 208 erlebte.

„Ja und wenn ich da hin gehe… das ist so fein… da sehe ich die ganzen Pferde und alles… das ist einfach schön. Weil da bin ich auch lang gewesen. Das war eine schöne Zeit dort.“ 209

Dieses Gespräch umfasst eine Dauer von 43,09 Minuten und wurde in der Mietwohnung des Befragten durchgeführt. Obwohl das Kleinkind und der andere Elternteil während des Interviews nach Hause kamen und die Konversation daher kurz unterbrochen werden musste, konnte diese unmittelbar wieder fortgesetzt und in Ruhe zu Ende geführt werden.

6.2.4 Interview 4

Der 27-jährige Interviewpartner der vierten Befragung wurde ebenfalls durch eine Behörde eines anderen Bundeslandes in ein SOS-Kinderdorf in Tirol untergebracht. Als einziger Forschungsteilnehmer kam er gemeinsam mit seinen Geschwistern in eine Kinderdorffamilie.

Für ihn sind die Gründe der Fremdunterbringung eindeutig und nachvollziehbar, da sich die Kindesmutter laut eigenen Angaben wenig einsichtig und lernbereit zeigte. Die Jugendwohlfahrtsmaßnahme wurde als hilfreich und passend empfunden.

„Ja es war schon eine Hilfe. Es war gut. Es wäre ja auch nicht anders ge-

gangen. Also so wie es war hätte es ja nicht weiter gehen können.“ 210

In einen wiederum eigens organisierten Besprechungsraum an einem neutralen Ort, konnte über 45,11 Minuten ein störungsfreies Interview in angenehmem Gesprächsklima geführt werden.

6.2.5 Interview 5

Der letzte Gesprächspartner wurde durch die Jugendwohlfahrt Tirol, als er vier Monate alt war, zuerst mit Hilfe der Polizei in einem Heim und nach weiteren etwa drei bis vier Monaten in einer Pflegefamilie in Tirol untergebracht. Erinnerungen an den genauen Ablauf sind daher nicht vorhanden und die Situation kann nur aus Erzählungen wiedergegeben werden.

Dennoch beschreibt der heute 21-Jährige die Maßnahme als notwendig, da die „geisteskranke Mutter“211 nicht in der Lage gewesen wäre ein Kind groß zu ziehen. Der Kontakt zum/zur Sozialarbeiter/in wird als eng und angenehm geschildert.

“…hat es eben geheißen ich bin… einfach von der Mama weggekommen weil sie einfach geisteskrank ist […] sie muss halt ihre Tabletten nehmen, aber sie war zu dem Zeitpunkt nicht fähig für mich zu sorgen.“ 212

Das 48,53 Minuten dauernde Interview fand, wie bereits zwei andere, in einem reservierten Besprechungsraum statt. Der Befragte wirkte anfangs nervös, konnte sich aber bald öffnen wodurch ein ausführliches Gespräch möglich wurde.

 
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