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6.3.5 Anregungen und Ergänzungen

Schließlich hatten die Teilnehmer der Interviews noch die Möglichkeit ergänzende Angaben, sowie Veränderungsvorschläge und Wünsche anzubringen. Außerdem wurden sie dazu angehalten ihre konkrete Meinung über die von ihnen erlebte Maßnahme bekannt zu geben.

Die abschließenden Gedanken der Befragten bezogen sich auf unterschiedliche Bereiche und umfassten sowohl negative als auch positive Bewertungen. Einer fand es zum Beispiel wichtig noch zu betonen, dass er von seinem Pflegevater auch geschlagen wurde wenn er etwas anstellte, jedoch betonte er ebenso, dass er ein „normales Leben“ hat, mit vielen Kollegen und einer „super Familie“.273 Der 73-Jährige wollte abermals erwähnen, dass die vielen Einrichtungswechsel belastend waren und erst im Kinderdorf alles besser war. Jener Interviewter, dessen beide Elternteile innerhalb kürzester Zeit verstarben, empfand es auch aktuell noch als bedrückend, dass er bestimmte Informationen über das Ableben der Kindesmutter von der/dem Sozialarbeiter/in bis heute nicht erhalten habe, obwohl darum gebeten wurde. Der Teilnehmer dessen Kindesmutter ebenfalls verstarb, wiederholte an dieser Stelle noch einmal, dass die Trennung von seinen Kollegen durch seine Unterbringung im Heim als sehr schmerzhaft erlebt wurde. Keine Antwort auf diese Frage fiel dem Interviewten ein, welcher mit drei Jahren zu einer Kinderdorffamilie kam.

„Nein, das was mir am meisten weh tut, ist das mit den Kollegen, dass ich eben nicht mehr so mit ihnen reden kann und so.“274

Bei der Möglichkeit Wünsche oder Änderungsvorschläge, als etwas das hilfreich für die damals fremd untergebrachten Kinder gewesen wäre, zu nennen, bezogen sich die meisten auf eben beschriebene Gedanken. Nur jener, welchem zu obigen Punkt nichts einfiel, hätte es als hilfreich für die Zeit im Kinderdorf empfunden, wenn Außenstehende ihm weniger mit Vorurteilen begegnet wären.

„Die anderen Menschen. Die hätten nicht so... also mit mir so tun sollen... so eben: „Oh das Kinderdorfkind“.“275

Drei Interviewteilnehmer fassten in ihrer konkreten Meinung über die von ihnen erlebte Maßnahme zusammen, dass sie froh darüber wären diese Möglichkeit gehabt zu haben. Die Person aus Interview 2, welche einige Einrichtungswechsel und verschiedene Pflegefamilien erleben musste, erwähnte auch hier wiederum, dass er sich nie irgendwo dazugehörig und stets verloren fühlte. Interviewperson 3 wiederholt an dieser Stelle, dass diese Maßnahme für ihn die falsche gewesen sei.

„Scheiße. Nein, für mich war es absolut nichts. Mir kommt vor, das hat alles nur kaputt gemacht.“276

Drei der fünf Befragten hatten am Ende der Interviews noch Ratschläge für die Sozialarbeiter/innen der Jugendwohlfahrt, welche bei künftigen Fremdunterbringungen von Minderjährigen berücksichtigt werden sollten. So hatte einer den Vorschlag, bei Jugendlichen, welche Gefahr laufen, in verschiedene Süchte wie Drogen oder Alkohol abzurutschen, mehr präsent zu sein und mehr darauf zu achten, dass dies verhindert wird.

„Bei denen die wirklich schon zach abgerutscht sind, so wie solche, die ich kennen gelernt habe… da wäre vielleicht ein bisschen mehr… ja, dass sie diese auf einen Entzug, oder grad aufs Umfeld oder, dass sie mehr schauen halt, weil die sind ja wirklich immer zu Drogen gekommen.“277

Ein anderer meinte, dass für Kinder die Umstellung von ländlichen in städtische Gegenden sehr schwer sei und dies verhindert werden sollte. Und der Dritte der hierzu eine Antwort hatte, meinte, dass man mit den Kindern und Jugendlichen mehr unternehmen und in die Natur gehen sollte. Hierbei muss erwähnt werden, dass diese Antwort von dem heute 73-Jährigen stammt, welcher in den Pflegefamilien in frühen Jahren vermehrt als Arbeitskraft eingesetzt wurde.

Nachdem die Auswertung der erhaltenen Informationen zu den fünf Bereichen des Interviewleitfadens an dieser Stelle endet, werden im nachfolgenden Kapitel die Ergebnisse hinsichtlich der Forschungsfrage interpretiert und mit der grundlegenden Theorie verbunden.

 
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