Fazit

Der Archetyp des Helden ist dadurch gekennzeichnet, dass er mit außerordentlicher Kraft und Geistesstärke ausgestattet ist und ein Ziel hat, das über sich selbst hinausweist und für die Gemeinschaft wichtig ist.

Diesen Heldentypen verkörpern heutzutage oft die Gründer von Unternehmen, die neue Technologien entwickeln und/oder verkaufen. Sie scheinen in jungen Jahren aus dem Nichts zu kommen und legen dann einen kometenhaften Aufstieg hin. Bewundert werden sie vor allem wegen ihres Reichtums.

Geld dient in unserer Welt als universeller Wertmaßstab. Es ist in einem narzisstischen Koordinatensystem daher kein Wunder, dass die Gleichung „viel Geld = viel Bewunderung“ aufgestellt werden kann. Die Anbetung des Geldes kann daher gut als narzisstisches Phänomen verstanden werden. Wie in der Politik und im Showbusiness gibt es auch in der Wirtschaft die Versuchung der narzisstischen Korruption (der nicht selten eine finanzielle Korruption vorausgeht oder nachfolgt). Gemeint ist damit, dass sich die Motivation eines Wirtschaftsführers unmerklich immer mehr wandelt vom Interesse am Wohl der Firma zum Interesse am eigenen Glanz.

Die Grenzen zwischen einem gesunden und notwendigen Selbstbewusstsein, das nötig ist, um in der Wirtschaft Erfolg zu haben, und einer dysfunktionalen narzisstischen Entwicklung von Wirtschaftsführern sind fließend. Wenn der Glanz des Chefs die Haupttriebfeder für die Führung in der Wirtschaft ist, bedeutet das für das Wohl des Unternehmens oft nichts Gutes. Solche Wirtschaftsführer verbergen ihre narzisstische Motivation gerne hinter einer Fassade unermüdlichen Einsatzes für das Unternehmen, während hinter dieser Fassade eine erstaunliche Wüste menschlicher Sinnentleerung zu erahnen ist.

Für die Teams, denen solche Persönlichkeiten vorstehen, bedeutet das, dass sie nur dann von Interesse sind, wenn sie der Grandiosität des Chefs dienen. Abweichende Meinungen in Sachdiskussionen oder andere Wege, als sie der heroische Chef gehen will, führen schnell zu unangenehmen Konsequenzen für die Menschen, die sie vertreten. Das führt konkret häufig zur Vertreibung der guten Leute aus den Teams, weil sich diese den narzisstischen Bedürfnissen des Chefs auf Dauer nicht unterordnen wollen.

Eine besondere Spielart narzisstischer Bedürfnisbefriedigung Einzelner im Rahmen der Wirtschaft trifft man manchmal bei Wohltätigkeitsorganisationen an. Das Engagement für eine gute Sache, oft ehrenamtlich oder zumindest unterbezahlt, wird belohnt durch das große Ansehen, das die Betreffenden gewinnen, wenn sie sich unermüdlich für die gute Sache engagieren.

 
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